Die nächste Runde der Angriffe auf die Beschäftigten in der Autoindustrie rollt. Bei VW hatte die IG Metall im Dezember 2024 dem “sozialverträglichen” Abbau von 35.000 Arbeitsplätzen zugestimmt. Zwischendurch war von 50.000 Jobs die Rede. Jetzt sollen 100.000 abgebaut werden, 15% aller Arbeitsplätze im Konzern. Vier Werke – Emden, Zwickau, Hannover und Audi Neckarsulm – sollen schließen. Bei Mercedes-Benz fordert die Unternehmensleitung, dass die Beschäftigten für den gleichen Lohn fünf Stunden pro Woche mehr arbeiten sollen.
Die Zahl 100.000 und die Schließungsdrohungen dienen dazu, die Beschäftigten bei VW in Angst und Schrecken zu versetzen. Bei den Beratungen des Aufsichtsrats am 9. Juli mag dann herauskommen, dass es nicht soweit kommen müsse – wenn alle Kolleg*innen auf noch mehr Lohn verzichten als ohnehin schon und länger arbeiten. Das Land Niedersachsen wird verhindern wollen, dass zwei Standorte dort geschlossen werden und wird andere Vorschläge machen. Was macht die IGM dann – atmet sie auf und sagt “wir sind erleichtert und stimmen allem zu”?
Die Richtung ist klar: die Autobosse wollen ihre Profite auf Kosten der Beschäftigten sanieren. Sie drücken Löhne, verschlechtern die Arbeitsbedingungen und reduzieren die Belegschaften. Die Zustimmung der IG Metall von 2024 hat keine Haltelinien gezogen und die verbliebenen Jobs nicht gesichert, sondern die Kapitalseite ermutigt, immer dreister zu werden. Heute ist die VW-Belegschaft aber weniger kampfkräftig als vor zwei Jahren. Doch hat sie weitaus mehr potenzielle Macht als weitere zwei oder drei Jahre später. Der Kampf um die Verteidigung aller Arbeitsplätze muss jetzt beginnen.
Klassenkampf? Können sie haben!
Die Mercedes-Bosse fordern in einem Schreiben an die Belegschaft: “Wir sollten in allen Bereichen für das gleiche Geld mehr arbeiten”. Eine für den Juli vorgesehene Sonderzahlung wurde einbehalten, auf April 2027 verschoben und ganz in Frage gestellt.
Die Beschäftigten bei Mercedes-Benz reagieren darauf. Am 3. Juli gingen sie bei einem bundesweiten Aktionstag auf die Straße, 33.000 Beschäftigte beteiligten sich daran. Die Vertrauensleute des Werkes in Stuttgart-Untertürkheim haben eine Stellungnahme verfasst, die richtungsweisend ist:
“Schluss jetzt. Protest, Widerstand, Streik! Die Bosse wollen Klassenkampf? Können sie haben! Wir sollen arbeiten, bis wir sterben. Das Bürgergeld wird zur sogenannten ‘Grundsicherung’. Wir sollen also gezwungen sein, auch noch die letzte mies bezahlte Stelle anzutreten, wenn die Bosse unseren Job vernichten. Unsere Jugend soll wieder für die Profite der Konzerne in den Krieg ziehen (…) Auch wenn wir zu Beginn wenige oder gar allein sind; wenn wir die Stimme erheben und Haltung zeigen, werden wir mehr werden. Sobald wir spüren, dass die Stimmung in unserer Belegschaft reif dafür ist, werden wir im Betrieb und in unserer Stadt Protest organisieren. Wir engagieren uns in unserer Gewerkschaft und verlangen so bald wie möglich, Demonstrationen gegen die Gier der Bosse, gegen die Regierung und für eine bessere Zukunft zu organisieren. Bis hin zum Streik. Und wenn die Gewerkschaftsspitzen sich zieren, dann machen wir das selbst.”
2025 sind 50.000 Arbeitsplätze in der Autoindustrie abgebaut worden, mehr werden folgen. Das Ford-Werk in Köln ist in seinem Bestand bedroht, dazu die VW-Werke. Entscheidend ist, dass nicht die Belegschaft eines Konzerns oder gar eines Standorts isoliert kämpft. Nötig ist der gemeinsame Widerstand der Auto-Arbeiter*innen im ganzen Land.
Die IGM muss sofort konzernübergreifende Vertrauensleute-Konferenzen einberufen, Forderungen ausarbeiten und verbreiten, wie die Arbeitsplätze erhalten werden können und wie die Produktion unter der Kontrolle der Beschäftigten auf benötigte Produkte umgestellt werden kann.
Und wenn die IGM das nicht macht, dann sollte gelten, was die Kolleg*innen aus Untertürkheim formuliert haben: “wenn die Gewerkschaftsspitzen sich zieren, dann machen wir das selbst.”

