Die Bundeswehr soll laut Friedrich Merz zur „stärksten konventionellen Armee Europas“ werden und braucht dafür neue Rekrut*innen. In den letzten Jahren hat sich die Zahl von Besuchen der Bundeswehr an Schulen verdoppelt, von 2558 im Jahr 2021 auf 5527 in 2025. Jugendoffizier*innen ist es zwar gesetzlich verboten, offen für die Bundeswehr zu werben. Dennoch vermitteln sie ein positives Bild des Militärs. Für antimilitaristische Schüler*innen stellt sich die Frage, was man den rhetorisch geschulten Offizier*innen entgegnen kann.
Kein Job wie jeder andere
Die Bundeswehr versucht, sich als attraktiver Arbeitgeber mit guten Karrierechancen zu präsentieren. Vor allem Jugendliche ohne Perspektiven auf dem „normalen” Arbeitsmarkt sollen durch die 2600 Euro Brutto Grundgehalt oder Boni wie den kostenlosen Führerschein in die Armee gelockt werden.
Obwohl die Bundeswehr unter rein finanziellen Gesichtspunkten relativ gut abschneidet, ist sie trotzdem kein normaler Arbeitgeber. Soldat*innen müssen die Befehle ihrer Vorgesetzten befolgen. Sie haben keine gewerkschaftlichen Rechte und keine betriebliche Interessenvertretung. Im Militär gibt es keine Meinungsfreiheit. In letzter Instanz bedeutet das unbedingten Gehorsam gegenüber der deutschen Regierung, für die man im Zweifelsfall töten und sterben muss. Die Kehrseite der finanziellen Vorteile des Berufs, ist das „Berufsrisiko” an die Front geschickt zu werden.
Krieg ist eine reale Gefahr
Dass dieser Ernstfall tatsächlich eintreten könnte, ist gar nicht so abwegig. Nicht umsonst sprechen deutsche Politiker*innen ständig davon, bis 2029 oder 2030 bereit für den Krieg mit Russland sein zu wollen. Krieg ist längst keine abstrakte Gefahr mehr, sondern für Millionen von Menschen bittere Realität. Schon jetzt haben in der Ukraine, in Gaza, im Libanon und im Iran hunderttausende Soldat*innen und Zivilist*innen ihr Leben verloren. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die nächsten Jahre friedlicher werden. Vielmehr spitzt sich die internationale Lage immer weiter zu. Damit wird auch eine direkte deutsche Beteiligung an militärischen Konflikten wahrscheinlicher.
Sind wir die Guten?
Der amerikanisch-israelische Angriffskrieg gegen den Iran und den Libanon war die jüngste Eskalationsstufe in dieser internationalen Zuspitzung. US-Basen auf deutschem Boden spielen eine wichtige Rolle dabei, die amerikanische Kriegsführung und damit auch US-Kriegsverbrechen zu ermöglichen. Durch Waffenlieferungen an Israel unterstützt die BRD bis heute die ethnische Vertreibung im Südlibanon, ebenso wie den andauernden Genozid in Gaza.
Als ihr enger Verbündeter könnte Deutschland in Zukunft noch viel stärker in die verbrecherischen Kriege der USA und Israels hineingezogen werden und selbst Soldat*innen und Schiffe in die Region entsenden. Deutsche Soldat*innen würden nicht Freiheit und Demokratie verteidigen, sondern auf der Seite von Trump und Netanjahu die Region weiter ins Chaos stürzen.
Bedrohung durch Russland?
Das Narrativ einer akuten russischen Bedrohung wird durch die realen militärischen Kräfteverhältnisse widerlegt. 2025 lagen die Rüstungsausgaben der europäischen NATO-Staaten bei 454 Milliarden, die russischen bei 149 Milliarden. In den meisten relevanten Bereichen – Truppenstärke, Kriegsschiffe, Kampfflugzeuge und Großwaffensysteme – sind die europäischen NATO-Staaten deutlich überlegen. Dass Russland, das sich in der Ukraine schon schwertut, eine existenzielle Bedrohung für Europa darstellt, ist absurd.
Zur Logik der Eskalation gehören immer zwei Seiten. Während in Deutschland eine russische Bedrohung heraufbeschworen wird, sieht man in Russland die Aufrüstung an der NATO-Ostflanke als Gefahr für eigene Sicherheitsinteressen. Beide Seiten behaupten, sich mit der eigenen Aufrüstung nur vor der Aggression der Gegenseite zu schützen – die klassische Legitimation für die meisten militärischen Konflikte der Geschichte
Es geht nicht um Verteidigung
Stattdessen geht es der EU darum, in der imperialistischen Staatenkonkurrenz nicht zurückzubleiben und sich als unabhängige Großmacht zu etablieren. In der Einleitung zum „Weißbuch Europäische Verteidigungsbereitschaft 2030” der EU-Kommission wird davon gesprochen, dass „in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts […] eine neue internationale Ordnung geformt [wird]” und „wir” diese Ordnung mitgestalten müssen.
Dazu müssen die europäischen Armeen in der Lage sein, diese neue Ordnung militärisch durchzusetzen, auch durch offensive Kapazitäten – etwa im Baltikum, der Ostsee oder dem Schwarzen Meer. Es ist gut möglich, dass diese auch eingesetzt werden, um etwa durch einen „Präventivschlag” einer vermeintlichen oder tatsächlichen russischen Aggression zuvorzukommen.
Die Bundeswehr kämpft nicht für uns
Die Bundeswehr soll dafür sorgen, dass Deutschland in der internationalen Staatenkonkurrenz nicht zurückfällt. Letztlich geht es darum, deutschen Unternehmen den Zugang zu Märkten, Rohstoffen und billigen Arbeitskräften in Osteuropa militärisch abzusichern. Ein Krieg gegen Russland würde nicht für unsere Sicherheit und Freiheit, sondern für die Profite von Rheinmetall und Deutsche Bank geführt werden.
Trotzdem müssen wir die Kriege der Reichen am Ende ausbaden. Es sind nicht die Kinder der Konzernchefs, die zur Armee gehen und an der Front sterben, sondern vor allem perspektivlose Jugendliche, für die die Bundeswehr die einzige Alternative zu Armut, zermürbenden Niedriglohnjobs oder Schikane durchs Jobcenter ist.
An den Schulen organisieren!
Es ist ein wichtiger erster Schritt, sich Argumente anzueignen, damit die Propaganda der Jugendoffizier*innen nicht unwidersprochen bleibt. Allerdings sollte man hier nicht stehen bleiben. Kollektiv können wir viel wirksameren Widerstand leisten als alleine.
Gerade Bundeswehr-Besuche können ein guter Anlass sein, sich mit anderen kritischen Mitschüler*innen zu vernetzen und ein antimilitaristisches Schulkomitee aufzubauen. Dort kann man gemeinsam Argumente gegen Bundeswehrwerbung vorbereiten, Aktionen planen und zu den nächsten Schulstreiks gegen Wehrpflicht mobilisieren.

