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Feministischer Streik: kollektiv und massenhaft!

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MC Donalds Beschäftigte streiken gegen sexuelle Belästigung

Unsere Herangehensweise an den 8. März

In zahlreichen Städten werden für den 8. März unter dem Titel Frauen*streik Aktionen während der Arbeitszeit geplant. Wie kann ein feministischer Streik erfolgreich aufgebaut werden?

von Nadja Habibi, Hamburg

Feministische Streiks gab es schon früher. 1994 gingen eine Millionen Frauen auf die Straße. Wieder aufgekommen ist es mit dem erfolgreichen Streik in Spanien am 8. März 2018, an dem sich über sechs Millionen Arbeiterinnen und Arbeiter beteiligt haben, um gegen ungleiche Bezahlung und Unterdrückung zu kämpfen.

Das bundesweite Frauen*streik-Bündnis plant dieses Jahr Aktionen in Deutschland und fordert unter anderem ein Recht auf körperliche Selbstbestimmung, das Ende des Pflegenotstandes und einen Stopp von schlechter Bezahlung und unsicherer Arbeit für Frauen.

Streiken – alle, gemeinsam

Dass die Idee eines feministischen Streiks auch in Deutschland nun wieder auf der Tagesordnung steht, ist ein begrüßenswerter Fortschritt. Jedoch muss Klarheit darüber herrschen, was für einen Streik wir wollen. Das individuelle Krankmelden statt einem kollektiven Fernbleiben der Arbeit erhöht das Risiko von Repressionen und führt dazu, dass wir nicht offen mit unseren Kolleg*innen darüber reden können, dass wir bewusst an diesem Tag auf die Straße gehen wollen statt zur Arbeit. Die Forderung nach einem feministischen Streik sollte deshalb kollektiv in die Betriebe und Verwaltungen getragen werden. Es gab unter Einbeziehung des Bündnisses erste Betriebs- und Gewerkschaftsversammlungen zu dem Thema – zum Beispiel in der Pflege. Das sind erste Anfänge einer betrieblichen Orientierung. Beispiele für massenhafte Arbeitsniederlegungen sind der Google-Walkout im Oktober, wo es kollektive, internationale Streikaktion gegen sexualisierte Gewalt am Arbeitsplatz bei Google gab, oder auch der Streik von tausenden in Glasgow gegen Lohndiskriminierung von Frauen.

Arbeitsniederlegung zuhause?

Dass Frauen täglich fast doppelt so viel Zeit für Hausarbeit und Kinderbetreuung verwenden wie Männer, auch wenn beide Vollzeit arbeiten, zeigen Studien wie sogar die des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Wir leben in einer patriarchalen Gesellschaft, das spiegelt sich auch in den eigenen vier Wänden wieder. Das Frauen*streik-Bündnis fordert deshalb am 8. März die Hausarbeit liegen zu lassen. So sehr es einigen Männern bestimmt nicht schaden würde, zu sehen, wie viel Arbeit Frauen tagtäglich unbemerkt leisten, verlagert diese Aktionsform die kollektiven Probleme von Frauen in einen privaten, individuellen Rahmen. Nicht nur, dass wir unseren Kampf für kostenlose, öffentliche Kinderbetreuung, ausreichend gute Pflegeeinrichtungen und preiswerte Kantinen nur gemeinsam in gesellschaftlichen Kämpfen gewinnen können, sondern auch dass dabei der Mann als angeblicher Feind in den Fokus rückt, macht diese Forderung zu einem Problem. Die Verantwortlichen für Sexismus, die davon profitieren, dass sie kein Geld für gut ausgestattete Kitas und Pflege zur Verfügung stellen müssen oder die Frauen schlechter bezahlen, um dafür noch mehr Profit einzustecken, bleiben davon unangetastet. Das sind immer noch die Merkels, Seehofers, Scholz’s und Jeff Bezos dieser Welt.

Druck auf Gewerkschaften

Wir müssen Druck von unten auf die Gewerkschaften ausüben, die mit ihren Mitgliedern und Mitteln diesen Kampf führen sollten, damit er gewonnen werden kann. Das gilt natürlich nicht nur für den 8. März sondern auch die anstehenden Tarifrunden. Die ver.di-Landesbezirksfrauenkonferenz NRW hat eine Resolution beschlossen, in der sie die Aktionen zum Frauen*streik unterstützt und Kolleginnen dazu aufruft, sich zu dem Thema einzubringen. Damit haben sie einen guten Anfang gemacht. Nun gilt es weiterzumachen und konkrete Forderungen wie gleiche Löhne für Männer und Frauen aufzustellen, und so auch neue Kolleg*innen zu aktivieren. Diskussionen darum, dass Männer sich am Protest nicht beteiligen dürfen, wie sie in einigen Orten geführt wurden, schwächen uns alle und führen dazu, dass Frauen den Kampf als einen gegen Männer begreifen. Wenn wir jedoch unsere Betriebe bestreiken und alle gemeinsam für eine andere Gesellschaft – ohne Sexismus und Ausbeutung – auf die Straße gehen, können wir die Spaltung überwinden, die nur den Bossen nutzt, die an unserer Ausbeutung verdienen. Und den männlichen Kollegen, die noch sexistisch handeln, zeigen wir so am besten, warum sie selbst ein Interesse daran haben, das zu unterlassen und was wir alles erreichen können, wenn wir gemeinsam kämpfen.