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„Sozialismus statt Marktwirtschaft“

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Eine Auseinandersetzung mit Sahra Wagenknecht

Sahra Wagenknecht, die Fraktionsvorsitzende der LINKEN im Bundestag, gilt als Frontfrau des linken Parteiflügels. 2011 erschien ihr Buch „Freiheit statt Kapitalismus“, in dem sie eine grundlegende Analyse des heutigen Kapitalismus und Lösungsansätze darlegt.

Mit der Neuauflage von Lucy Redlers Broschüre „Sozialismus statt Marktwirtschaft“ hat der Manifest-Verlag nun eine ausführliche kritische Analyse Sahra Wagenknechts wirtschaftspolitischer Vorstellungen vorgelegt und durch weitere Artikel zu ihren Positionen ergänzt.

von Heino Berg, Göttingen

Lucy Redler schreibt treffend: „Das neue Buch von Sahra Wagenknecht ist aber trotz vieler guter Ideen und richtiger Forderungen kein Plädoyer für eine grundlegende, sozialistische Umgestaltung des globalen krisengeschüttelten Kapitalismus. (…) Auf über 350 Seiten präsentiert sie mit einer Konzeption des Dritten Weges und einigen  wirtschaftsdemokratischen Vorstellungen vor allem alten Wein in neuen Schläuchen – gemischt mit einigen radikalen Forderungen und garniert mit konservativen Ideologien. (…) Um nicht falsch verstanden zu werden: Gegen guten alten Wein ist nichts einzuwenden. Aber leider verschwinden die Ideen und Theorien von Rosa Luxemburg, Karl Marx und Friedrich Engels komplett aus Wagenknechts neuem Buch. Und die Arbeiterklasse gleich mit ihnen. Statt marxistische Positionen vertritt Wagenknecht sozialdemokratische Illusionen aus den zwanziger Jahren und aus der deutschen Nachkriegsgeschichte.“

Sahra Wagenknecht folgt einer sozialdemokratischen Logik, welche die kapitalistische Marktwirtschaft nicht überwinden, sondern nur von der Vorherrschaft der Monopole befreien soll.

Lucy Redler erklärt, warum Monopole ein zwangsläufiges Ergebnis des kapitalistischen Konzentration sind und warum es gefährlich ist, zwischen „echten Unternehmern“ und „schlechten Kapitalisten“ zu unterscheiden.

Ja zur Marktwirtschaft

Während Sahra Wagenknecht der stalinistischen Planwirtschaft der SED die Idee eines „Kreativen Sozialismus“ entgegenstellt, in der Konkurrenz und Markt eine produktive Verwendung der gesellschaftlichen Ressourcen garantieren, verteidigt Lucy Redler das Prinzip der demokratisch kontrollierten Planung der Produktion durch die Gesellschaft. Während für Lucy Redler die Unterdrückung der Arbeiterdemokratie die zentrale Ursache für die Misswirtschaft in der DDR und der Sowjetunion war, sieht Sahra Wagenknecht die Abkehr vom Konkurrenz- und Marktprinzip als Hauptursache.

Sahra Wagenknechts Hoffnung, den Kapitalismus durch umfangreiche Verstaatlichungen und Vermögensumverteilungen zu bändigen und damit eine schrittweise Reformierung der Marktwirtschaft einleiten zu können, konfrontiert Lucy Redler nicht nur mit den theoretischen Argumenten von Luxemburg oder Lenin, sondern auch mit der praktischen Bilanz solcher Transformationsmodelle zum Beispiel unter Mitterand in Frankreich.

Dazu gehört auch eine kritische Auseinandersetzung mit Konzepten der „Wirtschaftsdemokratie“, der Genossenschaften und der „Mitarbeiterbeteiligung“, durch die das Privateigentum an den Produktionsmitteln nicht überwunden, sondern ergänzt werden sollen.

Lucy Redler schreibt dazu in ihrem Fazit: „Sahra Wagenknechts Buch bleibt methodisch in der wirtschaftstheoretischen Modelldiskussion, ohne den Klassenkampf, politische Kräfteverhältnisse und ihre Dynamik zu berücksichtigen.

Gerade die Vorstellung einer Gesellschaft ohne antagonistische Interessen führt zu Fehlern in ihren Schlussfolgerungen. (…) Um nur einzelne der richtigen Forderungen (…) durchzusetzen, ist ein harter Kampf und eine Konfrontation mit dem Kapital nötig. Diese Dimension, die Machtfrage im Kapitalismus, blendet Wagenknecht aus. Deshalb muss die Macht der Banken und Konzerne gebrochen werden – dauerhaft und grundlegend, um die ureigenen Gesetze des Marktes, der Konkurrenz und des Profits zu beseitigen.“

Der Manifest-Verlag ergänzt Redlers Text mit weiteren Artikeln und Stellungnahmen zu den migrationspolitischen Positionen von Sahra Wagenknecht. Sehr lesenwert ist hier der Beitrag von Sebastian Rave, der eine Verbindung zwischen Sahra Wagenknechts wirtschaftspolitischen Poitionen und ihrer Haltung zu Migration herstellt.

Das Buch ist im Buchhandel oder hier erhältlich.