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Ebola in in Nigeria: Kapitalismus verschlimmert die Epidemie

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Foto: https://www.flickr.com/photos/ilfattoquotidiano/ CC BY-NC-SA 2.0

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Wir veröffentlichen hier die Übersetzungen zweier Erklärungen der Socialist Party Nigeria, unserer nigerianischen Schwesterorganisation und Mitglied des CWI in Nigeria zur Ebola Epidemie, die am 15. August und 1. September veröffentlicht wurden.

Arbeitende Massen der westafrikanischen Länder müssen für eine sozialistische medizinische Lösung kämpfen.

Erklärung der „Socialist Party Nigeria“ (SPN)

Zusammen mit den arbeitenden Menschen Westafrikas fühlen wir, die „Socialist Party“, mit den Familien der Opfer der Ebola-Epidemie, die derzeit die Länder dieser Region in Atem hält.

Wir weisen die falsche Behauptung der Bürgerlichen zurück, wonach Ebola unheilbar sei. Im Gegensatz dazu meinen wir, dass das Fehlen eines Medikaments gegen Ebola zum jetzigen Zeitpunkt das Ergebnis einer Philosophie ist, die den Profit an erste Stelle setzt. Diese Philosophie wird von den kapitalistischen Pharmakonzernen vertreten, für die die Opferzahlen in Westafrika zu gering sind, als dass es sich für sie lohnen würde, in die Forschung zu investieren. Die Produktion entsprechender Medikamente würde ihnen keinen Super-Profit bescheren. So wird in den Medien beispielsweise berichtet, dass Amerikaner, die in Liberia mit dem Ebola-Virus infiziert wurden, umgehend medizinische Versorgung erhalten und dass in der Erprobungsphase befindliche Medikament „Zmapp“ verabreicht bekommen. Das zeigt, dass Gesundheitsrisiken wie Ebola in den Griff zu bekommen sind, wenn nur die Menschen bestimmen würden, was erforscht und was produziert wird.

Wir betrachten die Ausbreitung des Virus auf Nigeria als große Bedrohung für Millionen arbeitender Menschen im Land. Der Grund dafür ist das Fehlen einer angemessenen Infrastruktur für medizinische Grundversorgung, was auf das Versagen der verschiedenen, aufeinander folgenden kapitalistischen Regime zurückzuführen ist, die von der zerstörerischen herrschenden Elite gestellt werden. Medienberichten zufolge ist eine Krankenschwester aus Nigeria gestorben, die einen Ebola-Patienten aus Liberia behandelt hat. Demnach sind auch der behandelnde nigerianische Arzt sowie neun weitere „Primär-Kontakte“ an Ebola erkrankt. Es ist erschreckend, dass das Opfer dieser Krankheit, von Liberia nach Nigeria kommen konnte, obwohl es die massive Propaganda durch die nigerianische Bundesregierung gibt. Darin ist die Rede davon, dass entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, um eine Ausbreitung des Virus auch auf Nigeria zu verhindern.

Wir verurteilen den schieren Verfall und die Regierung, die ganz offenkundig nicht angemessen mit der Situation umgeht, wenn sie die Epidemie zu bekämpfen können meint, indem lediglich eine Krankenschwester in ihrem Haus unter Quarantäne gestellt wird, bei der es sich um nur eine von mehreren sogenannter Primär-Kontakte gehandelt hat. Diese Frau, der es möglich war, von Lagos nach Enugu zu fahren, hat dabei möglicherweise das Virus über die Grenzen von Lagos gebracht.

Wir fordern eine den Umständen gerecht werdende gesundheitliche Überwachung an allen Zugangsbereichen der Landesgrenze, Flug- und Seehäfen, um sicherzustellen, dass das Virus sich nicht weiter ausbreiten kann. Wir rufen dazu auf, in den Gemeinden massenhaft zu mobilisieren, um es der Masse der arbeitenden Menschen zu ermöglichen, auf demokratische Art und Weise Gemeinde-Ausschüsse einzuberufen, die die Prävention, den sicheren Umgang und entsprechende Notmaßnahmen regeln und organisieren, wenn es darum geht, die Ausbreitung dieser todbringenden Krankheit zu verhindern.

Wir beschuldigen die herrschenden Eliten im Land mit ihrer auf die Profitgier zurückzuführenden kapitalistische Krise, für die Ausbreitung dieser Krankheit auf Nigeria und in ganz Westafrika verantwortlich zu sein. Wir rufen die arbeitenden Massen ganz Westafrikas, des gesamten afrikanischen Kontinents und weltweit auf, den Kampf für eine demokratische sozialistische Lösung zu beginnen, damit die riesigen gesellschaftlichen Ressourcen genutzt werden, um in die Forschung zu investieren und in die Produktion von Medikamenten, mit denen die Millionen von arbeitenden Menschen geschützt werden können. Wir brauchen Ambulanzstationen für die Massen statt massenhafter Profite für die kapitalistischen multinationalen Pharmakonzerne.

Wir rufen die ArbeiterInnen, Studierenden, die jungen Menschen und die unterdrückten Massen auf, sich der SPN anzuschließen und sie als politische Plattform der Massen aufzubauen – für die Millionen arbeitender Menschen, die die politische Macht erlangen und eine Regierung führen können, welche nach den Bedürfnissen der Gesellschaft ausgerichtet ist und nicht nach der Gier und Profitlogik einer kleinen Minderheit.

Ebola-Ausbruch im nigerianischen Port Harcourt

So sieht eine medizinische Krise aus, die auf das Versagen der kapitalistischen Eliten zurückzuführen ist.

Erklärung der „Socialist Party of Nigeria“ (SPN), die vom „Democratic Socialist Movement“, (DSM; Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in Nigeria) mitgegründet wurde.

Wir vom Landesverband der „Socialist Party of Nigeria“ (SPN) im Bundesstaat Rivers State betrachten die Ausbreitung des gefürchteten Ebola-Virus auf Port Harcourt, die Hauptstadt des Bundesstaates Rivers State, als eindeutigen Beleg dafür, dass die Regierung unter Präsident Jonathan im Kampf gegen die Epidemie versagt hat, obwohl die Propaganda der Regierung eine andere Sprache spricht.

Nach Angaben von Journalisten ist ein Arzt, der als Iyke Enemuo identifiziert wurde, das erste Opfer von Ebola in Port Harcourt geworden und am Freitag, dem 22. August 2014, im Good Heart Hospital der Stadt verstorben. Er hat sich bei einem Diplomaten der „Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft“ (ECOWAS) mit dem Virus angesteckt, als er diesen insgeheim in einem Hotel behandelte. Der ECOWAS-Diplomat hatte sich seinerseits infiziert, nachdem er mit dem aus Liberia stammenden Amerikaner, Patrick Sawyer, Kontakt hatte, der der erste bekannte Fall von Ebola in Nigeria ist. Die Krankheit des Diplomaten blieb unentdeckt, weil er nicht kontrolliert wurde und nach Port Harcourt reiste. Er erholte sich von der Krankheit und kehrte nach Lagos zurück. Der Arzt hingegen starb. Die Ehefrau von Doktor Enemuo ist ebenfalls Ärztin. Auch bei ihr wurde das Virus festgestellt. Ihr drei Monate altes Baby sowie ein weiterer Arzt und ein Apotheker, die beide mit Enemou zusammengearbeitet haben, wurden demnach unter Quarantäne gestellt. Es wird geschätzt, dass rund 200 Personen Kontakt zu ihm hatten, von denen laut Berichten 60 Personen von den Sicherheitsdiensten ausfindig gemacht worden sind.

Die ganze Situation straft die Behauptungen vom Gesundheitsminister Professor Onyebuchi Chukwu Lügen, wonach die Ausbreitung des Ebola-Virus unter Kontrolle sei. Viele Menschenleben sind in Gefahr, weil die Regierung versagt hat, angemessene Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Krankheit zu ergreifen.

Wir betrachten es als schiere Heuchelei und Zeichen für die Unaufrichtigkeit der Regierung im Kampf gegen das Ebola-Virus, wenn sie die Wiederaufnahme des Schulbetriebs nach hinten verschiebt, Großveranstaltungen verbietet, gleichzeitig aber Massenkundgebungen im ganzen Land duldet, bei denen es um Unterstützung für das Vorhaben von Präsident Jonathan geht, der ein zweites Mal für das Präsidentenamt kandidieren will.

Wir stellen außerdem fest, dass AnwohnerInnen der kommunalen Verwaltung von Emohua in der Stadt Port Harcourt dagegen protestiert haben, dass in ihrer Gegend eine Isolierstation eröffnet wird. Das ist eine Bestätigung für die tiefsitzende Wut angesichts des Versagens der Regierung dieses Bundesstaates. Sie haben die Regierung dieses Bundesstaats dafür beschuldigt, dass sie das Erste Hilfe-Zentrum der Gemeinde aufgegeben haben. Die Regierung des Bundesstaates Rivers State unter Amaechi passt sich der Bundesregierung unter Jonathan an und bringt mehr Energie für politische Propaganda, ohne sich wirklich um die Gesundheitsversorgung im Land zu kümmern. Das ist das Ergebnis der neoliberalen kapitalistischen Agenda.

Wir fordern die angemessene Unterstützung durch die Regierung, um in den Gemeinden für Schutz- und Vorsorgemaßnahmen, Aufklärungskampagnen und Not-Ausschüsse zu sorgen, um mit Hochdruck gegen die Ausbreitung der todbringenden Krankheit vorzugehen.

Wir stellen fest, dass das Versagen der Regierung auf allen Ebenen, die Ausbreitung des Ebola-Virus auszubreiten, erneut bewiesen hat, wie dringend nötig eine echte politische Alternative für die arbeitenden Menschen ist. Mit der Gründung der SPN ist ein Schritt in dieser Richtung unternommen worden. Wir bemühen uns um eine echte Arbeiter-Regierung, mit der die enormen Reichtümer eingesetzt werden, um Forschung und Produktion so einzusetzen, dass damit Krankheiten wie Ebola bekämpft werden. Auf dieselbe Art und Weise muss das derzeit herrschende System namens Kapitalismus bekämpft werden, in dem der Profit über allem anderen steht.