Der Kommerz macht das Spiel kaputt

Im Jahr vor der Fu?ball-Weltmeisterschaft in Deutschland
 
Der Countdown l?uft. In 15 Monaten beginnt die Fu?ballweltmeisterschaft, die vom 9. Juni bis 9. Juli 2006 in Deutschland ausgetragen wird. 32 Nationalmannschaften k?mpfen dann unter dem WM-Motto ?Zu Gast bei Freunden? um den Titel der besten Mannschaft der Welt.
Der Chef des WM-Organisationskomitees, Franz Beckenbauer, m?chte nach der WM die Bilanz ziehen, ?dass wir tolle Fu?ballspiele erlebt haben, die spannend waren und sch?n anzuschauen. Dass wir eine tolle Stimmung erleben werden, dieses Fazit k?nnte ich schon heute vorziehen.?

WM-Tickets nur f?r Reiche?

Viele Fu?ballfans werden ein anderes Fazit ziehen. Sie gehen bei der Vergabe der Eintrittskarten leer aus oder k?nnen sie nicht bezahlen. Von den 3,37 Millionen Eintrittkarten wird mit 1,1 Millionen nur ein Drittel in den freien Verkauf gehen. Allein 555.000 Tickets gehen an Sponsoren. Knapp 350.000 Eintrittskarten geh?ren zum ?Hospitality-Programm? mit dem die wohlhabenden Zuschauer, abgeschirmt vom Rest des Publikums, auf den besten Sitzpl?tzen bei Cocktailempfang, Buffet, pers?nlicher Bedienung, Farbfernseher und reserviertem Parkplatz die Fu?ballspiele verfolgen d?rfen. Auch die WM-Kartenpreise sind gesalzen. Die g?nstigste Karte in der Vorrunde kostet 35 Euro, im WM-Finale sogar 120 Euro. Das Kontingent dieser g?nstigen Karten ist zudem noch sehr begrenzt.

Pleite bei Borussia Dortmund

Geld steht auch im Mittelpunkt der tiefen Krise des Traditionsvereins BVB Borussia Dortmund. Der mit regelm??ig 80.000 Stadionbesuchern zuschauerst?rkste Verein der Welt rechnet allein f?r das laufende Gesch?ftsjahr mit einem Minus von knapp 70 Millionen Euro. Es drohen Zwangsabstieg aus der Bundesliga und die Insolvenz. Borussia Dortmund ist der erste und bislang einzige Verein in Deutschland, der als Aktiengesellschaft an die B?rse gegangen ist. Als bekannt wurde, dass die Gesch?ftsf?hrung des BVB das Vereinslogo verpf?ndet hatte, gingen die Fans mit einer Demonstration auf die Stra?e. Plakate und Transparente mit dem Slogan ?Not for sale? sind im Dortmunder Westfalenstadion derzeit keine Seltenheit.

Profitinteressen bestimmen

Diese Beispiele sind Ausdruck einer fortschreitenden Kommerzialisierung im Fu?ball. Der Einfluss von Fernsehen, Sponsoren und Banken ist enorm. Die Tage und Uhrzeiten der Spiele werden immer ?fter von den ?bertragenden Fernsehsendern mitbestimmt.
Auf Fan-Interessen wird nur selten R?cksicht genommen. In den meisten Bundesliga-Stadien wird jede Spielunterbrechnung mit Werbeeinspielungen auf der Anzeigetafel gef?llt. Langj?hrige Stadionnamen wurden f?r viel Geld verkauft. So spielt die Spielvereinigung F?rth mittler-weile im Playmobil-Stadion, der Hamburger SV in der AOL-Arena und Bayern M?nchen demn?chst in der Allianz-Arena.
Durch die Aufnahme von Gro?krediten und Anleihen oder den teilweisen Verkauf des Vereins an Sponsoren (Adidas besitzt zehn Prozent an Bayern M?nchen) bestimmen Profitinteressen von Banken und Unternehmen ?ber die Vereinspolitik. Viele Profivereine sind inzwischen auch rechtlich zu Unternehmen umgewandelt worden. So wurde zum Beispiel beim Deutschen Meister Werder Bremen die ?Werder Bremen GmbH & Co KG aA? gegr?ndet.

Der Fan als Kunde

Durch VIP-Logen, das Ersetzen von Stehpl?tzen durch teure und fanfeindliche Sitzpl?tze und den Umbau der Stadien in Konsumtempel mit Shopping-Center, Kinos, Restaurants und Hotels sollen neue zahlungskr?ftige Zielgruppen ins Stadion gelockt werden. Die Fans werden zum Kunden umdefiniert. Der ehemalige Manager von Bayer Leverkusen, Rainer Calmund, dr?ckte es so aus: ?Der Zuschauer von heute will doch im Stadion ein soziales Ereignis zelebrieren. Ein bi?chen Essen, mit Freunden treffen, gut parken und wieder nach Hause fahren. Wir sollten von Amerika lernen und alles weniger verbissen sehen?.
Das ?B?ndnis aktiver Fu?ballfans? (BAFF) wehrt sich: ?Mit Fu?ball, wie wir ihn kennen und lieben, diesem Sport, der ohne uns Fans ?berhaupt nie so weit gekommen w?re, dass er zum europ?ischen Kulturerbe z?hlt, hat das alles wenig zu tun.? F?r BAFF besteht die Seele des Spiels vor allem ?aus Fans, die mitgehen und mitleiden, die das Spiel ?berhaupt erst zu dem Ereignis gemacht haben, das die Seelenverk?ufer in den Chefetagen des Profifu?balls so leichtfertig verh?kern. Diese Kommerzialisierung machen das Spiel kaputt!?

Reclaim the Game!

Verschiedene Faninitiativen organisierten in den letzten Jahren zahlreiche Proteste gegen die Kommerzialisierung des Fu?balls. Unter dem Motto ?Sitzen ist f?r?n Arsch? wurde in vielen Stadien gegen die Reduzierung der Stehpl?tze protestiert. ?Pro 15.30? war eine Kampagne f?r den Erhalt der Bundesligaspiele an Samstagen. F?r die Zeit bis zur WM 2006 sind weitere Aktionen der Fangruppen zu erwarten.
Reclaim the Game ? Holen wir uns das Spiel zur?ck!

von J?rn Kroppach, Mitglied im B?ndnis aktiver Fu?ballfans (BAFF)