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Beispiele von Streiks gegen Krieg und Aufrüstung

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1958
Der Regierungsbeschluss zur atomaren Bewaffnung der Bundeswehr löste einen Sturm der Entrüstung aus und schuf die Bewegung „Kampf dem Atomtod“. Zehntausende ArbeiterInnen, vor allem in den norddeutschen Werften, traten dagegen in Streik. Der 1. Mai 1958 wurde zur größten politischen Massendemonstration nach dem Zweiten Weltkrieg. Überall in den Gewerkschaften wurde der Generalstreik als Waffe gegen die atomare Aufrüstung gefordert. 94,9 Prozent der befragten Mitglieder der ötv (damalige Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes) sprachen sich für einen Generalstreik aus. Die atomare Aufrüstung der Bundeswehr war vom Tisch.

1920
Deutschland sollte zum Aufmarschgebiet der imperialistischen Mächte gegen Sowjet-Rußland werden. Doch die ArbeiterInnen in Deutschland waren nicht bereit, die militärische Niederschlagung der russischen Revolution zu dulden. Die EisenbahnerInnen beschlossen, keine Munitionszüge zu befördern. HafenarbeiterInnen in allen Hafenstädten weigerten sich, Schiffe mit Kriegsgeräten gegen Russland zu entladen. KollegInnen in den Munitionsfabriken weigerten sich, Waffen gegen Russland zu produzieren.
Als die ArbeiterInnen bei Daimler in Stuttgart herausfanden, dass von ihnen produzierte Panzerautos entgegen allen Behauptungen im imperialistischen Feldzug der Allierten gegen Russland eingesetzt werden sollten, schritten sie zur Tat: Drei bereits verladene Fahrgestelle wurden wieder von Eisenbahnwaggons heruntergeholt und mit Schneidbrennern in mehrere Teile zerlegt. Als zwei Arbeiter daraufhin entlassen wurden, „gab dies den Anlass zu einem beispiellos wilden Sturm auf die Betriebsdirektion. Unter Drohungen wurde Direktor L. aus seinem Arbeitszimmer herausgeholt. Er konnte sich nur dadurch vor Misshandlungen schützen, dass er die Kündigung zurücknahm…“ (Bericht der Württembergischen Regierung vom 18. Oktober 1920)

Erster Weltkrieg
Neun Monate nach Kriegsbeginn kam es im April 1915 zu den ersten illegalen Streiks gegen die Kürzungen von Brot-Rationen. Es folgten Streiks der Berliner Metallarbeiter im Juni 1915, Streiks im ganzen Reich im April 1917 und schließlich der Munitionsarbeiterstreik in Berlin im Januar 1918. Diese Streiks richteten sich zunehmend nicht nur gegen die Abwälzung der Kriegslasten auf die arbeitende Bevölkerung, sondern gegen Krieg und Militärdiktatur insgesamt.
Weil die Gewerkschaftsführung den Krieg und die Militärdiktatur unterstützte, richteten sich diese Streiks auch gegen die eigene Führung. In Berliner Rüstungs- und Großbetrieben entstanden aus diesen Streiks mit den revolutionären Obleuten und dem von ihnen aufgebauten Groß-Berliner Arbeiterrat betriebliche und betriebsübergreifende Kampfstrukturen.
Der Berliner Arbeiterrat bereitete sich mit VertreterInnen der politischen Linken darauf vor, einen Aufstand zu organisieren. Dies war einer der Ansätze, die in die Novemberrevolution 1918 mündeten, Krieg und Kaiserreich beendeten und eine sozialistische Umgestaltung auf die Tagesordnung setzte.