Kinokritik – Parasite

CC BY-SA 4.0. Autor: Kinocine PARKJEAHWAN4wiki

Geruch der Armut

Die riechen alle gleich“, sagt Da-song, der Sohn der reichen Familie Park über die vier Angehörigen der Familie Kim, die sich unter falschen Namen und der Legende, sich nicht gegenseitig zu kennen, als Hausangestellte bei den Parks eingeschlichen haben. Den Geruch der Armut, konkretisiert durch den Kellergeruch der ewig feuchten Souterrain-Wohnung, wird man nicht los.

von Claus Ludwig, Köln

Durch die Empfehlung eines guten Freundes bekommt der Sohn der Familie Kim, Ki-woo, eine Stelle als Englisch-Nachhilfelehrer im Haushalt der Familie Park. Er, seine Schwester und die Eltern leben prekär, sind meistens arbeitslos. Sie können was, aber schaffen es immer nur fast. Wie die künstlerisch begabte Tochter Ki-jung, die immer wieder an der Kunsthochschule durchfällt und ihre Begabung nur beim Fälschen von Dokumenten entfalten kann.

Es gelingt Ki-woo, alle Mitglieder seiner Familie bei den Parks unterzubringen. Ki-jung wird „Kunsttherapeutin“ für den frühkindlich traumatisierten Da-song, der Vater Chauffeur, Mutter Chung-sook Haushälterin. Vater Ki-taek erklärt seinen Kinder, man solle keine Pläne haben, denn wenn diese schief gehen, würde man bitter enttäuscht. Bald wird klar, dass auch ohne Pläne alles schief gehen kann.

Regisseur Bong Joon-ho zeichnet die wohlhabende Familie Park ohne jede Sympathie. Die Gestalten sind hohl, nicht einmal für die Kinder kann man etwas empfinden. Man hofft, dass Familie Kim etwas gelingt. Die sind ein bisschen kaputt, aber lebendige Menschen, die Solidarität hält sie zusammen.

Bong führt uns zu der Frage, wer eigentlich die Parasiten sind. Die Kims haben gelogen und machen sich über den Alkoholvorrat der Parks her, aber sie arbeiten jeden Tag für ihr Geld, kochen, fahren, unterrichten oder spielen, springen auf Kommando, jederzeit davon bedroht, gefeuert zu werden, weil ihrem Chef ihr Geruch nicht passt.

Wie in vielen seiner Filme, z.B. „The Host“ oder „Mother“ lässt der Regisseur die Verlierer*innen und die Geschundenen mit den Reichen und Mächtigen aufeinanderprallen, mit viel Empathie für die Armen, mit Humor, Gewaltausbrüchen und ordentlich Theaterblut. Bong Joon-ho illustriert die scharfen Klassenunterschiede und den Konkurrenzdruck der südkoreanischen Gesellschaft ohne Belehrungen und mit einer weltweit verstandenen Filmsprache. „Parasite“ ist ein würdiger Gewinner der Goldenen Palme von Cannes und uneingeschränkt sehenswert.

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