Gusswerke Saarbrücken vor dem endgültigen Aus

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Am Freitag, dem 13. Dezember,  wurden die restlichen 450 Beschäftigten der Gusswerke Saarbrücken darüber informiert, dass sie die Kündigung erhalten. Schon im November ereilte 600 Kolleg*innen dasselbe Schicksal. Vorangegangen war ein jahrelanger Prozess von Übernahmen, Insolvenzen und der Kampf der Kolleg*innen um ihre Arbeitsplätze.

von Peter Narog, Saarbrücken

In den 1970er Jahren zählte die 1756 gegründete Hallbergerhütte noch über 4000 Kolleg*innen. Die heutigen Gusswerke Saarbrücken wurden 1988 aus dem Saint-Gobain-Konzern mit 2500 Kolleg*innen ausgegliedert und sind seither ein reiner Automobilzulieferer. Der Kampf um Profite zwischen dem damaligen Eigentümer, der Prevent-Gruppe, und dem VW-Konzern gipfelte 2018 in einem sieben Wochen langen Streik um den Erhalt der Arbeitsplätze. Während die LINKE im Juli 2018 im saarländischen Landtag immerhin die Enteignung forderte, freute sich die IG-Metall Ende desselben Jahres über die Übernahme durch den Investor One Square Advisors. Offenbar zu früh.

Im Juli 2019 wurde der Abbau von 200 weiteren Arbeitsplätzen angekündigt und mittlerweile zermürbte Kolleg*innen ließen sich auf Aufhebungen und Abfindungen ein. Nachdem im September die Insolvenz eingereicht wurde, sind diese Abfindungen Teil der Insolvenzmasse.

2018 die Enteignung zu fordern zeigte in die richtige Richtung. Leider ist es nicht gelungen, die Kolleg*innen in diese Diskussion mit einzubeziehen, was sicher auch daran liegt, dass die politische Krise nicht das Vertrauen erzeugt, vorhandene Politiker*innen könnten irgendetwas besser machen. Gerade der notwendige klimaneutrale Umbau der gesamten Weltwirtschaft erfordert eine breite und demokratische Diskussion über Alternativen zur Automobilproduktion. Wenn dies nicht unter der demokratischen Kontrolle der Beschäftigten und bei Offenlegungen aller geschäftlichen Daten und Fakten passiert, werden wertvolle Ressourcen vernichtet und die wirtschaftliche Existenz weiterer Familien in Frage gestellt.

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