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Von Lauchs und Bossen

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By Dominik Lippe (Lipstar) und Yannic Lippe [CC BY-SA 2.5 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)], from Wikimedia Commons

Für eine solidarische Jugendkultur statt Individualismus

Kollegah ist einer der erfolgreichsten deutschen Rapper und er hat ein Buch geschrieben: „DAS IST ALPHA!: Die 10 Boss-Gebote“. Es kam auf Platz 1 der Amazon-Verkaufscharts und wird von vielen seiner Fans gelesen.

von Nadja Habibi, Hamburg

Im Kapitel „Ansage“ erklärt Kollegah dem männlichen Leser, dass er ein sogenannter Lauch ist und deshalb bisher keinen Erfolg hatte, sodass er nun in „MÄNNER-Büchern“ Rat sucht. In diesem Buch aber möchte Kollegah dem „Lauch“ dazu verhelfen ein „Boss“ zu werden, also erfolgreich zu sein.

Kollegah tut so, als wäre er der erste, der den „Leser-Lauchs“ sagt, dass sie sich einfach nur anstrengen müssten, um erfolgreich zu sein. Tatsächlich ist diese Gesellschaft aber voll von einer Ideologie, die Sozialdarwinismus propagiert, also der Stärkste gewinnt, und jeder, der es nicht schafft, ist selbst Schuld an seinem Elend. Man solle sich nicht von anderen abhängig machen, nicht über die eigene Lage beschweren und hart für die eigenen Ziele arbeiten. Ihm zufolge ist jeder selbst unabhängig von äußeren Umständen für sich verantwortlich. Deshalb sei ein Hartz IV-Empfänger auch bloß ein Lauch, der seine Ziele nicht verfolgt, und nicht Ausdruck eines Wirtschaftssystems, das Erwerbslosigkeit produziert. Dann soll man darüber auch noch die Klappe halten und einfach seine Träume verfolgen – Inhalt, der genauso aus Christian Lindners Mund stammen könnte. Dinge wie sozialer Zusammenhalt und Solidarität existieren für Kollegah nicht, jeder kämpft für sich allein. Die Definition einer kapitalistischen Ellbogen-Gesellschaft. Dabei trägt er das ganze noch auf dem Rücken von Frauen, Homosexuellen und Armen aus. Das verpackt er dann zum Beispiel so: „Egal, was dir die Emanzen von heute erzählen – Frauen wollen vom Mann geführt werden.“

Which side are you on?

Sexismus, Unterschichten-Bashing und Individualismus schwächen dabei bloß uns alle darin, den Kampf für eine bessere Gesellschaft zu führen. Wenn Kollegah und sein bester Freund Farid Bang (der ganze Tracks mit seinem Frauenhass füllt) jedoch dazu führen, dass diese unsolidarische Kultur sich in der Bevölkerung und vor allem in der Jugend verbreitet, müssen wir dagegenhalten.

Der amerikanische Rapper B. Dolan hat in „Which side are you on?“ erkannt:

I’m on the side of poor people getting organized; I’m on the side of Choice where it is in short supply; I’m on the side of those the system doesn’t authorize. (Ich bin auf der Seite von armen Leuten, die sich organisieren / Ich bin auf der Seite, wo eine Wahl Mangelware ist / Ich bin auf der Seite derer, die das System nicht zulässt)

Für mehr Hip Hop von unten

Es ist Zeit sich den Rap zurückzuholen und ihn als Sprachrohr zu nutzen, damit wir sehen, dass wir in unserem Elend nicht allein sind, und dann auch der Kampf dagegen nicht allein geführt werden kann. Dass also die Antwort auf Armut nicht sein kann, individuell Karriere zu machen, um sich teure Autos zu kaufen, sondern dass wir gemeinsam im Viertel, in der Schule, und im Betrieb gegen das kapitalistische, ausbeuterische System kämpfen, das uns alle fertig macht. Damit wir es ersetzen können durch eine sozialistische Gesellschaft ohne Rassismus, Sexismus und Ausbeutung. Oder wie B. Dolan sagen würde:

„Don’t scab for the bosses – Don’t listen to their lies – Us poor folks haven’t got a chance – Unless we organize“: Sei kein Streikbrecher der Bosse / Hör nicht auf ihre Lügen / wir armen Leute haben keine Chance / bis wir uns organisieren.