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Die Natur brauchen wir, den Kapitalismus nicht.

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Rettung der Umwelt nur durch Sozialismus

Ende 2017 scheint sich der Planet Erde gegen seine BewohnerInnen verschworen zu haben: In der Karibik und im Golf von Mexiko zerstören gleich mehrere Hurrikane die Lebensgrundlage der BewohnerInnen, in Asien fordern heftigste Monsunregen weit über 1000 Todesopfer, Dürren in Afrika treiben die Menschen in die Flucht, selbst in Irland und Deutschland wüten Stürme, welche in ganzen Regionen Stromversorgung und Bahnverkehr zusammenbrechen lassen und Menschenleben fordern. Rekordhitze, Jahrhundertstürme, Ausnahme-Wetterphänomene aller Art sind zur Normalität geworden.

von Conny Dahmen, Köln

Spätestens 2050 darf kein Gramm menschengemachtes CO2 mehr in die Atmosphäre gelangen, wenn die Erderwärmung unter zwei Grad bleiben soll, dem Wert, wo Klimaveränderungen noch als „beherrschbar“ gelten. Eigentlich kein Problem, sagt (nicht nur) Greenpeace. Laut eigener Studie „Plan B 2050“ werde der Energiebedarf Deutschlands komplett aus erneuerbaren Energiequellen zu decken sein. In anderen sonnen- bzw. windreichen Ländern ist das sicherlich früher möglich.

Trotzdem ist jeder Klimagipfel eine weitere Farce ohne verbindliche Ergebnisse, trotzdem werden weiterhin Kohle, Gas und Öl gefördert und verbrannt, fahren weiterhin massenhaft Autos, werden Regenwälder vernichtet. Und trotz Tschernobyl und Fukushima strahlen auch weiterhin die AKWs, werden giftige Insektizide auf die Felder versprüht, türmen sich Plastikberge im Meer.

Gegensätzliche Interessen

Was der Rettung der Erde im Wege steht, sind nicht die technische Machbarkeit, sondern der Kapitalismus. Die breite Masse der Bevölkerung auf der einen und die handvoll Kapitalbesitzer auf der anderen Seite, haben grundverschiedene Interessen. Erst eine sozialistische Gesellschaft kann die Kräfte der Natur im vollen Umfang nutzen, weil sie nicht gegen sie arbeitet. Denn in einer sozialistischen Gesellschaft müssten die Energieerzeugung, das Verkehrswesen, die Landwirtschaft und die gesamte Wirtschaft nicht mehr der Profit-Logik gehorchen, sondern den Bedürfnissen der Menschen und der Umwelt.

Sowohl das Problem als auch die Lösung wurde von SozialistInnen schon im vorvergangenen Jahrhundert erkannt. „Die kapitalistische Produktion entwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter.“ (Karl Marx, „Das Kapital“, Bd. 3, Sechster Abschnitt).

Schon vor 130 Jahren war die Gefahr massiver Erderwärmung durch den Anstieg der Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre entdeckt worden. Der schwedische Nobelpreisträger Svante Arrhenius prognostozierte 1886 erstmals, dass eine Verdoppelung des CO2-Gehalts der Atmosphäre zu einer Temperaturerhöhung um vier bis sechs Grad Celsius führen würde.

Lösungen längst bekannt

Aber auch die Lösungen sind ebenso lange bekannt. Bereits 1879 schrieb August Bebel: „Die Elektrizität zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie in der Natur im Überfluss vorhanden ist. Unsere Wasserläufe, Ebbe und Flut des Meeres, der Wind, das Sonnenlicht liefern ungezählte Pferdekräfte, sobald wir erst ihre volle und zweckmäßige Ausnützung verstehen.“ (Bebel in „Die Frau und der Sozialismus“). Die grundlegenden Techniken, um die Energie aus Sonne, Wind, Wasser, Biomasse zu nutzen, sind seit Jahrzehnten, teils seit Jahrhunderten, bekannt. Das erste Patent für einen Sonnenkollektor zur Erzeugung von Warmwasser wurde 1891 vergeben, die erste Silizium-Solarzelle wurde 1954 hergestellt.

Nur 100 Unternehmen weltweit sind für mehr als 70 Prozent des weltweiten Treibhausgas-Ausstoßes seit 1988 verantwortlich (Carbon Majors Report). Der Anteil an erneuerbaren Energien am Weltenergieverbrauch stieg zwar von 13 Prozent im Jahr 2008 auf ca. 19 Prozent in 2016, doch gleichzeitig werden die Kohlekraftwerke und auch AKWs weiter betrieben bzw. neu gebaut, weil sie für die Konzerne profitabel sind.

Regenerative Energiequellen sind schwer monopolisierbar – der Wind weht, die Sonne scheint für alle. Demgegenüber bereichern sich die paar Dutzend Konzerne und Staaten, die praktisch die gesamten bekannten Öl-, Gas- und Kohlevorkommen der Erde unter ihrer alleinigen Kontrolle haben.

Für dezentrale Stromerzeugung

Stromerzeugung aus Kraftwerken und Großanlagen, wie den weltweit größten (Noor-) Solarpark in Marokko oder Riesenwindparks vor den Küsten, sind für private Energiekonzerne am profitabelsten. Einige Großprojekte in besonders sonnenreichen oder windreichen Gebieten mögen sinnvoll sein, jedoch ergeben sich immer Probleme, wie das des Energietransports oder des generellen Eingriffs in die Umgebung.

Über jedes einzelne solcher Projekte muss – auf Basis offengelegter Geschäftsbücher, Baupläne und Untersuchungen über die Auswirkungen auf Mensch und Natur – demokratisch diskutiert und entschieden werden. Hierzu gehören gemeinsame Entscheidungen über das Verlegen von Stromleitungen und Kabeln, zum Beispiel entlang von Bahntrassen oder als Erdkabel.

Sinnvoller ist prinzipiell eine dezentrale Stromerzeugung. Auch das Speichern der unregelmäßig fließenden Sonnen- und Windenergie ist im kleineren Rahmen wesentlich einfacher als bei zentraler Energiegewinnung.

In der Produktion ansetzen

Der Endenergieverbrauch in Deutschland ist seit Beginn der 1990er Jahre kaum gesunken, der Stromverbrauch steigt sogar  – obwohl wir brav die Heizung regulieren, bei  der Kaffeemaschine den Stecker ziehen, keine Lampe zu viel anschalten, usw.

Nur sind es nicht wir, sondern Industrie- und Gewerbebetriebe, die hierzulande 60 Prozent des Stroms verbrauchen, den sie zu erheblich billigeren Tarifen erhalten als Privathaushalte.

Hier sind die Einsparmöglichkeiten vielfältig: In einer demokratisch geplanten Wirtschaft würden alle Beschäftigten gemeinsam energiesparende Produktionsweisen entwickeln und umsetzen. Güter würden nicht mehr auf Verschleiß, sondern auf Haltbarkeit produziert,  Verpackungen würden auf das Notwendige reduziert und bestünden aus wieder verwendbarem Material. Und niemand käme mehr auf die Idee, Produkte mehrmals um die Welt zu karren, weil am anderen Ende die Löhne niedriger sind. Brandrodung und Abholzen der Wälder tragen heute zu 22 Prozent zum Kohlendioxidausstoß bei, könnten aber sofort gestoppt werden.

Ganze überflüssige Industriezweige (zum Beispiel Werbung und Rüstung) könnten abgeschafft und die Beschäftigten auf sinnvollen Arbeitsplätzen tätig werden – nicht zuletzt im Umweltbereich.

Wenn öffentliche Verkehrssysteme ausgebaut würden, wenn Busse und Bahnen nicht mehr zum Luxuspreis, sondern zum Nulltarif oder sehr günstig fahren würden, dann gelänge der Umstieg vom Billigflieger und vom Auto ganz schnell und freiwillig.  Der alltägliche Pendelstress könnte durch wohnortnahe Arbeitsplätze (und kürzere Wochenarbeitszeiten) erheblich reduziert werden. So könnte man den CO2-Ausstoß im Verkehr drastisch verringern – und nicht durch das geradezu verzweifelte Festhalten am Prinzip des Individualverkehrs durch Biodiesel, Elektroautos usw.. Beides ist Augenwischerei und ist nicht klimaneutral, da das Kohlendioxid nur woanders verpufft als aus dem Auspuff. Aber wir haben ja gesehen, zu welchen Verbrechen die Autoindustrie bereit ist, wenn es um ihre Interessen geht.

Lösung „ Geo-Engineering“?

Der Klimawandel ist kein bloßes Horrorszenario, sondern hat längst begonnen, Realität zu werden. Prozesse wie Gletscher- und Polareisschmelze oder viele Wetterextreme sind bereits langfristig in Gang gesetzt worden. Aber es gibt auch Möglichkeiten, den Kohlendioxidgehalt der Luft wieder zu verringern. Doch die heute diskutierten Gegenmaßnahmen des „ Geo-Engineerings“ sind meist so irre wie der Kapitalismus selbst.

Besonders riskant ist beispielsweise das ‚Solar Radiation Management (SRM)‘, wobei durch das Einbringen künstlicher reflektierender Partikel in die Stratosphäre die Sonneneinstrahlung teilweise abgeschirmt werden soll. Nach dem Vorbild von Vulkanausbrüchen(!), die in der Vergangenheit die Erde teils über viele Jahrzehnte abkühlten und damit oftmals für lange Kälteperioden, Missernten und Hungersnöte verantwortlich waren. Abgesehen von viel zu wenig erforschten Wirkungen und Nebenwirkungen bliebe die Kohlendioxidbelastung bestehen.

Auch Technologien wie CCS ( Carbon Capture and Storage ), ein Steckenpferd der Energiekonzerne, sind keine Lösung. Dabei wird CO2 erst unter hohem Energieaufwand aus dem Abgas von konventionellen Kraftwerken abgeschieden und anschließend unterirdisch eingelagert. Das heißt aber, es kann irgendwann auch wieder freigesetzt werden.

Eine nachhaltige Energieversorgung ist die Basis für ein Leben im Einklang mit der Natur. Viele Lösungen sind bereits bekannt, werden aber nicht umgesetzt. Wenn Forschung und Wissenschaft im Interesse von Mensch und Natur geschehen und nicht im Interesse der Konzerne, dann können zusätzliche Lösungen gefunden werden, die ganz neue Möglichkeiten eröffnen. Die besten Lösungen werden auch nur dann gefunden, wenn die gesamte Gesellschaft in den Prozess einbezogen wird. Millionen, die an ihr eigenes Leben denken, haben mehr und bessere Ideen, als Millionäre, die nur an ihren Profit denken.

Gesellschaftliches Eigentum

Ein schneller und dezentraler Umbau der Energieversorgung kann nur funktionieren, wenn die Energiekonzerne in öffentliches Eigentum überführt werden. Wenn die Gesellschaft wirksame Kontrolle ausüben soll, dann muss die Gesellschaft zur Eigentümerin der Produktionsmittel werden. Entschädigung der großen Aktionäre kann es nur unter Verrechnung der Subventionen geben, die die Konzerne erhalten und der Kosten der Umweltzerstörung, die sie verursacht haben. Da dürfte nichts übrig bleiben.

Nicht mehr abgehobene Manager, sondern Belegschaftskomitees, VertreterInnen der Umweltschutz- und Verbraucherverbände und der arbeitenden Bevölkerung würden die Energiegewinnung und Stromversorgung demokratisch kontrollieren und verwalten. Beschäftigte und VerbraucherInnen könnten selbst Lösungen finden und zwar gemeinsam,  lokal, national und international. Eine Kombination aus vielen unterschiedlichen erneuerbaren Energiequellen könnte uns in Zukunft mit Strom und Wärme versorgen – abhängig vom geografischen Standort und seinen Möglichkeiten, der Jahreszeit, dem Klima, der Besiedelung und so weiter.

Russische Revolution 1917 und Sozialismus

Waldschutz wurde in der frühen Sowjetunion sehr ernst genommen. Tatsächlich war die Russische Revolution 1917, der erste erfolgreiche Sturz des Kapitalismus, damals für innovative russische Umweltforscher die Gelegenheit, endlich ihre Projekte umsetzen zu können. Bereits zwei Tage nach der Revolution, erließen die Bolschewiki Dekrete zur Verstaatlichung und zu dem Schutz von Wäldern, Bodenschätzen, Flüssen und Seen. 1920 wurde das erste Naturschutzgebiet der Welt gegründet, der Il’menskii. Russische WissenschaftlerInnen sprachen in den 1920er Jahren als erste von „Biosphäre“. Der Diktatur der sich dann entwickelnden stalinistischen Bürokratie fielen leider auch diese Errungenschaften zum Opfer.

Der erste Versuch, eine sozialistische Gesellschaft aufzubauen, ist bekanntlich gescheitert. Die Gründe dafür haben wir in vielen anderen Publikationen analysiert. Die Alternative zu Kapitalismus und Stalinismus heißt Sozialismus. Sozialismus ist international und demokratisch oder gar nicht.

Wir brauchen diesen Planeten. Es gibt keinen anderen. „Und so werden wir bei jedem Schritt daran erinnert, daß wir keineswegs die Natur beherrschen, wie ein Eroberer ein fremdes Volk beherrscht, wie jemand, der außer der Natur steht – sondern daß wir mit Fleisch und Blut und Hirn ihr angehören und mitten in ihr stehn, und daß unsre ganze Herrschaft über sie darin besteht, im Vorzug vor allen andern Geschöpfen ihre Gesetze erkennen und richtig anwenden zu können.“ (Engels, Friedrich: „Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen“, 1876). Das Grundgesetz des Kapitalismus, Privateigentum an Produktionsmitteln um damit in rücksichtsloser Konkurrenz Profit zu erzielen, steht im unversöhnlichen Gegensatz  zu den Gesetzen der Natur. Die Natur brauchen wir, den Kapitalismus nicht.