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Offener Brief an den Organisationskreis der „Friedensbewegung Aachen 2014“

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20140522_160836-e1400768543525Bun­des­weit gibt es De­bat­ten um die ak­tu­el­len Mon­tags­de­mons­tra­tio­nen. Als SAV haben wir uns von die­sen eher dis­tan­ziert, unter an­de­rem wegen der Nähe man­cher Ver­tre­ter die­ser „Be­we­gung“ zu Ver­schwö­rungs­theo­ri­en. Ein sehr ent­schei­den­der Grund war aber auch, dass auf ver­schie­de­nen Mon­tags­de­mons­tra­tio­nen Ras­sis­ten, Se­xis­ten und Nazis ohne Wi­der­spruch teil­neh­men und für ihre Ideen wer­ben konn­ten (aus­führ­li­che Po­si­tio­nie­rung hier).

In Aa­chen ge­nießt eure Grup­pe „Frie­dens­be­we­gung Aa­chen 2014“ den Ruf sich von die­sen na­tio­na­lis­ti­schen und ras­sis­ti­schen Ten­den­zen ab­zu­gren­zen. So nah­men wir an euren Mon­tags­kund­ge­bun­gen und der Kund­ge­bung am 31. Mai teil und waren wie ihr Teil im An­ti-​Karls­preis-​Bünd­nis.

Auf euren Kund­ge­bun­gen und eurer Face­book-​Sei­te be­geg­ne­ten uns wi­der­sprüch­li­che Aus­sa­gen über Aus­rich­tung und In­hal­te eurer Grup­pe. Daher wol­len wir mit die­sem of­fe­nen Brief ei­ni­ge Fra­gen an euren Or­ga­ni­sa­ti­ons­kreis rich­ten.

Auf eurer Face­book Seite fin­det man State­ments gegen Ras­sis­mus und Dis­kri­mi­nie­rung, so schreibt Char­lot­te:

„Die Frie­dens­be­we­gung stellt die Würde des Men­schen in den Mit­tel­punkt und bie­tet des­halb kei­ner­lei Raum für Ras­sis­mus, An­ti­se­mi­tis­mus, Ho­mo­pho­bie und wei­te­ren Ex­tre­mis­mus jeg­li­cher Art. In die­sem Sinne so­li­da­ri­sie­ren wir uns mit der Aa­che­ner In­itia­ti­ve „Wir sind Aa­chen. Nazis sind es nicht.“. Eben­falls möch­ten wir uns mit un­se­rer Ar­beit für die För­de­rung, Ach­tung und Ein­hal­tung der Men­schen­rech­te ein­set­zen“

Im glei­chen Text schreibt Char­lot­te aber auch:

„Die grund­sätz­li­che Idee einer fried­li­chen Be­we­gung ver­bin­det mo­men­tan deutsch­land­weit zahl­rei­che Städ­te. In die­sem Sinne so­li­da­ri­sie­ren wir uns mit allen Mon­tags­de­mons­tra­tio­nen, Mahn­wa­chen und Frie­dens­in­itia­ti­ven, so­lan­ge sie un­se­ren hier fest­ge­leg­ten Grund­sät­zen nicht wi­der­spre­chen“

Auf Nach­fra­ge auf einer der Aa­che­ner Kund­ge­bun­gen wurde Ein­zel­nen von uns ge­sagt, dass euer Or­ga­ni­sa­ti­ons­kreis sich von der Ber­li­ner Mon­tags­be­we­gung dis­tan­ziert. Ein Red­ner am 19. Mai na­mens Toto, der sich als Or­ga­ni­sa­ti­ons­kreis­zu­ge­hö­ri­ger vor­stell­te, stell­te eure „Be­we­gung“ aber in den Zu­sam­men­hang mit der bun­des­wei­ten Mahn­wa­chen­be­we­gung und er­wähn­te dabei ex­pli­zit auch die Ber­li­ner Mon­tags­de­mons­tra­ti­on.

Das führt uns zu fol­gen­den Fra­gen: Wie sehen die Aa­che­ner Or­ga­ni­sa­to­ren der „Frie­dens­be­we­gung Aa­chen 2014“ die Pro­tes­te in an­de­ren Städ­ten? Wel­che davon wi­der­spre­chen euren Grund­sät­zen nicht – und wel­che wi­der­spre­chen die­sen? Ist eine Teil­nah­me von Mit­glie­dern aus NPD oder an­de­ren fa­schis­ti­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen für euch ak­zep­ta­bel? Was be­deu­tet es für euch, weder rechts noch links zu sein? Sind „Rechts­ex­tre­mis­mus“ und „Links­ex­tre­mis­mus“ für euch gleich­zu­set­zen? Wie ist eure Po­si­ti­on zu pro­mi­nen­ten Ver­tre­tern der Mon­tags­mahn­wa­chen wie Lars Mähr­holz und Ken Jeb­sen? Wie steht ihr zu Jür­gen El­säs­ser, auf des­sen com­pact–Kon­gress Ken Jeb­sen sprach?

Seid ihr für die Zu­sam­men­ar­beit mit ALLEN Kräf­ten die sich gegen die US – ame­ri­ka­ni­sche Fi­nanz­po­li­tik und gegen die US-​Ban­ken rich­ten? Wel­che Rolle spie­len für euch deut­sche Ban­ken und Kon­zer­ne in Kri­sen und Kon­flik­ten?

Fra­gen haben wir auch über den Um­gang von euch mit Ver­schwö­rungs­theo­ri­en und Ihren An­hän­ge­rIn­nen. Uns stellt sich die Frage wie der Or­ga­ni­sa­ti­ons­kreis mit Bei­trä­gen, die ein­sei­ti­ge Ver­schwö­rungs­theo­ri­en ver­brei­ten, um­geht. Eine Rede gab es am 19. Mai von einem Mann der sich als Da­ni­el bzw. „VT­Lei­ter“ vor­stellt und ver­schie­de­ne Ver­schwö­rungs­theo­ri­en wie­der­gab. Er er­hielt Ap­plaus aus Rei­hen des Or­ga­ni­sa­ti­ons­teams. Es gab nach der Rede kei­ner­lei Ab­gren­zung. Im Ge­gen­teil, mit dem Auf­tritt der Band „Band­brei­te“ für die Kund­ge­bung am 31. Mai die genau diese Theo­ri­en wie­der­gibt, wird der Ein­druck er­weckt dass der Aa­che­ner Or­ga­ni­sa­ti­ons­kreis diese Theo­ri­en un­ter­stützt.

Daher stellt sich für uns die Frage: Ist der Aa­che­ner Or­ga­ni­sa­ti­ons­kreis der Mei­nung, dass die Fe­deral Re­ser­ve Bank eine glo­ba­le Kon­trol­le aus­übt und für die Krie­ge der letz­ten ein­hun­dert, oder auch nur drei­ßig Jahre, ver­ant­wort­lich ist?

Fra­gen haben wir au­ßer­dem zu eurer Po­si­tio­nie­rung zu Frei­geld­theo­ri­en. Auf eurem Flyer steht die For­de­rung nach einem „ge­rech­ten Geld­sys­tem“. Was genau meint ihr damit? Wie soll Geld ge­recht ver­teilt wer­den? Warum steht dort nicht „für ein ge­rech­tes Wirt­schafts­sys­tem“?

Anton aus eurem Or­ga­ni­sa­ti­ons­kreis zi­tier­te auf einer Kund­ge­bung Sil­vio Ge­sell. Also den Be­grün­der der Frei­geld­theo­rie. Sil­vio Ge­sell hatte viel­fäl­ti­ge Be­rüh­rungs­punk­te mit na­tio­na­len und völ­ki­schen Ideen, seine Ideen waren ge­prägt von So­zi­al­dar­wi­nis­mus und einem rück­wärts­ge­wand­tem Frau­en­bild. Vor allem aber ver­trat Ge­sell die Idee eines Frei­gel­des mit Um­lauf­zwang, in der ein Wert­ver­lust ein­ge­baut ist. Ver­tre­tet auch ihr als Or­ga­ni­sa­ti­ons­kreis diese Theo­rie?

Ver­tritt der Aa­che­ner Or­ga­ni­sa­ti­ons­kreis die These, dass das al­lein das Zins­sys­tem die tie­fe­re Ur­sa­che der so­zia­len Un­gleich­heit, von Krie­gen und Um­welt­zer­stö­rung ist?

Wir sind der Mei­nung, dass es für den Auf­bau einer kraft­vol­len und pro­gres­si­ven An­ti­kriegs­be­we­gung nicht hilf­reich ist wenn Ideen wie Frei­geld­theo­ri­en bzw. Ver­schwö­rungs­theo­ri­en auf euren Kund­ge­bun­gen ge­äu­ßert wer­den. Für uns sind nicht ein­zel­ne böse Men­schen die Ver­ant­wort­li­chen für Kri­sen und Krie­ge, son­dern das auf Pro­fit ori­en­tier­te ka­pi­ta­lis­ti­sche Wirt­schafts­sys­tem. Unser ei­ge­nes Ver­hält­nis zu eurer „Frie­dens­be­we­gung Aa­chen 2014“ müs­sen wir auch von eurer Be­ant­wor­tung un­se­rer Fra­gen ab­hän­gig ma­chen.

Mit so­li­da­ri­schen Grü­ßen

SAV Aa­chen am 6. Juni 2014