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Wahlsieg für Sozialistin in Seattle

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kshama_sawantInterview mit Kshama Sawant von der SAV-Schwesterorganisation in den USA

Bei den Wahlen Anfang November gewann mit Kshama Sawant die Kandidatin der „Socialist Alternative“ einen Sitz im Stadtrat von Seattle. Dies ist das erste Mal seit Langem, dass eine Sozialistin in den USA einen Kandidaten der Demokraten besiegen konnte. Kshama Sawant erhielt über 90.000 Stimmen. Ty Moore, ebenfalls von der „Socialist Alternative“, scheiterte mit seiner Kandidatur in Minneapolis nur knapp.

Warum bist du gegen den seit 16 Jahren amtierenden Demokraten Richard Conlin angetreten?

All die Versprechungen, die uns unter der Obama-Regierung gemacht wurden, sind gebrochen worden. Tatsächlich haben die Drohnen-Angriffe zugenommen. In Obamas Amtsperiode fällt die höchste Zahl von Abschiebungen von Migranten ohne Papiere. Und als Lehrerin kann ich sagen, dass sich die Lage im Bildungswesen weiter verschlechtert hat.

So stellte sich für uns von der „Socialist Alternative“ die Frage, wie wir die Notwendigkeit erklären können, mit dem Zwei-Parteien-System zu brechen. Es schien uns eine effektive Strategie zu sein, diese Idee über eine eigene Wahlkampagne zu verbreiten.

Wie sah die Kampagne aus?

Zentral war die Forderung nach einem Mindestlohn von 15 Dollar. Außerdem traten wir für bezahlbares Wohnen, eine Mietpreisbindung und eine Millionärssteuer ein, um den öffentlichen Nahverkehr und eine bessere Bildung zu finanzieren.

Ratsmitglieder in Seattle bekommen 120.000 Dollar im Jahr! Die meisten Menschen haben das nicht gewusst. Als ich ankündigte, nur einen durchschnittlichen Arbeiterlohn zu behalten und den Rest für den Aufbau sozialer Bewegungen zu verwenden, hat das die Aufmerksamkeit der Menschen richtig auf uns gezogen.

Durch all diese Anstrengungen waren wir in der Lage, einen Kreis von über 350 aktiven Unterstützern aufzubauen.

Wichtig ist auch zu erwähnen, dass wir unsere Kampagne zur gleichen Zeit geführt haben, als die Bewegung der Fast-Food-Beschäftigten auf dem Höhepunkt war – mit denen wir uns solidarisiert haben.

Wie haben die Leute darauf reagiert, dass du Sozialistin bist?

Für die meisten Menschen war entscheidend, dass wir für 15 Dollar die Stunde gekämpft haben. Aber es gab auch eine Schicht, die meinte: „Wenn das eine sozialistische Kampagne ist und ich all dem zustimme, dann bin ich vielleicht auch ein Sozialist.“

Ein Grund für die enorme nationale und internationale Medienaufmerksamkeit liegt darin, dass eine Kandidatin den Sitz gewonnen hat, die kein Geheimnis daraus macht, Sozialistin zu sein. Und die kein Geld von Großunternehmen erhalten hat!

Was habt ihr jetzt vor?

Im Stadtrat ist unsere erste Priorität, Druck für einen Mindestlohn von 15 Dollar zu machen. Wir werden eine Gemeindeverordnung zur Vorlage beim Stadtrat entwerfen.

Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, wollen wir auf eine Großveranstaltung hinarbeiten. Unser Ziel ist es, 10.000 Menschen zusammenzubringen.