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Bergarbeiterstreik in Südafrika dauert an

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Gespräch mit Hoshoko Letshoba, einem führenden Organisator der Bergleute

Nach dem Blutbad an der Mine des Unternehmens „Lonmin“ im südafrikanischen Marikana vor zwei Monaten gibt es neue, schockierende und abstoßende Nachrichten. Die entsetzlichen Attacken auf die streikenden Bergleute gehen weiter. Am Dienstag, dem 30. Oktober, setzte die Polizei an der Grube Thembelani, die dem Konzern „Anglo American Platinum“ (Amplats) gehört, aus nächster Nähe Gummigeschosse und Tränengas ein. Bei diesem Angriff handelte es sich um den Versuch des Bergbaukonzerns Amplats, die streikenden Bergleute zurück an die Arbeit zu bringen. Nebenbei wurde ihnen noch eine allzu kleine Karotte in Form von 2.000 südafrikanischen Rand (etwa 170 Euro) als „Belohnung“ vor die Nase gehalten.

Die ArbeiterInnen hatten ein Abkommen zwischen Amplats und den Gewerkschaften – darunter auch die Bergarbeitergewerkschaft „National Union of Mineworkers“ (NUM) – abgelehnt. Amplats hatte zuvor 12.000 Beschäftigte entlassen. Als die Bergleute, die entschlossen und organisiert sind, nicht den Rückzug antraten, suchten die Konzernoberen nach einem anderen Weg, mit ihrer brutalen Ausbeutung der Belegschaft fortfahren zu können.

Hoshoko Letshoba, ein führender Organisator der Bergleute, sprach mit „The Socialist“ und erklärte, dass die BergarbeiterInnen entschlossen sind, ihren Kampf für die „Mindest“-Forderung nach einem Lohn in Höhe von 12.500 Rand (1.100 Euro) fortzusetzen. Dabei beschrieb er auch einige Vorgehensweisen, mit denen die BergarbeiterInnen eingeschüchtert werden sollen: So sind beispielsweise rund 500 der KollegInnen unter konstruierten Anschuldigungen verhaftet worden. Hoshoko ist Mitglied des „Democratic Socialist Movement“ (DSM), der Schwesterorganisation der SAV in Südafrika, und wird einer der HauptrednerInnen bei der Veranstaltung „Socialism 2012“ in Großbritannien sein, die die „Socialist Party“ (Schwesterorganisation der SAV in England und Wales) ausrichtet.

Die NUM-Führung

Überall auf der Welt waren ArbeiterInnen und GewerkschafterInnen schockiert darüber, welche Rolle die NUM-Führung bei den Ereignissen von Marikana gespielt hat. Aber auch danach war die NUM-Spitze erneut an Versuchen beteiligt, den Streik auszuhöhlen und die Kontrolle zurück zu erlangen. So wurde am vergangenen Samstag beispielsweise in der Bergbauregion um Rustenburg eine Kundgebung versucht zu veranstalten, mit der man einfach provozieren wollte. Zwei Arbeiter wurden bei den Zusammenstößen, zu denen es daraufhin wie zwangsläufig zwischen streikenden ArbeiterInnen auf der einen und Gewerkschaftsvertretern sowie der Polizei auf der anderen Seite kommen musste, mit scharfer Munition beschossen.

Wie das DSM erklärt: „Die NUM-Führung stand in diesem Klassen-Konflikt auf der anderen Seite der Barrikaden. Sie arbeitete aktiv mit den Bergbauchefs zusammen, machte die Forderungen und Aktionen ihrer eigenen Mitglieder herunter und rief den ANC um Hilfe, den Streik zu beenden, und die Polizei, sie möge ihn zerschlagen.“

Die Nachrichtenagentur „Reuters“ kommentiert dazu: „Die Streiks haben das Augenmerk auf die fortdauernde krasse Einkommensungleichheit in Südafrika gelenkt und auf das Versprechen des ‚African National Congress‘ (ANC) eines Nelson Mandela, ‚ein besseres Leben für alle‘ schaffen zu wollen. Dieses Motto wurde nach dem Ende der Herrschaft der weißen Minderheit als Ziel ausgegeben.“ – Dasselbe gilt übrigens auch für COSATU, den Gewerkschaftsdachverband.

Hoshoko berichtete, dass die Unterstützung für den Aufbau einer neuen Massenpartei der Arbeiterklasse zunimmt. SprecherInnen des DSM machten sich dafür stark, einen neue Regierung aufzubauen, die die Bergwerke, die Banken und den Grundbesitz verstaatlicht. Mametlwe Sebei, ein führendes Mitglied des DSM, wird in der südafrikanischen Presse zitiert, wie er sagt: „Wir haben eine Grenze markiert.“ Als er bei einer Massenversammlung der Beschäftigten des Konzerns „AngloGold Ashanti“ sprach, sagte er: „Wir bauen eine sozialistische Alternative auf“. Auf die Frage einer südafrikanischen Regionalzeitung antwortete Thamsanqa Dumezweni, der ebenfalls Mitglied des DSM ist: „Die ArbeiterInnen haben nur ihre Köpfe und ihre Hände, die sie verkaufen können. Dies ist eine Revolution gegen den Kapitalismus.“