Home / Themen / Jugend & Bildung / Bildungsproteste / Bremen: Schulbesetzungen gegen Kürzungen

Bremen: Schulbesetzungen gegen Kürzungen

Print Friendly, PDF & Email

Interview mit Lukas W., einem Aktivisten der Initiative „Fort Bildung“, die die Besetzungen initiiert hat


 

In Bremen sind mittlerweile vier Schulen zeitweilig von SchülerInnen besetzt worden, nachdem der rot-grüne Senat Kürzungen von Lehrerstunden, insbesondere an den Gymnasialen Oberstufen, angekündigt hatte.

Was ist der Hintergrund Eurer Besetzungsaktionen?

Die Bildungssituation in Bremen, aber auch generell in Deutschland, war vorher schon schlimm, die Stundenkürzungen haben dann das Fass zum Überlaufen gebracht. Es gab früher schon immer wieder Demos, rausgekommen ist dabei nichts. Wir haben uns dann zusammengesetzt, und dabei ist die Idee der Besetzung entstanden, in der Hoffnung, dass das mehr bringen wird.

Was sind Eure Forderungen?

Wir diskutieren gerade noch, das dauert alles ein bisschen länger. Mit so vielen Leuten ist es schwer, einen Konsens zu finden. Wir haben bisher aber drei Hauptforderungen: Zunächst mal mehr Geld für die Bildung, das bedingt natürlich auch die sofortige Rücknahme der bisherigen Kürzungen. Der zweite Punkt sind bessere Lernbedingungen, also kleinere Kurse und so weiter. Der dritte Punkt ist Demokratisierung: Wir wollen mehr Mitspracherecht bei den Fragen, was wir lernen und wie wir lernen.

Wer macht bei den Besetzungen mit? Ist das Ganze eher von Aktiven getragen oder von den Schülerinnen und Schülern der jeweiligen Schulen?

Sowohl als auch. Neben Schülern der jeweiligen Schule und Leuten von „Fort Bildung“ kommen auch immer wieder Studenten oder Leute, die gerade ihr Abi gemacht haben. „Fort Bildung“ selbst ist ja auch von Schülern und Abiturienten gegründet worden. Wir bekommen aber auch jede Menge Solidaritätserklärungen von Parteien, aber auch von der GEW. Im Endeffekt wollen wir aber mit Gruppen nicht zu viel kooperieren. Wenn Leute zu uns kommen, sollen die nicht ihre Gruppe vertreten, sondern sich selbst. Das gilt auch für die Mitglieder der GSV, der GesamtschülerInnenvertretung – die sind auch nur als Schülerinnen und Schüler bei unseren Treffen.

Das erinnert an die „Asambleas“ in Spanien beziehungsweise die Versammlungen in Griechenland. In Chile gehen ja auch seit Wochen Hunderttausende für ein besseres Bildungssystem auf die Straße. Seht ihr Euch als Teil davon?

Gute Frage… Ich glaube, das kann man noch nicht so wirklich vergleichen. Wir sind circa 100 Leute, die regelmäßig mitmachen, insgesamt haben vielleicht 500 Leute bei unseren Aktionen mitgemacht. In Griechenland oder Chile sind das schon andere Ausmaße… Wäre aber natürlich cool, wenn es hier auch sowas geben würde!

Was steht jetzt als nächstes an? Beteiligt ihr Euch am bundesweiten Bildungsstreik am 17. November?

Das wäre eher Sache der GSV, wir wären aber sicherlich dabei. Als nächstes steht jetzt erst mal die Verhandlung mit der Behörde an. Alleine einen Raum dafür zu finden, wird schwierig, wir wollen schließlich mit so vielen Leuten wie möglich mit denen verhandeln.