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„Endlager“ Gorleben?

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Den Begriff „Endlager“ hört man in letzter Zeit sehr oft, dabei ist weltweit bisher noch kein Ort gefunden worden, an welchem man hochradioaktiven Müll wirklich „endlagern“ könnte.


 

In Deutschland wird seit den 70er Jahren als Endlagerstätte für radioaktiven Müll das ehemalige Salzbergwerk nahe Gorleben diskutiert. Dieses soll angeblich alle Kriterien erfüllen, um als „Endlager“ zu dienen. Dabei ist es mittlerweile sogar in der Fachwelt unumstritten, dass dieses nicht einmal annähernd der Fall ist. Ein Salzbergwerk zum Einlagern von Atommüll ist nicht nur absolut fragwürdig, auch ist die Gesteinsdecke in Gorleben viel zu dünn um ausreichend Schutz zu bieten und zudem liegt der Salzstock zu nah am Grundwasser, was eine Kontamination der ganzen Umgebung zur Folge haben könnte.

Widerstand!

Die Bevölkerung weiß schon lange von den Gefahren. Schon 1979 zog der „Gorleben-Treck“ mit knapp 500 Traktoren in die Landeshauptstadt Hannover, wo sich ca. 100.000 Menschen zur wohl größten Demonstration Niedersachsens zusammen fanden.

Auch heute geht der Widerstand weiter. Im August startet die Aktion Gorleben365, welches eine Kampagne von „X-tausendmal quer“ ist. Sie wollen den Ausbau des Salzstockes mit Demonstrationen und Blockaden stören. Der Sinn dieser Blockaden ist, die Kosten, die für den Bau entstehen, möglichst hoch zu treiben. Um den Bau wirklich verzögern zu können, wären jedoch Massenmobilisierungen von Gewerkschaften und allen beteiligten Organisationen nötig.

Asse

Erschreckendes Beispiel einer an Profitgier orientierten Endlagersuche ist die niedersächsische Asse. 2010 wurden für den Zeitraum von 2002 bis 2008 auffällig hohe Leukämie Erkrankungen beobachtet. Greenpeace beweist: „Ein Schriftwechsel zwischen Stromkonzernen, GSF und Bundesinnenministerium zeigt: Im Endlager angelieferte Fässer durften ab Dezember 1975 fünfmal mehr Radioaktivität enthalten als ursprünglich vorgesehen.“ Derzeit lagern 126.000 Atommüllfässer im Wasserdurchflossenen Salzstock. Außer, dass regelmäßig Radioaktivität austritt, wissen weder Ministerien noch Betreiber, was da unten vor sich geht. Der radioaktive Müll muss heute mit Milliardenaufwand entsorgt werden, um weiteren Schaden abzuwenden.

Die Grüne Wende?

Vom grünen Ministerpräsidenten Kretschmann wurde eine neue Endlagersuche gefordert. Das jedoch folgt einer völlig falschen Logik, nämlich dass der ganze Atommüll, den es gibt und der noch entsteht, unter Tage eingelagert werden kann, obwohl es niemals ein solches Endlager geben wird, das Millionen von Jahre völlig dicht und vor Grundwasser geschützt ist.

Die Suche nach einem neuen "Endlager", welches man nicht finden wird, dient nur einem Zweck: Gorleben soll als einzige Möglichkeit, den atomaren Müll entzulagern, legitimiert werden. Die Grünen bereiten ihre politische Unterstützung dafür vor. Gleichzeitig laufen in Baden-Württtemberg die Meiler vom landeseigenen Betreiber EnBW weiter und produzieren neuen Atommüll. Auch mit der Zustimmung zum „Ausstieg“ der Bundesregierung haben sich die Grünen von einer konsequenten Haltung gegen Atomkraft verabschiedet.

Es reicht!

So müssen wir und die kommenden Generationen uns als „Nachlassverwalter“ der gescheiterten Atompolitik damit abfinden, den radioaktiven Müll nie wirklich sicher entsorgen zu können.

Und um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, sollen wir auch noch die finanziellen Risiken alleine tragen? Die Stromkonzerne müssen hier alleine zur Verantwortung gezogen werden!

Am 13. Juli findet in Dortmund ein Schülerstreik gegen Atomkraft statt. Das ist wichtig, um weiter Druck aufzubauen und auch die Endlagerfrage zu thematisieren.

Es darf kein weiterer radioaktiver Müll produziert werden, alle Atomkraftwerke gehören sofort abgeschaltet. Die Stromkonzerne mit ihren Milliardengewinnen müssen verstaatlicht werden. ExpertInnen, Gewerkschaften, Beschäftigte, Regierung und Umweltverbände müssen demokratisch über den Umgang mit dem atomaren Müll diskutieren. Alles muss transparent gemacht werden. Der vorhandene Müll sollte bis zur Entwicklung eines langfristigen Konzeptes nicht bewegt werden. Deshalb müssen auch alle Castor-Transporte gestoppt werden. Eine Umstellung auf regenerative Energien brauchen wir JETZT!

Simon