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Sofort-Alternativen zum Atomkraft-Wahnsinn

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Für eine weltweite umwelfreundliche und sozialistische Energieplanung


 

Nehmen wir an, man würde entdecken, dass das Haus, in dem man wohnt, auf einer Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg steht. Niemand wüsste, ob und wann der Zünder durchrostet und die Bombe explodiert, nur dass sie prinzipiell jederzeit explodieren kann – in den nächsten Jahren oder den nächsten Sekunden. Wie lange würde man in diesem Haus wohnen bleiben? Wie schnell würde man umziehen, wenn in der Nähe eine vergleichbares, aber sicheres Haus als Alternative stünde? Erst in zehn, zwanzig Jahren oder sofort?

von Georg Kümmel, Köln

Alle Atomkraftwerke sind Megabomben, die jederzeit hochgehen können. Deshalb müssen sie abgeschaltet werden, alle, sofort. Zu den unzähligen Lügen von Atomkonzernen und Regierung gehört auch die Behauptung, man könne nicht sämtliche Atomkraftwerke in Deutschland sofort abschalten. Es geht, wenn man es will.

Strom im Überfluss

Betrachten wir die Fakten: Der Spitzenwert beim Stromverbrauch in Deutschland beträgt rund 82 Gigawatt (GW). Die Gesamtkapazität aller Kraftwerke in Deutschland beträgt 156 GW. Davon sind 19,6 GW Atomkraft, 78 GW Kohle, Gas, Öl und Wasserstoff, 9,4 GW Wasserkraft (davon 4,4 GW Laufwasserkraftwerke, 5 GW Pumpspeicherkraftwerke), 27,7 GW Wind, 17 GW Photovoltaik und 5 GW Biomasse (Quelle: spiegel-online, 17. März, 2011).

Nimmt man den ungünstigsten Fall an: An einem kalten Januartag um die Mittagszeit würden 82 GW Strom benötigt, die Sonne wäre hinter dunklen Wolken und in ganz Deutschland würde kein Wind wehen.

Wenn alle Atomkraftwerke abgeschaltet wären, würden immer noch 92,4 GW Leistung zur Verfügung stehen, nämlich aus Kohle-, Gas, Öl, Wasserstoff, Wasserkraft und Biomasse, also aus Quellen, die wetterunabhängig sind. Das heißt: Selbst im ungünstigsten Fall gibt es auch ohne Atomstrom noch genügend Kapazitäten um den Strombedarf zu decken. Das ist heute schon so, ohne jede zusätzliche Energiesparmaßnahme.

Nachteil beim verstärkten Einsatz von Kohle- und Gaskraftwerken wäre, dass entsprechend mehr klimaschädliches CO2 entstehen würde. Um das zu vermeiden, müsste man in einen Bereich eingreifen, der in der energiepolitischen Diskussion allgemein tabu ist: In die Produktion. Industrie, Handel und Gewerbe verbrauchen nämlich 61 Prozent des Stroms. (Private Haushalte 27 Prozent, Verkehr 3 Prozent, öffentliche Einrichtungen 8 Prozent, Quelle: wikipedia).

Dort liegen also die größten Einsparpotenziale und zwar ohne Verlust an Lebensstandard – im Gegenteil. Energie könnte gespart werden, Mensch und Umwelt würden gewinnen. Teilweise sogar von heute auf morgen. Beispiel Werbung: Die Produktion der unzähligen Prospekte und Werbebeilagen könnte sofort gestoppt werden. Leuchtreklame sofort abgestellt werden. Beispiel Rüstung: Die Rüstungsproduktion könnte sofort eingestellt werden. Das würde ebenfalls Energie und Ressourcen sparen.

Um zu einer Lösung zu kommen, muss man aufhören, im Rahmen des Kapitalismus zu denken und zu handeln. Dieses System bietet uns nur zwei Alternativen: Kurzfristig weiter das sehr hohe Risiko für Menschen und Umwelt bei einer Reaktorkatastrophe getötet beziehungsweise vergiftet zu werden, langfristig die sichere Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen durch die Klimakatastrophe. Genau genommen beschert uns der Kapitalismus eine Kombination von beiden.

Alternativen sind machbar

Seit Jahrzehnten existieren die technischen Möglichkeiten, um aus der Wärmestrahlung der Sonne den Bedarf der ganzen Welt an Strom, Heizung und sonstiger Energie zu decken. Die Energie, die die Sonne jeden Tag auf die Erde einstrahlt, ist 7.000 bis 10.000 Mal so groß wie der derzeitige Weltenergieverbrauch, (für Strom, Heizung, Verkehr etc. zusammen). Natürlich kann man nur eine kleinen Teil davon technisch nutzen, aber weniger als ein Tausendstel ist ja auch mehr als ausreichend.

Aber warum wird weiter jeden Tag Öl und Gas verbrannt, als ob es kein Morgen gäbe? Im Kapitalismus geht es nicht um die Erzeugung von Energie sondern um die Erzeugung von Profit. Konsequenterweise wird die Art der Energieerzeugung gewählt, mit der sich ein Maximum an Profit erzielen lässt. Die Kapitalbesitzer wollen ihr Kapital vermehren und ihren Profit maximieren. Dabei handeln sie nach dem Motto „Nach uns die Sintflut“, und es ist eine bittere Ironie der Geschichte, dass man das inzwischen wörtlich verstehen muss.

Profitlogik

Aber der Kapitalismus ist zur Not auch flexibel, in Deutschland gibt es zu wenig billige heimische Kohle- und Ölvorkommen. Deshalb hat man aufgehört, die Nutzung von Wind- und Sonnenenergie zu verteufeln und zu verhindern. Im Gegenteil: Man wittert ein Geschäft und investiert sogar. Aber weil es wiederum nur ums Geschäft geht, bleibt die Umwelt wieder auf der Strecke: Statt vieler, kleiner Windräder, die sich in die Umgebung einfügen, wird gleich die ganze Landschaft mit Windparks zugestellt. Statt Stromkabel in die Erde zu verlegen, wird die Landschaft mit gigantischen Strommasten verschandelt. Das große Kapital ruft nach großen Investitionen und noch größeren Profiten. Ergebnis: Es entstehen gigantische Biogasanlagen, die mit Mais oder anderen Pflanzen beschickt werden. Jüngste „Errungenschaft“: Öfen, in denen im großen Stil Getreide verbrannt wird, um Strom zu erzeugen. Für das Wachstum von Mais und Getreide werden die Böden mit Stickstoff überdüngt und mit Spritzmitteln getränkt, was in der Konsequenz zur Verseuchung des Trinkwassers führt.

Wie würde eine sozialistische Energiepolitik aussehen?

Erstes Ziel einer sozialistischen Energiepolitik wäre: Energie sparen. Die Einsparpotenziale sind gewaltig, heute werden Güter um den halben Erdball transportiert, nur um Lohnunterschiede zwischen verschiedenen Standorten auszunutzen. Die gesamte Produktion würde umgestellt: Langlebige Güter statt Wegwerfartikel, optimale Dämmung aller Häuser und Gebäude, Umstellung des Verkehrssystems. Alle verfügbaren Ressourcen der Gesellschaft würden sinnvoll und planmäßig eingesetzt. Heute brüstet sich die Regierung damit, dass in Deutschland 380.000 Menschen im Bereich erneuerbare Energien arbeiten. Offiziell zehnmal, tatsächlich zwanzigmal mehr Menschen sind gleichzeitig auf der Suche nach sinnvoller Arbeit!

Was nach Ausschöpfung aller Sparpotenziale an Energiebedarf übrig bliebe, müsste aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden: Windkraft, Wasserkraft, Wärmestrahlung (Sonnenkollektoren, Solarzellen), Biomasse (Holz, Pflanzenreste), Erdwärme, Ausnutzung von Ebbe und Flut durch Gezeitenkraftwerke

Sozialistische Energiepolitik heißt, alle Möglichkeiten miteinander zu kombinieren, lokal und global. Sonnenkollektoren und Solarzellen, Wasserstoffgas aus Sonnenkraftwerken in der Sahara, Erdwärme aus geologisch günstigen Regionen…

Wichtig wäre dabei, dass in der Gesellschaft demokratisch diskutiert und entschieden werden könnte, welche Arten in welcher Kombination am geeignetsten wären. Das Wissen und die Initiative der Menschen als ProduzentInnen und VerbraucherInnen würden eingesetzt, um die intelligentesten Lösungen zu finden.

Stalinismus unfähig

Aber warum wurden in den Staaten des Ostblocks, in denen der Kapitalismus schon abgeschafft war, in der Energieversorgung ähnlich umweltzerstörende Wege gegangen wie im Westen? Weil in diesen Ländern die Wirtschaft nicht demokratisch, sondern bürokratisch geplant wurde. Mit bürokratischen Kommando-Methoden kann man es gerade noch schaffen, den Bau von wenigen aber riesigen Kohle- und Atomkraftwerken zu organisieren. Demgegenüber ist die Sonnenenergie ihrer Natur nach dezentral, sie scheint für jeden, der Wind bläst überall. Um dieses Potenzial zu nutzen, bedarf es zwar zum Teil einer zentralen Planung, zum Beispiel um die Verteilung der Ressourcen und Arbeitskräfte für den Bau von Windrädern und Sonnenkollektoren zu organisieren, gleichzeitig erfordert die optimale Nutzung der Unterschiede bei den lokalen oder regionalen Möglichkeiten die Beteiligung und Initiative der gesamten Gesellschaft. Gleiches gilt für das Energiesparen. Das ist mit der Herrschaft einer Minderheit über die Mehrheit in der Gesellschaft unvereinbar, dies gilt sowohl im Stalinismus als auch im Kapitalismus.

Sozialismus weltweit

Wir brauchen also eine Umstellung der gesamten Produktion, radikal und schnell. Umstellen kann man aber nur, was einem gehört. Die Energiekonzerne, aber auch die Auto-, Chemie-, Werbeindustrie, usw.. müssen deshalb in Gemeineigentum überführt, demokratisch kontrolliert und verwaltet werden. Nicht nur in Deutschland sondern international.

Angesichts von weltweit 438 Atomkraftwerken und der ungebremst fortschreitenden Aufheizung des Klimas schauen die Menschen in jedem Land mit Angst und Sorge in die Zukunft. Ein gemeinsamer, internationaler Kampf gegen den kapitalistischen Wahnsinn ist nötig. Jetzt sofort.

Forderungen der SAV

* Sofortige Stilllegung aller AKWs

* Atommülltransporte stoppen

* Überführung aller Energiekonzerne in Gemeineigentum

* Rauswurf aller Vorstände und Aufsichtsräte

* Keine Arbeitsplatzvernichtung bei der Schließung von AKWs, bei der Rekommunalisierung oder Umstellung auf erneuerbare Energien. Garantierte unbefristete Ersatzarbeitsplätze für alle Beschäftigte ohne Lohnverluste und Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich.

* Umstellung auf regenerative Energien. Massive Steigerung der öffentlichen Forschungsausgaben

* Öffentliches Investitionsprogramm zur Energieeinsparung durch Wärmedämmung, Erneuerung von Heizungsanlagen, Wärmerückgewinnung, Kraft-Wärme-Kopplung

* Energiesparende Umstellung der gesamten Produktion und des Verkehrssystem. Ausbau des Schienennetzes, ÖPNV zum Nulltarif

* Demokratische Verwaltung und Kontrolle der gesamten Wirtschaft durch demokratisch gewählte Belegschaftsvertreter sowie Vertretern von Verbrauchern und Umweltschutzorganisationen. Diese gewählten Vertreter dürfen nur einen Durchschnittslohn für ihre Tätigkeit bekommen und müssen jederzeit rechenschaftspflichtig und abwählbar sein.

* Aufstellung eines weltweiten gesamtgesellschaftlichen, umweltfreundlichen Energieplans