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Bildung für alle und zwar umsonst

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– Was bedeutet Lernmittelfreiheit?


 

Wenn wichtige Prüfungen bevorstehen, geht gleich die große Diskussion los, welches Buch am Besten zur Vorbereitung geeignet ist. Um schlechten Unterricht auszugleichen, bleibt oft keine andere Wahl als sich ein teures Buch zu besorgen und sich den Stoff selbst zu erarbeiten.

Egal ob in der Schule, Berufsschule oder Uni: Den Unterricht mitzugestalten ist nicht vorgesehen. Lehrpläne werden in irgendeiner Behörde ausgearbeitet, schlechte LehrerInnen kann man nicht abwählen und wir dürfen höchstens um etwas andere Unterrichtsmethoden bitten.

Zahlen…

Ein Sachbuch kostet gerne mal zwischen 40 bis 90 Euro. Oft genug sind mehrere Bücher notwendig um alles abzudecken. Lernmittelfreiheit würde bedeuten, dass den SchülerInnen und Studierenden die für die Bildung notwendigen Bücher kostenlos zur Verfügung stehen. In der Realität gibt es in den Schulen mittlerweile in den meisten Bundesländern Bücher nur gegen Bares. In den letzten sechs Jahren wurden Gebühren fürs Ausleihen, Gebühren fürs Anmelden zum Ausleihen und Gebühren in Form vom sogenannten „Elternanteil“ eingeführt oder es gibt nur noch pauschale Zuschüsse unterhalb der eigentlichen Kosten für alle Bücher. An den Unis kann man – nachdem man Studiengebühren bezahlt hat – theoretisch die wichtigsten Bücher in der Uni-Bibliothek ausleihen. In der Praxis sind die wenigen Exemplare spätestens am ersten Vorlesungstag komplett verliehen.

…ob in der Schule

Aber nicht nur Bücher kosten Geld. EinE DurchschnittsschülerIn soll neben dem Rucksack folgendes dabei haben: Bleistifte, Buntstifte, Mappen, Füller, Tintenkiller, Lineal, Geodreieck, Taschenrechner, Radiergummi, Blöcke (kariert und liniert), Hefte, Filzstifte, Duden, Folien, Zirkel, Anspitzer, Tintenpatronen, Locher, Tuschkasten, Pinsel, Marker, eine Federtasche usw. Für ein Kind aus einer Hartz-IV Familie ist manchmal schon das Geld für ein warmes Mittagessen ein Problem. Aus welchen Mitteln soll dann das alles bezahlt werden? Wenn es weiter nach dem Willen der herrschenden Elite geht, dann sicher nicht aus den Milliardengewinnen der großen Banken und Konzerne und auch nicht aus den Milliardenvermögen der oberen Zehntausend.

…oder in der Ausbildung.

Auch Azubis müssen in Berufsschule und Betrieb für Werkzeuge, Arbeitsmaterialien oder Bücher oft selbst aufkommen – obwohl das offiziell verboten ist. So wird im aktuellen Ausbildungsreport der DGB-Jugend Berlin-Brandenburg eine Modenäherin genannt, die sich teure Scheren selbst kaufen musste – auch im Friseurhandwerk müssen einige Azubis ihre eigenen Scheren mitbringen. Ein Satz Frisierscheren kostet über 200 Euro. Durch die Ausbildung können auch andere Kosten entstehen, zum Beispiel wenn, wie bei vielen weniger häufigen Berufen, Ausbildungsbetrieb und Berufsschule hunderte von Kilometern voneinander entfernt sind. Dann entstehen für jeden Berufsschulblock Mietkosten, die Azubis normalerweise selbst bezahlen müssen, und die während der Schulblöcke fast die ganze Ausbildungsvergütung verschlingen können.

Darum kostenlose Bildung

Bildung sollte kostenlos sein, um die Nachteile von ärmeren Kindern wenigstens etwas zu verringern. Dazu gehört nicht nur die Abschaffung von Schulgeld oder Studiengebühren, sondern auch die Bereitstellung der für den Unterricht notwendigen Materialien. Es ist genauso unsinnig Schulgeld und Unterrichtsmaterialien bezahlen zu müssen, wie bei der Arbeit Arbeitskleidung und -werkzeug selbst kaufen zu müssen. Lernmittelfreiheit heißt also nicht nur kostenlose Bücher, sondern beinhaltet auch alle anderen Unterrichtsmaterialien.

Das Bildungssystem in Deutschland funktioniert nach anderen Regeln. Durch seine Struktur und viele kleine Details findet ein starkes Aussortieren nach dem Geldbeutel der Eltern statt. Die fehlende Lernmittelfreiheit ist ein wichtiger Teil dieser Sortiermaschine. Durch dieses Aussortieren verringert sich die Konkurrenz für die Kinder der Privilegierten. Alle anderen müssen zig Hürden überwinden – zum Beispiel das Geld für die Lernmittel aufbringen – um einen höheren Bildungsabschluss zu schaffen.

Wir brauchen dagegen eine Bildung die Jede und Jeden fördert und Jeder und Jedem die Möglichkeit zur freien Entwicklung bietet. Das werden wir nur im Kampf gegen die Interessen der Privilegierten und der Eigentümer der Banken und Konzerne schaffen. Fabian