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„Kurzarbeit – und kein Ende in Sicht“

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Gespräch mit Mustafa Efe, oppositionelles Betriebsratmitglied bei Daimler in Berlin*.


 

Hunderttausende Leiharbeiter verlieren ihre Jobs und immer mehr KollegInnen müssen kurz arbeiten. Wie wirkt sich die Krise aktuell bei Euch im Werk aus?

Schon im letzten Jahr wurden bei uns ganze Schichten abgesagt und die Kurzarbeit eingeführt. Erst betraf es einige hundert Kollegen. Heute sind es schon über 2.500 der 3.000 Beschäftigten und ein Ende ist nicht in Sicht. Dadurch verlieren viele bis zu 350 Euro monatlich. Und die Verunsicherung der Kollegen ist groß. Wie wird es weitergehen? Wie sicher sind unsere Jobs? Und jetzt plant das Unternehmen weitere Angriffe auf unsere Löhne.

Der Vorstand will die Lohnkosten um zwei Milliarden Euro jährlich senken. Die tarifliche Lohnerhöhung soll um mehrere Monate verschoben und Weihnachts- und Urlaubsgeld sollen gekürzt werden. Die angekündigte Gewinnbeteiligung wird vorerst vom Konzern einbehalten.

Das ist noch längst nicht alles. So will der Vorstand die Arbeitszeit um fünf Stunden pro Woche kürzen. Ohne Lohnausgleich. Das bedeutet eine Lohnsenkung von 14 Prozent! Dem Konzern brächte das eine Milliarde Euro zusätzlich. Diese Möglichkeit hat das Unternehmen. Sie wurde im sogenannten Beschäftigungssicherungsvertrag vereinbart. Im schlimmsten Fall drohen uns Massenentlassungen. Der sogenannte Zukunftssicherungsvertrag verhindert das nicht.

Dieser Vertrag wurde 2004 abgeschlossen. Gesamtbetriebsrat, IG-Metall-Führung und der Konzernvorstand einigten sich darauf, die Arbeitskosten um jährlich 500 Millionen zu senken. Diese Umverteilung in die Taschen der Aktionäre wurde damit begründet, dass die Arbeitsplätze gesichert würden.

Genau. Und gerade in der Krise zeigt sich, was der Vertrag wert ist. Nichts. Während die Kollegen zum Verzicht gedrängt wurden, gab das Unternehmen nur unverbindliche Absichtserklärungen ab. Sollte sich die wirtschaftliche Situation verschlechtern würden sie lediglich „versuchen, betriebsbedingte Beendigungskündigungen zu vermeiden“.

Du bist auch in der „Alternative“ aktiv, einer Gruppe oppositioneller Kollegen im Werk, die monatlich eine Betriebszeitung herausgibt. Was sind Eure Vorschläge?

Wir stehen für eine dauerhafte Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden die Woche bei vollem Lohnausgleich – bezahlt von Daimler. Die Arbeitsplätze müssen menschenwürdiger gestaltet werden. Deshalb fordern wir eine Absenkung der Takte in der Produktion. Um die Arbeitsplätze dauerhaft zu sichern, ist es nötig, die Produktion auf gesellschaftlich sinnvolle Produkte umzustellen und mit der Profitlogik der Konzerne zu brechen.

Das zwei Milliarden Sparprogramm muss weg. Das erreichen wir aber nicht durch Zugeständnisse und Geheimverhandlungen, wie es aktuell vom Gesamtbetriebsrat und der IG-Metall-Spitze praktiziert wird. Das können wir nur erreichen durch die volle Mobilisierung der Beschäftigten aller Daimler-Werke im Kampf gegen die Politik der Konzernspitze.

Vor Kurzem bist du Mitglied der SAV geworden. Warum hast du dich dafür entschieden?

Die SAV hat unsere Betriebsarbeit seit Langem unterstützt. Im Unterschied zu anderen linken Organisationen tat sie das immer ohne Vorbedingungen. Diese unsektiererische Herangehensweise finde ich vorbildlich – auch für andere Betriebe und Belegschaften. Ich möchte dazu beitragen, eine starke sozialistische Kraft aufzubauen, die über eine möglichst große Verankerung in Betrieben und Gewerkschaften verfügt.

Die Fragen stellte Johannes Burczyk. * = Angabe der Funktion dient nur zur Kenntlichmachung der Person