Die Wut wächst

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Kolumne von Lucy Redler


 

Der Soziologe Klaus Dörre warnte kürzlich vor „einem Wutstau, der in Deutschland ausbrechen könnte“. DGB-Chef Sommer fürchtet soziale Unruhen, sollte es nicht gelingen, Massenentlassungen zu verhindern. Sein Sprecher verweist auf einzelne Betriebe wie „zum Beispiel bei Opel“, wo „bereits eine radikalisierte Stimmung unter den Beschäftigten zu spüren“ sei. Gerade unter KollegInnen, die in der Vergangenheit Lohnverzicht für Beschäftigungssicherungsverträge zugestimmt haben und jetzt entlassen werden sollen, ist das Unverständnis groß.

Die Angst vor sozialen Unruhen aufgrund der Krisenfolgen erfasst nun auch Politiker und Teile des Kapitals. Deutsche-Bank-Chef Ackermann, der jahrelang Millionen einstrich, ruft nun seine Managerkollegen zu Mäßigung auf. Offenbar haben auch diese Herren Sorge, dass ArbeiterInnen und Arbeitslose Sturm laufen.

Zu Recht: Die Menschen verstehen ein System nicht mehr, in dem ein Hartz-IV-Empfänger bis auf die Unterhose durchleuchtet wird, während ein Manager für Fehlplanung noch Boni abkassiert.

Den Herrschenden wäre es am liebsten, den massenhaften Unmut als Unruhen Einzelner darzustellen. Dem müssen wir einen Strich durch die Rechnung machen durch massenhaften Widerstand.

Statt Zugeständnissen an die Arbeitgeber, Co-Management und Verzichtslogik wäre es Aufgabe der Gewerkschaftsführung, die vorhandene Wut in Widerstand zu verwandeln. Und zwar nicht in Bratwurst- und Bierzeltkundgebungen, sondern in kämpferischen und konsequenten Widerstand, lokalen Streiks und einem bundesweiten Streiktag aller Betroffenen.