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Schülerstreik in München – 4.000 trotz „Streikverbot“

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Auch in München fand am 12. November 08 der bundesweite Schulstreik „Bildungsblockaden einreißen“ statt. Der Schulstreik war auf ganzer Linie ein Erfolg. Es nahmen um die 4000 SchülerInnen, StudentInnen, Eltern und LehrerInnen teil.


 

von Max Häberlein und Jia-Chii Chen

Die Erwartungen der Schülerinitiative München wurden weit übertroffen, denn wir gingen von rund 1000 Teilnehmern aus, zumal das Kultusministerium allen Direktoren mitteilen ließ, dass die Teilnahme von SchülerInnen an der Demonstration verboten sei, und am Vortag an fast allen Münchner Schulen mit Repressionen gedroht wurde. Das Ziel der Streikaktion, nämlich erstens, eine breite öffentliche Diskussion auszulösen und zweitens, den SchülerInnen zu zeigen, dass es sich lohnt, betreffs den Missständen im Bildungssektor selbst aktiv zu werden, wurden erreicht.

Die Demonstration in München verlief friedlich. Nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten mit dem Lautsprecherwagen, startete die Demonstration um ca. 9.30 Uhr. Bis zu diesem Zeitpunkt skandierten etwa 1500 SchülerInnen Slogans wie „Bildung für alle – und zwar umsonst“ oder „Wir sind hier und wir sind laut, weil ihr uns die Bildung klaut“ und sorgten damit für eine gut Stimmung. Die Reden bei der darauffolgenden Auftaktkundgebung – gehalten von Schülern, Eltern und Lehrern – wurden von den SchülerInnen lautstark unterstützt. Es wurden unter Anderem folgende Forderungen aufgestellt:

G8 abschaffen und den daraus folgenden Leistungsdruck abbauen

Kleinere Klassen (max. 20) und folglich die Einstellung von mind. 20000 neuen Lehrern in Bayern

Abschaffung des 3-gliedrigen Schulsystems, stattdessen individuellere Förderung der SchülerInnen unter Berücksichtigung individueller Stärken und Schwächen

Stop der sozialen Selektion und Abhängigkeit der Bildung vom Geldbeutel der Eltern

Demokratisierung der Schulen – Mitspracherecht für SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen

Kostenlose Bildung für alle – Abschaffung der Schul- und Studiengebühren

Ersetzen des Frontalunterrichts durch modernere und effektivere Unterrichtsformen

Als der Demonstrationszug sich gegen 10.30 Uhr formierte, waren wir bereits auf ca. 3000 Demonstranten angewachsen. Der bunte Zug bewegte sich im Folgenden durch Nord-Schwabing, vorbei am Giselagymnasium. Dort hatte der Schulleiter die SchülerInnen eingesperrt, um zu verhindern, dass diese sich der Demonstration anschließen konnten. Weiter ging es Richtung Süden entlang der Arcisstraße. Vor der TU stoppte der Demonstrationszug noch einmal und verkündete lautstark seine Forderungen. Im Folgenden passierten wir den Königsplatz und erhielten vor der BOS Sozialwesen, unter lautem Jubel der Demonstranten weitere Verstärkung. Das darauf folgende Luisengymnasium war wiederum versperrt. Nachdem einige Schüler in das Gymnasium eindrangen, gab es kleinere Tumulte, die darin gipfelten, dass nach Augenzeugenberichten ein Schüler vom Hausmeister in den Schwitzkasten genommen wurde, woraufhin der Feueralarm ausgelöst wurde. Auch verhinderten an dieser Stelle Polizisten, dass Schüler aus der Schule „entkommen“ konnten. Kurz darauf musste die Demonstration den Feuerwehreinsatzkräften, welche kurz nach dem Auslösen des Feueralarms eintrafen, Platz machen. Bis zum Wittelsbacherplatz, an dem weitere 100 Schüler anscheinen gerade mit Kultusminister Spaenle diskutiert hatten, gab es keine weiteren Vorfälle. Auf der Abschlusskundgebung, bei der schon mehrere Schüler den Heimweg antraten, redeten unter anderem noch ein Student, ein Vertreter der GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) und eine Schülerin. Herr Spaenle war sich hier leider zu Schade auf die Vorwürfe zu reagieren.

Die Schüler erlebten die Demonstration durchwegs positiv, manche waren regelrecht begeistert. Die Zweifel, die es im Vorfeld bei einigen Schülern gab, wurden ausgeräumt. Wir sind also sehr zuversichtlich, dass wir künftig bei ähnlichen Aktionen mit einem noch größeren Zulauf rechnen können.