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„Seid froh, dass ihr überhaupt hier sitzen dürft!“

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Sexismus in der Schule – wir wehren uns!


 

Laut einer Statistik des Robert-Koch-Instituts von 2006 leidet ein Drittel aller jungen Frauen zwischen 14 und 17 Jahren an Essstörungen. Zum Leistungsdruck und Stress in der Schule kommt noch dazu, dass man gut aussehen soll.

von Anne Engelhardt, Berlin

Sexismus bedeutet die systematische Unterdrückung eines Geschlechts in der Gesellschaft. Wer daran Interesse hat, liegt auf der Hand: Die Unterdrückung der Frau wird von den Herrschenden genutzt, um alle Beherrschten zu spalten. Zudem wird Arbeit, die eigentlich gesellschaftlich verrichtet werden müsste, der Frau aufgedrängt: Kindererziehung, Haushalt, Altenpflege.

Frauen haben zuallererst schön zu sein. Klug müssen sie gar nicht sein, das wird von Frauen selten erwartet. Aktuell wird diese Vorstellung unter anderem in der TV-Serie „Germany’s next Topmodel“ transportiert.

Einschüchterungen und Repressalien

Bei dem Workshop „Sexismus in der Schule“ auf der bundesweiten Schülerkonferenz im Oktober stellten vor allem Jungen fest, dass Mädchen sich im Unterricht oft nicht beteiligen, in den Arbeiten aber gute Noten schreiben. Anwesende Schülerinnen wehrten sich gegen diesen Eindruck. Allerdings berichteten sie von Erlebnissen mit einzelnen Lehrern, die ihnen nach einer Auseinandersetzung nahebrachten, froh sein zu können, als Mädchen mittlerweile überhaupt das Recht zu haben, in die Schule zu gehen.

Auch wurde von einem Vorfall berichtet, dass zwei Mädchen, die sich öffentlich auf dem Schulhof geküsst hatten, im Anschluss daran der Schule verwiesen werden sollten. SchülerInnen organisierten daraufhin Proteste, zogen mit Sketchen durch die Klassenräume und forderten „Kussverbot für alle“. Die beiden Schülerinnen durften bleiben.

„Nenn mich nicht Hure!“

Ein weiteres Beispiel aus Schweden zeigt, wie man sich gegen Sexismus an der Schule zur Wehr setzen kann. Lina Thornblom vom schwedischen Schülerbündnis Elevkampagnen sagt über die Kampagne „Nenn mich nicht Hure“: „Als wir diese Kampagne ins Leben gerufen haben, war vor allem die Unterfinanzierung von Schulen ein großes Problem. Wir fanden heraus, dass es besonders an den Schulen viele sexuelle Übergriffe gab, wo zu wenig Erzieher- und Pädagogenstellen vorhanden waren. Wir haben bei der Kampagne besonders auf diesen Punkt aufmerksam gemacht.“

Zwischen 1999 und 2002 wurden vier Prozent aller Lehrer- und Erzieherstellen gestrichen. Gleichzeitig nahmen psychische Störungen bei jungen Frauen weiter zu. Die Kampagne konnte dann zum Beispiel erreichen, dass ein Striptease-Club geschlossen werden musste und dass sich ganze Schulen gegen sexuelle Gewalt positionierten. In Hunderten von Schulstunden durften Kampagne-VertreterInnen über Sexismus und sexuelle Gewalt aufklären. Dazu Lina Thornblum: „Wir haben vielen Schülerinnen und Schülern die Augen geöffnet, was Sexismus wirklich ist und wie man sich dagegen organisieren kann.“