Home / Themen / Theorie & Geschichte / Sozialismus & Kommunismus / Der Kapitalismus hat der „Dritten Welt“ nichts zu bieten

Der Kapitalismus hat der „Dritten Welt“ nichts zu bieten

Print Friendly, PDF & Email

In einer sozialistischen Wirtschaft können Hunger, Elend und Armut überwunden werden


 

Wenn sich die Vertreter der Großmächte irgendwo treffen, wird viel vom Kampf gegen den Welthunger gesprochen. Bis zum Jahr 2015 soll die Zahl der Hungernden halbiert werden. Gelder werden zugesagt und „Fortschritte“ breit getreten. Angeblich hat sich schon einiges getan. Laut der Weltbank ist die Zahl der Menschen, die mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen müssen, auf unter eine Milliarde gesunken. 1990 seien es noch 1,24 Milliarden Menschen gewesen. Im selben Zeitraum ist die Zahl der Menschen auf der Erde von 5,3 auf 6,7 Milliarden angestiegen. Der „Erfolg“ dieser Zahlen verblasst aber, wenn man berücksichtigt, dass der US-Dollar einem markanten Wertverfall unterliegt.

von Nima Sorouri, Aachen

Knapp zwanzig Jahre nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und nach der Propaganda-Offensive des Westens, der eine Ära des Wohlstands und des Friedens für alle Menschen versprach, sind wir heute Zeuge vom genauen Gegenteil. Gerade in den unterentwickelten Ländern, die sich größtenteils in Asien, Afrika und Lateinamerika befinden, springen Verarmung und Instabilität ins Auge.

Doch die neokolonialen Länder sind auch wieder mehr ins strategische Kalkül der Herrschenden geraten. Die Ressourcen werden knapper. Die mächtigen Blöcke geraten aneinander. Deshalb steht die Frage, wer seinen Einfluss auf Kosten der unterentwickelten Länder ausdehnen kann, auf der Tagesordnung.

Entwicklung der Entwicklungsländer?

In Ländern wie England und Frankreich, Deutschland und den USA, entwickelte sich der Kapitalismus historisch früher als in anderen Teilen der Erde. Dies wurde ausgenutzt, um ökonomisch und militärisch den Rest der Welt zu unterdrücken und auszubeuten. Dadurch konnten die Großmächte ihre Vormachtstellung ausbauen.

An die Stelle der direkten Unterjochung, der Kolonialherrschaft, trat in den vergangenen Jahrzehnten eine indirekte. Die imperialistischen Kräfte sehen in dem afrikanischen Kontinent zum Beispiel immer noch einen Rohstofflieferanten, ein Reservoir von billigen Arbeitskräften und einen Absatzmarkt.

Eine Politik, die diese Länder tatsächlich entwickeln, also wirtschaftlich auf das Niveau der USA, Europa und Japan heben würde, ist mit den Prinzipien des Kapitalismus unvereinbar. Das kapitalistische System basiert auf Konkurrenzkampf, also auf einem Kampf untereinander, gegeneinander.

Vor diesem Hintergrund erscheint es mehr als zynisch, wenn Politiker von „Entwicklungshilfe“ sprechen oder U2-Frontmann Bono wieder mal für Afrika singt. Auch die im Jahre 2005 als Erfolg gefeierte Schuldenstreichung für die 18 ärmsten Länder der Welt ist eine Farce. Die 40 Milliarden Dollar Schuldenerlass über einen Zeitraum von zehn Jahren nehmen sich angesichts der Auslandsschulden der Länder südlich der Sahara in Höhe von 230 Milliarden Dollar lächerlich aus. Die sogenannten „Entwicklungs“-Länder müssen insgesamt 2,4 Billionen Dollar Schulden schultern.

Angesichts des heutigen Energiebedarfs bei der gleichzeitigen Verknappung der Ressourcen wird sich die Lage in den neokolonialen Ländern unter kapitalistischen Bedingungen weiter zuspitzen. Die jetzt einsetzende weltweite Rezession wird diesen Prozess beschleunigen. Sollte das kapitalistische System in den nächsten Jahren weiter bestehen, dann werden die Menschen in den ärmsten Ländern ein noch nie da gewesenes Elend erleben.

Eine sozialistische Demokratie, in der die Wirtschaft demokratisch vor Ort und im Weltmaßstab geplant wird, kann die Probleme, die der Kapitalismus verursacht und täglich verschärft, lösen. Denn Sozialismus beruht auf dem Gemeineigentum an Fabriken, Land und Bodenschätzen. Im Sozialismus geht es nicht um Konkurrenz und Profit, sondern um die Bedürfnisse von Mensch und Umwelt.

Beispiel Ernährung

In den bürgerlichen Medien wird der Eindruck vermittelt, dass die industrialisierten Länder den sogenannten Dritte-Welt-Ländern helfen müssen, damit die Masse der Bevölkerung dort weniger Hunger leidet. Verzicht auf einen Teil des eigenen Lebensstandards soll also eine Möglichkeit zur Milderung des Welthungerproblems sein. Doch das ist Unsinn. Es gibt bereits jetzt Nahrungsüberschüsse. Außerdem liegen Produktionskapazitäten brach, die genutzt werden könnten. Die Zahl der chronisch Unterernährten Ende des letzten Jahres betrug 854 Millionen und das, obwohl auf dem Planeten genug Nahrungsmittel produziert werden, um alle Menschen satt zu machen. In den Industrieländern müsste nicht einmal auf eine Kalorie verzichtet werden. Aber der Kapitalismus zielt auf Profite ab. Lebensmittel bekommt nur, wer dafür bezahlen kann. Die großen Konzerne profitieren, wenn Nahrungsüberschüsse vernichtet werden oder wenn aus Mais Benzin gemacht wird.

Die regionale Nahrungsmittelproduktion könnte unter den Bedingungen demokratischer Planung effektiviert werden. Unsinnige Transportwege über den halben Globus könnten stark reduziert und die Produktion auf regionale Besonderheiten ausgerichtet werden, wie zum Beispiel auf die jeweiligen klimatischen Bedingungen. Die Wertschöpfung je Beschäftigten in der Landwirtschaft beträgt heute in den afrikanischen Staaten etwa ein Prozent der Wertschöpfung in den Industrieländern. Durch den Zugang der unterentwickelten Länder zu hochentwickelten Technologien wäre eine massive Effizienzsteigerung der Produktion möglich.

Beispiel Gesundheit

Von den weltweit 2,1 Millionen HIV-infizierten Kindern leben 90 Prozent im südlichen Afrika. Die grausamen Auswirkungen des ständigen Profitzwangs haben sich auch hier gezeigt. Nachdem mehrere „Entwicklungsländer“ teure AIDS-Medikamente kopiert haben, um sie billig an HIV-Infizierte verteilen zu können, zogen die Pharmakonzerne vor Gericht. Die Motivation der Pharmakonzerne war und ist Profitmaximierung und nicht die Eindämmung und Bekämpfung der Krankheit. Von Menschen, die diese Medikamente nicht bezahlen können, profitieren sie nicht. In den ärmsten Ländern breiten sich nicht nur Krankheiten wie AIDS, Tuberkolose und Malaria furchterregend aus. Im letzten Jahr sind daran sechs Millionen Menschen gestorben. Es sterben auch Kinder an Durchfall und anderen sehr einfach behandelbaren Krankheiten.

Medizin bekommt jeder, der Geld dafür hat. Mehr noch: Die Konzerne halten ihre Forschungsergebnisse geheim, um im Konkurrenzkampf gegen die anderen Konzerne einen Vorteil zu haben, statt gemeinsam an Problemlösungen zu arbeiten.

In einer sozialistischen Demokratie wäre die Gesundheitsindustrie und die Forschung transparent und unter der Kontrolle der arbeitenden Bevölkerung. Wenn der Profitzwang aufgehoben ist, können Forscher, Ingenieure und Mitarbeiter ihr gesamtes Wissen zusammentun. Modernste Labore wären eine Hilfe dabei, schnell sinnvolle Konzepte zu entwickeln und die nötigen Medikamente und Behandlungsmöglichkeiten zu verbreiten. Es könnten Ärzte aus den industrialisierten Ländern in die Gebiete geschickt werden, in denen Bedarf besteht. Unmittelbar würden Armutsbekämpfung, die Versorgung mit sauberem Wasser und eine Alphabetisierung die Lebenserwartung enorm erhöhen.

Beispiel Ressourcen

Hartnäckig hält sich die Meinung, dass die neokolonialen Länder ohne „unsere“ Hilfe keine Chance hätten. Ohne „Entwicklungshilfe“ und „humanitäres Engagement“ würde es den Menschen in diesen Ländern angeblich noch viel schlechter gehen. Die Beispiele vom Libanon, Afghanistan und Irak zeigen in aller Deutlichkeit, was passiert, wenn diese Länder sich nicht so „entwickeln“, wie die Großmächte sich das vorgestellt haben. Diese Länder wurden um Jahrzehnte zurückgebombt.

Auch auf dem schwarzen Kontinent gibt es einiges zu holen. Konzerne wie Shell pumpen Öl und Gas ab. Auch deutsche Konzerne und Unternehmen anderer Staaten Westeuropas plündern Gasreserven, Erze, Edelmetalle und Edelsteine. Um ihren Einfluss zu erhalten oder auszudehnen, werden Terror-Regime oder Terror-Milizen unterstützt, die im Interesse der großen Blöcke „Ruhe und Ordnung“ herstellen sollen. Die „Entwicklungshilfe” der westlichen Regierungen soll dazu dienen, den imperialistischen Ambitionen die aggressive Fratze zu nehmen. Die multinationalen Konzerne saugen Milliarden aus dem Boden und den Menschen. Die Völker in den unterentwickelten Ländern haben nichts davon.

Eine sozialistisch geplante Wirtschaft würde die Ausplünderung beenden. Moderne Produktionsanlagen würden gebaut, die die Arbeitsbedingungen deutlich erleichtern würden. In Kooperation mit industrialisierteren Ländern könnten Technik, Wissen und Güter ausgetauscht werden. Es könnten LehrerInnen und Ingenieure entsandt werden. Innerhalb von kurzer Zeit könnten die Bevölkerungen der heute „armen“ Länder in die Lage versetzt werden, Techniken zur Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse zu entwickeln.

Dies sind nur ein paar Beispiele dafür, die Unfähigkeit des Systems zu demonstrieren, die „Entwicklungsländer“ zu entwickeln. Ein Ende der Macht der Banken und Konzerne, ein Ende der imperialistischen Ausplünderung durch die Schaffung einer sozialistischen Demokratie weltweit würde Schluss machen mit Profitzwang und Barbarei überall auf dieser – einen – Welt.