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Pakistan: Telekom-Beschäftigte setzen 35-prozentige Lohnerhöhungen durch

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Die Redaktion von www.socialistworld.net erreichte folgender kurzer Bericht über das Ergebnis des jüngsten Streiks der Telkom-Beschäftigten in Pakistan.


 

Regelung für 8.000 VertragsarbeiterInnen durchgesetzt

von Fazal Abbas Shah, Trade Union Rights Campaign Pakistan (TURCP, Kampagne für gewerkschaftliche Rechte in Pakistan), Lahore, 31.7.08

Gestern, am 30. Juli, ging mit der Billigung der Hauptforderungen des Streiks seitens der Geschäftsleitung eine zwei Wochen andauernde Streik- und Protestbewegung der Telekom-Beschäftigten in Pakistan zu Ende. Das Management unterzeichnete eine Übereinkunft mit der United Workers Alliance (Vereintes Arbeiter-Bündnis; Anmerkung des Übersetzers) und begann damit, diese unverzüglich umzusetzen. Danach erhalten die ArbeiterInnen im Sinne einer Teuerungszulage unmittelbar eine Lohnerhöhung von 35 Prozent. Es wird ein Komitee gebildet, um sich mit den bisherigen Lohntabellen zu befassen und neue auszuarbeiten. Die 8.000 Vertragsangestellten wurden bestätigt (für sie wurde eine „Regelung“ vereinbart), und sie bekommen ebenfalls eine Lohnerhöhung von 35 Prozent. Diesen ArbeiterInnen werden alle Zugeständnisse und Zuschüsse zuteil, die auch die anderen Beschäftigten erhalten werden. Insgesamt errangen die ArbeiterInnen 13 Zugeständnisse und Zuschüsse.

Bedeutender Sieg

Dies stellt einen bedeutenden Sieg für die Telekom-Beschäftigten dar. Der Kampf beweist abermals, dass ArbeiterInnen über Massenstreiks Erfolge, Zugeständnisse und Zuwendungen erringen können. Die Telekom-Beschäftigten haben diesen Kampf unter äußerst schwierigen Voraussetzungen und diffizilen Umständen ausgefochten. Die Gewerkschaftsbewegung in Pakistan ist sehr schwach und es finden nur wenige Arbeitskämpfe statt. Darüber hinaus war die Gewerkschaftsführung nicht bereit, den Kampf zu führen. Der Streik fand isoliert und nicht besonders gut organisiert statt.

Trotz all dieser Schwächen und Schwierigkeiten führten Arbeitereinheit und Entschiedenheit zu einem weitreichenden Erfolg. Azad Qadri, ein führender Streikaktivist im Telkomsektor und einer der Führer der streikenden ArbeiterInnen, sagte: „Alle redeten von »Niederlage« und bezeichneten diesen Streik als falschen Weg. Sie wurden widerlegt. Die ArbeiterInnen sind für den Kampf gerüstet aber die Gewerkschaftsführer sind unwillig. Die Arbeiterklasse benötigt eine kämpferische und radikale Führung, um den kapitalsitischen Angriff und die Offensive der Konzernchefs abzuwehren”.

Dieser Sieg wird den Telekom-Beschäftigten für die zukünftigen Kämpfe, die sie wagen werden müssen, gesteigertes Vertrauen bringen und Mut machen. Dieser Sieg muss genutzt werden, um die Gewerkschaftsbewegung im Telekombereich noch besser zu organisieren. Die ehrlichen und kämpferischen Führungspersonen und AktivistInnen müssen eine eine neue kämpferische und demokratische Gewerkschaft im Telekomsektor (bei der PTCL) gründen, um weitergehende Ziele zu erreichen. Die Formierung der United Workers Alliance und die Arbeitereinheit im Kampf, die sich während dieses Streiks zeigte, sind Beleg für eine starke Führung und eine gewerkschaftliche Basis, die für den Kampf wirklich gerüstet sind.

Opportunismus zurückgewiesen

Die dem Arbeitnehmerflügel der Pakistan People’s Party (PPP) verbundenen Gewerkschaftsführer versuchten, den Streikenden bis zum Ende der Auseinandersetzung Hürden in den Weg zu legen. Sie versuchten separate Verhandlungen mit den Regierungsministern zu organisieren, um das Bild zu vermitteln, sie seien die „wahren“ Vertreter der ArbeiterInnen. Sie versuchten alles Mögliche, um die ArbeiterInnen parteipolitisch zu spalten. Die meisten Gewerkschaftsführer sind formal nicht Mitglied der PPP, sie stellen sich allerdings auf deren Seite, um einen persönlichen Nutzen zu erzielen. Einige der Gewerkschaftsführer verbündeten sich mit der früheren PML-Q Regierung. Sie unterstützten die neue PPP-Regierung nicht politisch sondern aus rein opportunistischen Gründen. ArbeiterInnen lehnten es ab, diesen Gewerkschaftsführern zuzuhören, und sie bezogen eindeutig Stellung gegen deren Opportunismus. ArbeiterInnen schlossen sich um die Führung des Vereinten Arbeiter-Bündnisses zusammen, wehrten sich gegen die opportunistische Führung und rangen den Konzernchefs darüber hinaus weitreichende Zugeständnisse ab.

Dieser Streik dient als Beispiel für den weiteren Weg der pakistanischen Gewerkschaftsbewegung.

Homepage der TURC-P: www.turcp.org