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Arbeitsplatzvernichtung: BMW baut ab

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Münchner Autobauer streicht Tausende Stellen. Produktivitätssteigerungen sollen bis 2012 sechs Milliarden Euro einsparen. Betriebsratsspitze einverstanden


 

von Daniel Behruzi, zuerst veröffentlicht in der jungen Welt, 22.12.07

Der Autobauer BMW will im Rahmen eines umfangreichen Sparprogramms rund 8000 Arbeitsplätze vernichten. Das berichtete Spiegel online am Freitag. Konzernsprecher Mathias Schmidt bestätigte auf jW-Nachfrage den Abbau mehrerer tausend Stellen. Von den Maßnahmen seien in erster Linie Zeitarbeiter betroffen. Eine »begrenzte Reduktion bei den Stammbeschäftigten« werde »sozialverträglich« über Fluktuation, Altersteilzeit und Abfindungen stattfinden. Es seien überwiegend die deutschen Werke – und dort vor allem Produktion und Fertigung – betroffen, sagte der BMW-Sprecher. Konkretere Angaben machte er allerdings nicht.

Matthias Jena von der IG Metall Bayern reagierte gegenüber jW gelassen auf die angekündigte Arbeitsplatzvernichtung. Es sei normal, daß der Einsatz von Leiharbeitern bei Produktionsspitzen ausgeweitet und in anderen Zeiten wieder zurückgefahren werde. Ein Abbau bei den Stammbeschäftigten sei ihm nicht bekannt, so der Gewerkschaftssprecher. Bei der letzten Sitzung des BMW-Aufsichtsrats am 4. Dezember sei nichts Derartiges zur Sprache gekommen.

Konzernsprecher Schmidt machte klar: »Wir wollen die Profitabilität deutlich steigern.« Die Umsatzrendite solle bis 2012 von derzeit 6,3 auf acht bis zehn Prozent wachsen, so das von Vorstandschef Norbert Reithofer vorgegebene Ziel. Dieser hatte das Sparpaket in einer jW vorliegenden Rede bei einer Betriebsversammlung in München u. a. mit gestiegenen Energie- und Rohstoffpreisen sowie dem schwachen Dollar begründet. Auch seien »die Wettbewerber innerhalb kurzer Zeit deutlich produktiver und leistungsfähiger geworden«. Das müsse nun auch BMW schaffen. »Wir werden künftig für das gleiche Geld länger arbeiten müssen«, kündigte Reithofer an – und meinte damit ganz offensichtlich die versammelten Beschäftigten. Diese sollen auf bezahlte Pausen und Überstundenzuschläge verzichten. Zudem soll der Arbeitsdruck erhöht und der Krankenstand gesenkt werden. Mit diesen Maßnahmen will der Konzern die Produktivität jährlich um fünf bis zehn Prozent steigern.

Durch die Kürzungen sollen bis 2012 insgesamt sechs Milliarden Euro eingespart werden. Die jährlichen Personalkosten belaufen sich derzeit auf rund 5,5 Milliarden Euro. Trotz dieser Dimension will die Beschäftigtenvertretung das Sparpaket mittragen. In sieben Verhandlungsrunden habe man sich auf den Maßnahmenkatalog geeinigt, so Gesamtbetriebsratschef Manfred Schoch in einer jW vorliegenden Rede, bei der er mehrfach die »BMW-Kultur« der Zusammenarbeit von Management und Beschäftigtenvertretung pries. »Die Stärke der BMW-Kultur war, daß wir in schwierigen Zeiten immer BMW-typische Lösungen in enger Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat gefunden und diese dann gemeinsam mit den Mitarbeitern auch erfolgreich umgesetzt haben.« Der Betriebsrat habe ein »akzeptables Verhandlungsergebnis« erzielt, mit dem »die Arbeitsplätze unserer Stammitarbeiter« gesichert würden, sagte Schoch. Zwar werde »ein gewisser Personalabbau auf uns zukommen, den wir jedoch vernünftig steuern werden«.

Doch nicht alle Beschäftigtenvertreter sind zufrieden. Hans Köbrich, Leiter des IG-Metall-Vertrauenskörpers im Berliner BMW-Werk, übte Kritik an den Kürzungen. Betriebswirtschaftliche Risiken würden so auf die Beschäftigten abgewälzt und die Belegschaften gegeneinander ausgespielt. »Solche Sparpakete werden allen Beschäftigten in der Autoindustrie mit der jeweils gleichen Begründung abverlangt«, betonte Köbrich im jW-Gespräch. Eine weitere Arbeitsverdichtung sei nicht hinnehmbar. »Die Kollegen arbeiten schon jetzt an der Leistungsgrenze«, so der Gewerkschafter. Auch der Ausschluß betriebsbedingter Kündigungen beruhigt Köbrich nicht. »Die Erfahrung lehrt, daß in einer solchen Situation verstärkt personen- oder verhaltensbedingte Gründe für Entlassungen gesucht werden.«