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SiCKO: Profitmedizin auf amerikanisch

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Michael Moores neuer Film „SiCKO“ zeigt die brutale Realität des US-Gesundheitssystems


 

„SiCKO“ ist eine beißende Anklage der Gesundheitspolitik in den USA. Im reichsten Land der Welt können sich fast 50 Millionen Menschen keine Krankenversicherung leisten.

von Joseph Rothmaler, Berlin

Nach einer Studie des Institute of Medicine sterben in den USA jährlich rund 18.000 Menschen, weil sie keine Krankenversicherung haben.

Der Film beginnt mit den schockierenden Bildern des jungen Arbeitslosen Adam, der sich mit Nadel und Faden eine offene Wunde am Knie zunäht, da er den Gang zum Arzt nicht bezahlen kann.

Geschäfte mit der Gesundheit…

Doch Moores Dokumentation zeigt nicht nur Menschen wie Adam, sondern gibt Beispiele für die 250 Millionen US-AmerikanerInnen, denen trotz Krankenversicherung die Gesundheitsversorgung verwehrt wird, die sie benötigen.

Wie jeden anderen Lebensbereich im Kapitalismus machen die Herrschenden auch die Gesundheit zu einer Ware. Obwohl das US-Gesundheitssystem das teuerste der Welt ist – mit doppelt so hohen Ausgaben wie in den anderen hoch entwickelten Ländern – haben die Wenigsten Zugang zu ordentlicher Gesundheitsversorgung.

Private Firmen wie Kaiser Permanente (Jahresumsatz 2006: 34,4 Milliarden Dollar) ziehen Versicherten hohe Beiträge aus der Tasche und tun alles dafür, diese in größtmögliche Profite umzumünzen, statt den Menschen in ihrer Not zu helfen. Ehemalige MitarbeiterInnen schildern im Film peinlich berührt, wie sie Kranken die Bezahlung für Gesundheitsdienstleistungen oder jegliche Versicherung verweigern mussten und bei besonderem „Erfolg“ einen Bonus einstrichen.

… und verstaatlichte Medizin

„SiCKO“ enthüllt die Profitinteressen hinter der Angstkampagne von Gesundheitskonzernen und Politikern gegen eine verstaatlichte Medizin.

Der US-Klassenmedizin werden die Gesundheitssysteme in Kanada, Europa und Kuba gegenübergestellt. Neben der Kubanischen Revolution erkämpfte auch die Arbeiterbewegung in Kanada oder in europäischen Ländern früher eine öffentliche Gesundheitsversorgung. Leider vergisst Moore dabei zu erwähnen, dass diese Errungenschaften durch Privatisierungen und Kürzungen von den kapitalistischen Regierungen verstärkt angegriffen werden.

Zwar offenbart Moore die Kontrolle der Gesundheitskonzerne über die politische Klasse. Allein Hillary Clinton erhielt bis jetzt im Präsidentschaftswahlkampf 850.000 Dollar Spenden aus der Gesundheitsindustrie. Allerdings zieht Moore daraus nicht die notwendige Schlussfolgerung, dass eine neue Partei aufgebaut werden muss, die im Interesse der arbeitenden Bevölkerung für eine öffentliche Gesundheitsversorgung kämpft.

Moore zeigt Bilder von Massenprotesten in Frankreich. Damit erklärt er die Errungenschaften im französischen Gesundheitswesen. Das verdeutlicht darüber hinaus die Notwendigkeit und Möglichkeit von Massenbewegungen der Arbeiterklasse, um die ehemals erkämpften Reformen zu verteidigen und zu verbessern. Zudem weist er damit darauf hin, was in den USA nötig ist, um ein kostenloses öffentliches Gesundheitswesen zu erreichen.

Trotz politischer Schwächen ist „SiCKO“ eine erfrischende Alternative zur Masse der sinnentleerten Hollywood-Schinken, sehenswert und eine Grundlage für Diskussionen über die Perspektiven des Gesundheitswesens.