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Solidarität mit den Streikenden bei der Bahn!

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Unterstützungsflugblatt der SAV: "Wir unterstützen Euren Kampf für höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten voll und ganz."

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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir unterstützen Euren Kampf für höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten voll und ganz. Mehdorn verkündet monatlich neue Rekordgewinne der Deutschen Bahn und hat selbst im Jahr 2006 etwa 2,185 Mio Euro aus seiner Vorstandstätigkeit bezogen. Umgerechnet also rund 8.800 Euro pro Tag! Ein Witz, wenn er Euch erzählt, Eure Forderungen seien zu hoch.

Er musste in den letzten Jahren auch keine Reallohnverluste hinnehmen, so wie die meisten abhängig Beschäftigten, sei es bei der Bahn oder anderswo. Daher ist ein Kampf für eine spürbare Lohnerhöhung, wie Ihr ihn führt, für alle Beschäftigten ein Fortschritt.

Es hat sich gezeigt, dass das Bahn-Management das Schlichtungsverfahren allein dazu nutzen wollte, Zeit zu gewinnen. Mehdorn will auf Teufel komm raus die Kosten senken. Dahinter steht das Interesse, die Bahn zu privatisieren.

Anstatt zum Wohl der Allgemeinheit soll die Bahn als Profitquelle dienen. Daher wird Eurem Kampf für bessere Löhne mit aller Härte begegnet. Nach einer Privatisierung sind sowohl die Beschäftigten der Bahn als auch die Millionen von Bahnreisenden die Verlierer.

Euer Streik bietet jetzt – auch vor dem Hintergrund der Verschiebung der Entscheidung – eine enorme Chance, den Privatisierungsplänen der Bundesregierung einen Strich durch die Rechnung zu machen. Die Mehrheit in der Bevölkerung, zwei Drittel, lehnen die Bahnprivatisierung ab. Wir schlagen Euch und der GDL-Führung vor: verbindet den Kampf für Löhnerhöhungen mit dem Kampf gegen die Privatisierung.

Die Führer der anderen Bahngewerkschaften werfen Euch Spaltung vor. In Wirklichkeit sind sie durch Euer Beispiel unter Druck geraten, denn die meisten anderen Beschäftigten bei der Bahn wünschen sich eine kämpferische Politik ihrer Gewerkschaft anstatt Co-Management. Jetzt hetzen Norbert Hansen und Klaus Dieter Hommel gegen Euch und fordern ihre Mitglieder nicht zu Solidarität auf. Das macht es umso dringlicher, mit den KollegInnen zu reden und ihnen aufzuzeigen, dass Eurer Erfolg auch ein Erfolg für sie ist. Eure Forderung nach mehr Lohn ist absolut berechtigt.

Viele Mitglieder von Transnet und GDBA sind unzufrieden mit den Abschlüssen der letzten Jahre. Es wird behauptet, der aktuelle Abschluss würde zu einer Lohnerhöhung von 4,5 Prozent führen. In Wirklichkeit kommt es nur zu einer Erhöhung von ca. 2,7 Prozent pro Jahr, denn die Laufzeit beträgt 19 Monate.

Gemessen an den Reallohnverlusten der letzten Jahre und den Preissteigerungen bleibt also nichts mehr übrig. Das „Angebot“ der Arbeitgeber an die GDL, längeren Arbeitszeiten zuzustimmen, und darüber die Löhne zu „steigern“ war ein Affront.

Es ist eine Lüge, dass höhere Löhne für Euch automatisch niedrigere Löhne für die anderen KollegInnen bei der Bahn bedeuten. Im Gegenteil – wenn endlich mit offensiven Forderungen und konsequent gekämpft wird, kann für alle mehr rausgeholt werden.

Manche befürchten, dass Euer „Alleingang“ die Spaltung der Belegschaft fördert. Doch die Verantwortung dafür, dass ihr alleine kämpft, liegt bei der Führung von Transnet und GDBA. Wenn Ihr ein besseres Ergebnis erkämpft, kann der von Transnet und GDBA abgeschlossene Tarifvertrag nachverhandelt werden. So steht es im Abschluss. Fordert auf dieser Basis die KollegInnen der anderen Bereiche auf, Euren Streik zu unterstützen, auch wenn die Transnet- und GDBA-Führung ihre Mitglieder auffordert, dies nicht zu tun.

Euer Erfolg kann die Voraussetzung schaffen, dass auch für die anderen KollegInnen noch mehr rausgeholt wird.

Macht den KollegInnen, klar, dass nicht Euer Streik, sondern die Co-Management-Politik ihrer Führung sowohl Spaltung der Belegschaft als auch Ausverkauf bedeutet.

Wenn Ihr Euren Streik durchzieht, könnt Ihr großen wirtschaftlichen Druck ausüben. Die Gegenseite wird alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen, um Euren Streik zu unterbinden oder zu schwächen. Ein Angriff auf das Streikrecht ist ein Angriff auf alle arbeitenden Menschen. Daher muss breite Solidarität organisiert werden, damit Ihr nicht alleine steht. Wir werden uns einsetzen, Eure Sache bekannt zu machen, der Hetze entgegenzutreten und praktische Solidarität zu organisieren.

Wir wünschen Euch Kraft und Mut, diese Auseinandersetzung erfolgreich durchzustehen – für die volle Durchsetzung Eurer Forderungen!