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Bundeswehr-Rekrutierung in Aachen abgebrochen

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Nach Protesten musste eine „Infoveranstaltung“ der Bundeswehr für BerufsanfängerInnen im Berufsinformationszentrum (BIZ) der Agentur für Arbeit in Aachen am 10. Mai abgebrochen werden.
 

von Marcus, Aachen

Die Bundeswehr versucht gezielt, die Verzweiflung vieler einen Arbeits- und Ausbildungsplatz suchender Jugendlicher auszunutzen, um BerufssoldatInnen zu werben. Die Agentur für Arbeit arbeitet schamlos mit der Bundeswehr zusammen, als ob sie ein Arbeitgeber wie jeder andere wäre und schafft Rekruten für Kriege im Interesse des Profits einer kleinen Minderheit herbei.

Doch es gab Gegenwehr! Mehr als 20 Linke und AntimilitaristInnen versammelten sich zum Protest vor dem BIZ. Wir von der SAV hatten Schilder dabei, die eine eindeutig antikapitalistische Stoßrichtung hatten (wie „Kein Mann, keine Frau und keinen Cent für die Kriege der Kapitals“, „Bundeswehr raus aus den Schulen und Arbeitsagenturen“, „Nein zu Kanonenfutter für die Profite der Kapitalisten“ und „Keine Auslandseinsätze der Bundeswehr“) und hoben uns damit auch vom kleinbürgerlich-pazifistischen Charakter des Protestes der anderen Linken ab.

Obwohl die „Infoveranstaltung“ in der Presse angekündigt war, fanden sich für die Veranstalter peinlicherweise nur drei Jugendliche, die erschienen. Wie sich im Laufe der Veranstaltung herausstellte waren es keine verzweifelten, sondern angehende AbiturientInnen, die nach einer Karriere in der Armee streben und voll und ganz hinter der Bundeswehr stehen.

Bei der eigentlichen Infoveranstaltung standen drei interessierte Jugendliche zehn Protestierenden gegenüber, die – in Anwesenheit der Polizei – kritische Fragen und Redebeitrage stellten. Der vortragende Offizier reagierte nicht besonders souverän und beendete die Veranstaltung vorzeitig.

Obwohl er mit seinem Vortrag nicht weit kam, konnte man an dem bis dahin gesagten deutlich sehen, wie die Bundeswehr rekrutiert und Jugendliche belügt. So wurde gleich am Anfang von den „internationalen Aufgaben“, sprich: Auslandseinsätzen gesprochen, die aber wie humanitäre Aktionen zu Gunsten von Hungernden und armen Menschen verkauft wurden. Man hätte da fast den Eindruck haben können, als handle es sich um Mitgliederwerbung für das Rote Kreuz, „Brot für die Welt“ oder eine andere Hilfsorganisation.

Auf Fragen nach der Militärdoktrin von NATO, Bundeswehr und EU, die Kriegseinsätze in aller Welt für Wirtschaftsinteressen vorsehen und sonstige politische Nachfragen reagierte der Offizier gereizt und verweigerte eine Antwort. Dies galt selbst für Nachfragen nach dem Umgang der Bundeswehr mit Verletzten und Traumatisierten, die aus Kampfeinsätzen zurückkommen.

Der anwesende Leiter des Hauses (der Arbeitsagentur) gestand sehr offen, dass er uns rausschmeissen will oder aber die Veranstaltung beenden will, weil die von uns und anderen Protestierenden gemachten Beiträge und Nachfragen „in eine andere Richtung lenken würden als es im Sinne des Vortragenden sei“. Im Klartext: Weil die Lügenpropaganda nicht hingenommen wurde und es Gegenreden gab.

Schließlich wurde die Rektrutierungsveranstaltung nach einer Stunde beendet, ohne dassder Offizier auch nur die Hälfte seines Vortrages hatte halten können.

Fazit: Es gelang uns, der Bundeswehr einen Strich durch die Rechnung zu machen. Die von der Agentur für Arbeit organisierte Rekrutierungsveranstaltung für neues Menschenmaterial für imperialistische Kriege in aller Welt musste vorzeitig beendet werden.

Also ein Erfolg für uns.