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Telekom: „Früher haben wir für drei Prozent mehr Lohn gestreikt, heute streiken wir ums Überleben“

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500 streikende Telekom-Beschäftigte aus Köln und dem Umland formierten sich am Freitag, 11. Mai zu einem Protestzug in die Innenstadt.
von Georg Kümmel, Köln
 

„Früher haben wir für drei Prozent mehr Lohn gestreikt, heute streiken wir ums Überleben“. So fasste ein Kollege den Ernst der Lage zusammen. Entsprechend groß war die Entschlossenheit. Das sehr gute Urabstimmungs-Ergebnis hatte erkennbar Mut gemacht. „Wir haben schon viel zu lange stillgehalten“, meinte ein Kollege.

Besonders empört war man über die Ankündigung der Telekom-Spitze, Streikbrechern 300 Euro pro Tag zu bezahlen. Und viele KollegInnen meinten, sie hätten keine Lust mehr, tagaus tagein die ganze Arbeit, auch für die übrigen privaten Anbieter, zu machen und obendrein noch beschimpft zu werden. Das ganze Chaos durch die Privatisierung hätten sie nicht verursacht, aber sie würden in der Öffentlichkeit für die Folgen verantwortlich gemacht. Aktuell sei außerdem viel zu wenig bekannt, dass sie für die Arbeitszeitverkürzung auf 34 Stunden, damals mit Lohnverzicht bezahlt hätten. Die jetzt geplante Arbeitszeitverlängerung und weiterer Lohnverlust seien der Gipfel.

Alle Streikenden waren dafür, dass alle gleichzeitig und gemeinsam streiken, statt einer „flexiblen“ Streiktaktik. Noch im Verlauf des Vormittags wurde durch die örtliche Streikleitung bekannt gegeben, dass man, anders als ursprünglich geplant, für die nächsten Tage alle Kolleginnen und Kollegen gemeinsam zur Arbeitsniederlegung aufrufen werde.

Die von SAV-Mitgliedern in die Diskussion gebrachte Forderung nach Re-Verstaatlichung der Telekom, fand allgemein Zustimmung, auch wenn sie von vielen für schwer durchsetzbar gehalten wurde. Anders sähe die Sache aus, wenn führende Gewerkschafter diese Forderung offensiv in der Öffentlichkeit vertreten würden. Wenn also die Spitzen von ver.di und DGB, Lothar Schröder, Frank Bsirske und Miachel Sommer, öffentlich erklären würden, dass die Privatisierung erkennbar nur den Großanlegern genutzt, den Beschäftigten und Verbrauchern aber geschadet hat und deshalb rückgängig gemacht werden müsste.

Die Streikenden in Köln gehen davon aus, dass ab Montag auch bundesweit alle betroffenen KollegInnen gleichzeitig zum Streik aufgerufen werden.