G8: Auf nach Rostock!

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SAV Kassel mobilisiert Azubis zu G8-Protesten
Was haben Auszubildende des Klinikums in Kassel mit den Staatschefs der größten Industrienationen in diesem Sommer zu tun?
von Nico Weinmann, Kassel
 

Die einen tagen während des G8-Gipfels von 18.000 Polizisten geschützt und mit Kameras und Bewegungsmeldern gesichert im Luxushotel Kempinski an der Ostseeküste in der Nähe von Rostock.

Aus dem Leben von Politikern

Die Staats- und Regierungschefs widmen sich im großen Stil der Frage, wie man die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zur Profitmaximierung verbessert, wie man am Besten die globalen Märkte dereguliert oder welche Länder man angreifen will, um sich auch in Zukunft Rohstoffe und Einflusssphären zu sichern. Dem allen versuchen sie dann einen sozialen und ökologischen Anstrich zu verleihen.

Aus dem Leben von Azubis

Kassel am 12. April 2007: Die Auszubildenden des Klinikums treffen sich zur Jugendversammlung in einem alten Hörsaal. Etwa hundert von ihnen kommen direkt vom Schul- oder Stationsdienst. Sie diskutieren über ihre Arbeitsbedingungen. Über die Belastungen, die für Krankenpflegeschüler entstehen, wenn man den starken Personalabbau kompensieren muss, unzumutbaren Schichtdienst erledigt, ausbildungsfremde Tätigkeiten ausübt und als Dank nach der Ausbildung nicht übernommen wird. Sie beschließen mit einer Flugblattaktion und durch das Tragen von Buttons während dem Dienst auf die Missstände aufmerksam zu machen – als Startschuss für weitere Aktivitäten.

Mitfahren, mitdemonstrieren

SAV-Mitglieder haben während und nach der Jugendversammlung dafür geworben, nach Rostock-Heiligendamm zu den Protesten gegen den G8-Gipfel zu fahren. Denn dort wird die Marschroute für eine Politik festgelegt, die die Azubis vor Ort konkret zu spüren bekommen.

Seit Jahren wird von den Politikern in Kassel die Privatisierungskeule geschwungen. Es wird beim Personal gekürzt und die Krankenpflegeschüler werden Jahr für Jahr nach der Ausbildung nicht übernommen. Deshalb wundert es kaum, dass auf der Versammlung nicht die Frage „ob“ man nach Heiligendamm fahren sollte, sondern „wie“ im Vordergrund stand. Zwölf Azubis haben sich schon auf der Sitzung selber bereit erklärt, während ihres Urlaubs mit der SAV nach Rostock zur Gegendemo zu fahren, weitere werden folgen.

Die Mobilisierung im Klinikum Kassel reiht sich ein in eine Vielzahl von Aktivitäten der SAV Kassel im Vorfeld des G8-Gipfels. Mit Veranstaltungen zum Thema Klimakatastrophe oder Jugendarmut, mit Infotischen in den Kasseler Stadtteilen, vor Schulen oder an der Uni wird für die Fahrt geworben. Am 12. Mai beteiligt sich die Kasseler SAV an einem dezentralen Aktionstag des Anti-G8-Bündnisses in Nordhessen.