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Schluss mit dem Killerspiel!

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Endlich. Es gibt jetzt eine Antwort auf die Frage, warum es Gewalt gibt. Eine Erklärung, die man immer wieder ausgraben kann, bevor Fragen aufkommen. Computerspiele. Oder besser, „Killerspiele“. Wenn wieder mal jemand durchdreht, dann helfen wochenlange Mediendebatten der Bevölkerung das Trauma zu verarbeiten. Mediendebatten über Killerspiele.
 

von Nima Sorouri, Köln

Frage: Wie können in unserer Gesellschaft solche irren Gestalten herangewachsen sein? Antwort: Killerspiele. Lösungsvorschlag: Killerspiele verbieten! Die gesellschaftlichen Verhältnisse in denen wir leben, durch die Armut und Perspektivlosigkeit immer mehr zu Massenphänomenen werden, die werden dabei nicht in Frage gestellt, sondern nur Killerspiele.

Jetzt kann man natürlich dem pädagogischen Sinn von Killerspielen durchaus kritisch gegenüberstehen. Aber reicht das denn aus, um sie als Universalantwort für Amokläufer hinzustellen?

Die Methode ist so alt, wie sie falsch ist. Man nimmt zwei gesellschaftliche Phänomene und stellt ein Verhältnis zwischen ihnen her. In diesem Fall: es gibt (möglicherweise) eine Zunahme von sinnloser Gewalt. Und in der selben Zeit ist die Zahl von verkauften Killerspielen gestiegen. Also hat da gefälligst auch ein Zusammenhang zu sein.

Wieso sprechen Medien und Politik nicht davon, dass in den letzten Jahren von den Herrschenden immer wieder Gewalt propagiert wurde. War es nicht ihr „Krieg gegen den Terror“, mit dem problemlos rechtfertigt werden konnte, dass man ein paar hunterttausend Araber wegballert. Ist nicht für Viele offensichtlich, dass es in Wirklichkeit um einen Krieg für Rohstoffe und geostrategische Interessen geht. Was ist der pädagogische Effekt davon, wenn die Eliten bereit sind massenhaft Menschen für Öl um die Ecke zu bringen? Hat das mal ein "Experte" untersucht? Wieso sind sich die Politiker da so sicher, dass es nicht eher dabei einen Zusammenhang gibt?

Die Bundeswehr bringt in Afghanistan Menschen um. Und die Politik problematisiert Killerspiele. Das größte Killerspiel ist die Killerintervention in Afghanistan. Vielleicht kommt die Bundeswehr dort bald ins 2. Level: Killer-Kampf im Süden. Mit bester 3D-Grafik. Realitätstreu.

Kapitalismus ist Gewalt

Aber Gewalt in dieser Welt ist überall. Denn Kapitalismus ist eine Gewaltherrschaft. Die Herrschaft einer kleinene Minderheit von Konzernbossen über die Masse der Weltbevölkerung. Der Kapitalismus hat der Masse jedoch nichts mehr zu bieten. Perspektivlosigkeit, Armut, Umweltzerstörung und neue Kriege nehmen zu.

Der „Abschiedsbrief“ des Sebastian B., der Amokläufer aus Emdetten, ist nicht durch die Medien gegangen. Stattdessen diese platte Debatte über Killerspiele. Dieser Brief hätte eine ganz andere Debatte ausgelöst: wie kann das Problem gelöst werden, dass es eine wachsende Schicht von perspektivlosen und sozial isolierten Jugendlichen gibt?

„Das einzige, was ich in der Schule gelernt habe, ist, dass ich ein Versager bin“, so in dem Brief von Sebastian B. Doch das ist bei Weitem nicht alles. Der ganze Brief ist eine einzige Klageschrift eines durch Isolation und Verzweifelung krank gewordenen Individuums. Eine Klage gegen eine Welt, die ihm und Millionen von Anderen die Hoffnungen und Erwartungen auf ein sinnvolles Leben erstickt.

Die Killerspiele werden in den Mittelpunkt der medialen Aufmerksamkeit gerückt, weil die bürgerlichen Propagandisten Erklärungen anbieten müssen, die diese Gesellschaftsordnung nicht in Frage stellen. Also saugt man sich was aus den Fingern. Dieses System kann immer weniger Menschen eine sinnvolle Perspektive bieten. Der Widerstand gegen die bestehenden Verhältnisse aber kann das.