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Fussball: „Prävention statt Repression"

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Interview mit Wilko Zicht vom Bündnis aktiver Fußball-Fans (BAFF)
 

Gewalt und Ausschreitungen in den deutschen Stadien, Krisengipfel des Deutschen Fußballbundes (DFB) und Bildung einer so genannten Task Force von DFB und Deutscher Fußball Liga (DFL). Was sagt das Bündnis aktiver Fußball-Fans dazu?

Wie so häufig wird die plötzliche Vehemenz, mit der sich die Medien der-zeit auf dieses Thema stürzen, dem tatsächlichen Ausmaß des Problems nicht gerecht. Wir sind weit entfernt von den Verhältnissen Anfang der neunziger Jahre, als Hooligans in deutschen Stadien allgegenwärtig waren. Mittlerweile werden die meisten Fankurven von den so genannten Ultras geprägt, deren Gewaltbereitschaft sich in der Regel darin erschöpft, dass gegnerischen Fans mal ein Schal oder eine Fahne entrissen wird. Allerdings ist bei vielen Ultras in letzter Zeit eine zunehmende Gewaltfaszination zu beobachten, die durchaus Sorge macht. Wirklich akut ist die Situation aber nur bei einigen Traditionsvereinen mit großer Fanszene, die ihr Dasein nun in unteren Ligen fristen müssen. Solche Klubs sind zwar vor allem im Osten anzutreffen, dennoch ist es kein reines Ost-Problem. Denn bei Westklubs in ähnlicher Situation, wie zum Beispiel Waldhof Mannheim, schaut es nicht viel besser aus. Es besteht aber kein Anlass, in Panik zu verfallen und aus Angst vor Ausschreitungen dem Stadion fernzubleiben. Diese Zeiten sind vorbei.

Aber ebenso wie Rassismus gibt es ja das Problem von Gewalt in den Stadien. Welche Vorschläge hat BAFF zur Lösung?

Auf keinen Fall sollte man dem Irrtum verfallen, das Problem ließe sich durch noch mehr Polizei und noch mehr Stadionverbote lösen. Schon jetzt sind die Sicherheitsmaßnahmen häufig unverhältnismäßig und treffen oft die Falschen. Die Wut in den Fan-Szenen hierüber lähmt zudem die Selbstregulierung der Fans, weil die Schuld für eigenes Fehlverhalten allzu leicht auf die übertriebene Repression geschoben wird. Der Schlüssel zur Lösung ist aber gerade die Stärkung der selbst regulierenden Kräfte innerhalb der Fan-Szenen. Hierbei leisten die sozialpädagogisch arbeitenden Fan-Projekte in vielen Städten seit Jahren hervorragende Arbeit.

Ziehen die Verantwortlichen in Politik und Vereinen aus dieser Erkenntnis die richtigen Schlussfolgerungen?

Bezeichnender Weise fehlt es bisher ausgerechnet den Fan-Projekten in einigen Problemstädten an Finanzmitteln und Ausstattung. Mit dem Geld, das bei manch einem einzelnen Spiel für den Polizeieinsatz ausgegeben wird, könnte man ein Fan-Projekt ein ganzes Jahr lang finanzieren. Hier sollten die Verantwortlichen also dringend umdenken und die Priorität auf Prävention statt auf Repression setzen.

BAFF ist ein seit 1993 vereinsübergreifender Zusammenschluss verschiedener Faninstitutionen und Teil des europäischen Netzwerks FARE (Football Against Racism in Europe). BAFF sieht sich als Teil der Fanbewegung und setzt sich für den Erhalt der Fankultur in Deutschland ein. Das Bündnis arbeitet unter anderem gegen Rassismus sowie die Kommerzialisierung des Fußballs.

Das Interview führte Björn Brünjes aus Bremen.