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"Schülerrevolution – Wir fordern Gleichberechtigung !!!"

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So die Aussage eines Flugblatts zweier Berliner Gymnasien im Prenzlauer Berg. Über 300 Schülerinnen und Schüler gingen dafür am Dienstag 22.November auf die Straße.
 

Anlässlich der geplanten Schulzusammenlegung des Pasteur- und des Camille-Claudel-Gymnasiums in Berlin – Prenzlauer Berg, soll die Schulleitung des Pasteurs keine Vertretung mehr in der fusionierten Schule finden. Damit sind verschiedene außerschulische Projekte, ein Schülerclub, sowie die demokratische Einbeziehung der Schülervertretungen gefährdet.

In Berlin – Prenzlauer Berg werden insgesamt sechs Schulen zu dreien zusammengelegt, da die Schülerzahlen zurückgegangen sind. Statt das für sinkende Klassenfrequenzen zu nutzen, sollen durch die Fusionen Verwaltungs- und Lehrerstellen abgebaut werden. Die Klassenfrequenz wird sogar noch erhöht.

Proteste

Die Schülerinnen, Schüler, Elternvertretungen und LehrerInnen organisieren seit zwei Jahren Proteste gegen Bildungskürzungen in Berlin und Prenzlauer Berg. Als die Schulzusammenlegung vor zwei Jahren bekannt gegeben wurde protestierten sie schon einmal mit einem eintägigen Streik, mit dem sie sich der damaligen Studierendenbewegung anschlossen und sie unterstützten. Sie führten an dem Tag eine Demo und alternativen Unterricht durch. Gefolgt wurde der Streik drei Monate später von einem Aktionstag, an dem sich mehrere berliner Schulen beteiligten. Es gab einen Sternmarsch aus ganz Berlin und ein Open Air-Konzert.

Aktionswoche

Zehn Tage vor der Demo am Dienstag wurde die einseitige Zusammensetzung der fusionierenden Schulen bekannt gegeben. „Wir haben versucht zu reden und wir werden nicht angehört.“(eine Organisatorin). AktivistInnen innerhalb und außerhalb Schülervertretung diskutierten daraufhin einen erneuten Streik der Schulen.

Am nächsten Schultag gab es Kundgebungen auf den Schulhöfen, wo über die Lage informiert wurde. Über 90 % der SchülerInnen an beiden Schulen stimmten für einen Streik. Einige Lehrer drohten daraufhin mit sechsen und Fehlstunden. Ergebnis war eine Protestwoche mit alternativem Unterricht durch die Schüler, Protestnachmittagen vor dem Bezirksamt und Pausenaktionen. Es gab außerdem ein Protestkonzert auf dem Schulhof und es wurden Luftballons für jedes gegebene Versprechen platzen lassen. Für Unterstützung wurde mit Unterschriftenlisten geworben. Getragen wurde die Woche von einem Aktionskomitee das größtenteils SchülerInnnen der Schülervertretung umfasste.

Demonstration

Höhepunkt der Proteste wurde eine Demonstration am Dienstag 22.11. An ihr beteiligten sich über 300 SchülerInnen von fünf Schulen.

Es wurde außerdem versucht Studierende in den Protest mit einzubeziehen. Die Demo, die innerhalb von wenigen Tagen auf die Beine gestellt wurde, war ein voller Erfolg. Sie zogen vor das rote Rathaus, wo sie mit viel Krach und eigenen Transparenten auf sich aufmerksam machten. In Reden wurde betont, dass sie kein Einzelfall sind, sondern, dass Bildungsabbau überall in Berlin praktiziert wird, so zum Beispiel die Überlegung Sarrazins (Berliner Finanzminister) ab 2008 Studiengebühren einzuführen. „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut!“ war der lautstarke Slogan der Demo. Mit Flugblättern und einem Protestbrief an den Bildungssenator, der von der Demo verabschiedet wurde, wurden die Forderungen an den rot-roten Senat gewandt.

Joseph Rothmaler (Organisator und Aktivist an der Camille Claudel, Mitglied bei SAV und WASG): „Den Schülern muss bewusst gemacht werden, was Kürzungen bedeuten und wir müssen die Vernetzung mit anderen Betroffenen hinbekommen.“

Ausblick

Im Moment wird die Reaktion auf die Proteste abgewartet, bevor man weitere Schritte plant. Bis dahin soll eine Broschüre mit allen Pressemitteilungen, Flugblättern und Artikeln über die Proteste erscheinen. Eine Kampagne soll versuchen noch mehr Schüler über Bildungskürzungen aufzuklären, um zukünftig gestärkter dagegen vorgehen zu können. Außerdem wird über eine Diskussionsveranstaltung mit Parteienvertretern nachgedacht, nachdem Unterstützungsanfragen von SPD und Linkspartei.PDS unbeantwortet blieben. WASG-Mitglieder unterstützen solidarisch den Protest der SchülerInnen.

Weitere Informationen unter www.wirprotestieren.de.tk