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VW Tarifabschluss 2004

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Gürtel enger schnallen und um den Arbeitsplatz bangen!

Flugblatt der SAV vom 7.11.04
 
Arbeitgeber und die IG Metall-Spitzen gaben dem neuen Tarifvertrag den Namen: „Zukunftstarifvertrag“. Wenn man ihn sich allerdings anschaut, wird einem Bange um die Zukunft. Arbeitsplätze sollten gesichert werden und ein Einkommen, mit dem man auskommen kann, sollte herausspringen. In beiden Punkten kapitulierte die IG-Metall-Spitze. Die Manager jedenfalls freuen sich. Sie sind ihrem Ziel, bis 2011 30 Prozent der Personalkosten zu kürzen, näher gekommen.

Keine Arbeitsplatzsicherung

Laut Tarifvertrag soll es bis 2011 keine „betriebsbedingten Kündigungen“ geben. Heißt das, dass jeder Arbeitsplatz bei VW sicher ist? Nein! Die aktuelle Zahl von 103.000 VW-Arbeitsplätzen ist laut Vertrag nur eine „Zielgröße“. Das ist ein Schlupfloch für das Unternehmen! Der Vertrag enthält außerdem eine „Revisionsklausel“. Bei „Änderung der Grundannahmen oder der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“ kann der Konzern sämtliche Absprachen aufkündigen. Wenn es hart auf hart kommt, kann das Unternehmen also heuern und feuern, wie es will. Bei Auszubildenden und Neueinstellungen wird abkassiert
Azubis und künftige VW-Arbeiter sind die größten Verlierer. Die Löhne für Neueinstellungen wurden drastisch gesenkt. Auch Auszubildende bekommen in Zukunft weniger. Damit wurde nicht nur einer drastischen Lohnkürzung zugestimmt, sondern auch einer massiven Spaltung der Belegschaft! Arbeitgeber können so noch besser KollegInnen gegeneinander ausspielen.

Nullrunde = Lohnkürzung

Schon früh war für die Verhandlungsführer der IGM die Forderung von vier Prozent Lohnerhöhung vom Tisch. Jetzt einigte man sich auf eine Nullrunde. Im Klartext heißt das Lohnverlust! Viele KollegInnen werden merken, dass sie nach der „Nullrunde“ den Gürtel enger schnallen müssen. Alles wird schließlich teurer (Arztbesuche, Miete, Benzin, Inflation usw.). Das bedeutet: Weniger Geld für die gleiche Arbeit!

Lohnverzicht rettet keine Arbeitsplätze

Die Logik: Wenn ich auf Lohn verzichte, rette ich meinen Arbeitsplatz, ist falsch! Die sogenannte Flexibilisierung wird bei VW von Tarifrunde zu Tarifrunde immer mehr verstärkt. Das läuft darauf hinaus, dass für die gleiche Arbeit weniger Leute gebraucht werden. Stattdessen muss ein Kampf darum geführt werden, dass die Arbeitszeit bei vollem Lohn- und
Personalausgleich verkürzt wird und die vorhandene Arbeit auf alle aufgeteilt wird. Natürlich muss man dazu an die Profite des Konzerns, aber nur so lassen sich die Arbeitsplätze sichern!

Arbeitsplatzsicherung á la Daimler?
Auch bei DaimlerChrysler wurde den KollegInnen dieses Jahr erzählt, ihre Arbeitsplätze seien bis 2011 sicher. In Wirklichkeit steht in der Betriebsvereinbarung, dass es statt betriebsbedingter Kündigungen „betriebsbedingte Änderungskündigungen“ geben kann. Bei
Personalüberhang erklärt Daimler die Absicht, „sozialverträglich“ zu feuern, solange das möglich ist. Einen sicheren Arbeitsplatz haben die KollegInnen bei Daimler also nicht, trotz versprochener „Zukunftssicherung“!

Eine vertane Chance für die IG Metall!

Die IG-Metall-Spitzen gingen einer Kraftprobe mit den Unternehmern immer aus dem Weg. Während zu Beginn der Verhandlungen die vier Prozent noch im Vordergrund standen, kam kurz danach der Kniefall vor den Unternehmern. Aus vier wurden zwei, dann einer und jetzt null Prozent!!
Wo wurden diese Forderungen beschlossen? Warum wurden über die Köpfe der KollegInnen hinweg die beschlossenen Forderungen immer weiter reguziert?
Jetzt gilt es, Tarifverhandlung und Ergebnis gemeinsam auszuwerten. Auf einer IG-Metall Mitgliederversammlung sollten die IGM Verhandlungsführer Rede und Antwort stehen!

Kampfkraft nicht genutzt!

Die Arbeitgeber haben auch bei VW eine härtere Gangart eingeschlagen. Sie waren es, die an die VW-Belegschaft eine offene Kampfansage gerichtet haben. Die blieb allerdings von der IG Metall unbeantwortet.
Die Warnstreiks wurden laut Streikaufruf für ein „vernünftiges Ergebnis am Verhandlungstisch“ geführt. Es gab nie die Chance, für Forderungen auf die Straße zu gehen, für die es sich zu kämpfen lohnt! Der Tarifvertrag 2004 kommt einer kampflosen Kapitulation gleich! Und das bei hervorragender Warnstreik-Beteiligung und einem gewerkschaftlichen Organisationsgrad von 97 Prozent.

Spirale nach unten stoppen!


Die Konzernchefs hingegen gehen geballt vor. Sie schüren die Propaganda, dass der „Standort Deutschland“ nur duch Lohnverzicht, mehr Flexibilisierung und Arbeitszeitverlängerung zu sichern sei. In Wirklichkeit vollen sie ihre Profite auf dem Rücken der Beschäftigten noch weiter erhöhen. Sie nehmen sich einen Konzern nach dem anderen vor – zuerst Siemens, dann Daimler, Opel, VW und bald Porsche und Ford. Die IG Metall hat die Chance verstreichen lassen, einen gemeinsamen Streik der MetallerInnen gegen die Unternehmeroffensive zu führen! Der hätte die Grundlage für eine erfolgreiche VW-Tarifrunde geliefert!

Ein grundlegender Kurswechsel ist nötig. Wir brauchen starke Gewerkschaften. Dafür müssen sich kämpferische KollegInnen zusammen schließen. Eine organisierte Opposition in den Gewerkschaften, eine inhaltliche und personelle Alternative ist nötig, um die Interessen der Beschäftigten zu verteidigen und den gewerkschaftlichen Niedergang zu stoppen.