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Mit Extra-Käse…

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Von der Hauptschule zum Bildungs-Burger
 
Dass die Ausbildungsplatzlage miserabel ist, erkennt man nicht nur an vielen verzweifelten Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz, sondern auch an den verzweifelten Versuchen der Unternehmen, die schlechte Situation der Jugendlichen als gar nicht so übel zu präsentieren.

Roman Wolf, Personalchef bei McDonald’s, kann sie nicht verstehen, die ganze Aufregung um fehlende Ausbildungsplätze und eine Ausbildungsplatzabgabe. Die Idee der Abgabe ist es, dass Unternehmen die zu wenig ausbilden, eine Abgabe zahlen, damit davon Ausbildungsplätze geschaffen werden können.

Dabei ist diese Abgabe, so wie die SPD sie plant, kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Viele Sonderregelungen bieten den Unternehmen Schlupflöcher, während gleichzeitig ständig auf „notwendige Flexibilität“ der Jugendlichen hingewiesen wird. So wird uns das Recht genommen, einen Ausbildungsplatz frei zu wählen und im Wunschberuf zu arbeiten. Im schlimmsten Fall müssen Jugendliche sogar ans andere Ende der Republik umziehen, um dort einen Azubi-Platz anzunehmen, den sie eigentlich gar nicht wollen.

Zurück zu Roman Wolf. Dieser lädt sich Berliner Hauptschüler der 8.Klasse während der Schulzeit in seinen McDonald’s Bus ein, um sie per DVD über die Vorzüge einer Ausbildung bei McDonald’s als „Fachmann/frau für Systemgastronomie“ aufzuklären. Auf der DVD geht es um „internationale Perspektiven“, eine „Ausbildung mit Zukunft“, den American Dream (vom Friteusenfacharbeiter zum Millionär) und die großen Errungenschaften von McDonald’s in puncto Umweltschutz und „gesellschaftliche Verantwortung“. Mit seinem Bus tourt Herr Wolf durch 30 deutsche Städte, um Werbung gegen die Ausbildungsplatzabgabe zu machen (McDonald’s hat 47‘000 Mitarbeiter und nur 920 Azubis), das angeschlagene Image von McDonald’s aufzupolieren und den stagnierenden Umsatz des Konzerns in Gang zu bringen. Aller Kritik weicht Herr Wolf elegant aus: „McDonald’s ist nicht das Problem, sondern Teil der Lösung.“

Ganz anders sehen werden dies die Jugendlichen, die weiterhin keinen Ausbildungsplatz bekommen haben oder einen bei McDonald’s annehmen müssen, einem Unternehmen, welches niedrige Löhne zahlt und einen geringen Prozentsatz an Gewerkschaftsmitgliedern und Betriebsräten hat. Eben keine „Ausbildung mit Zukunft“.
Doch leider ist die Logik „lieber einen schlechten Ausbildungsplatz als gar keinen“ im Kapitalismus folgerichtig. Dieses System ist nicht in der Lage, jedem Jugendlichen einen vernünftigen Ausbildungsplatz zur Verfügung zu stellen. Deshalb setzten wir uns für eine Welt ein, die nicht nach Profitinteressen ausgerichtet ist, sondern nach den Bedürfnissen der Menschen. Doch bis es soweit ist, werden weiterhin Unternehmer aus der schlechten Situation der Jugendlichen Kapital schlagen. Und bei einer Portion „saftiger Burger und goldgelber Pommes Frites“ [McDonald’s Werbe-DVD] sind doch die Zukunftsängste schon so gut wie vergessen…

von Immo Schott, Kassel