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Zum Kopftuchverbot

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Ein Schritt in Richtung Befreiung der Frau?
 
Alice Schwarzer bezeichnet das muslimische Kopftuch als die „Flagge des islamischen Kreuzzuges” und kritisiert die in Deutschland „grassierende Pseudotoleranz”, die vor allen unter „Liberalen und Linken” verbreitet sei. SozialistInnen sind die stärksten GegnerInnen von Frauenunterdrückung, aber es wäre zu einfach, das Kopftuch einzig und allein als Mittel der Frauenunterdrückung zu sehen.
Viele, insbesondere junge muslimische Frauen entscheiden sich heute das Kopftuch zu tragen, weil sie es sowohl als Identifikationssymbol, als auch als ein Mittel sehen, sich abzugrenzen von einer Gesellschaft, die sexistisch und rassistisch ist.
Seit den schrecklichen Terroranschlägen vom 11. September gibt es Bestrebungen, die gesamte muslimische / arabische Gemeinschaft als potenzielle Terroristen abzustempeln.
Das Kopftuch ist für viele Frauen eine Gegenreaktion darauf, mit der sie sich von dieser Gesellschaft und ihren rassistischen Auswüchsen abgrenzen wollen.
Unbestritten gibt es auch viele Frauen und Mädchen, die durch ihre Familien gezwungen werden, das Kopftuch zu tragen. Die Frage ist jedoch, ob sich die Situation dieser Frauen und Mädchen verbessert, wenn sie das Kopftuch, (wie es die französische Regierung vorsieht), in der Schule nicht mehr tragen dürfen.
Die französische Schwesterorganisation der SAV, Gauche Revolutionnaire, argumentiert korrekterweise, dass tendenziell eher das Gegenteil der Fall sein wird. Die Reaktion in traditionellen, konservativen und reaktionären muslimischen Familien würde sein, die Mädchen aus öffentlichen Schulen zu nehmen und sie auf islamische Privatschulen zu schicken, oder ihnen gar keine Erziehung zuteil werden zu lassen.
Beides wäre eine Verschlechterung und würde diese Frauen und Mädchen weiter isolieren, entfremden und möglicherweise den islamischen Fundamentalisten in die Arme treiben. Wir wollen das Recht für diese Frauen, frei zu entscheiden, ob sie das Kopftuch tragen wollen oder nicht und sie ermutigen, für ihre Rechte einzustehen.
Um die Frauen zu unterstützen, die das Kopftuch nicht tragen wollen und dazu gezwungen werden, ist es notwendig, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, die es Frauen ermöglichen, ein eigenständiges Leben zu führen.
Dazu ist es notwendig, einen gemeinsamen Kampf gegen Sozialkahlschlag und die Schließung von Fraueneinrichtungen zu führen. Dieser Kampf muss verbunden werden mit dem Recht auf vernünftige und gut bezahlte Arbeit für jeden und jede.

von Tanja Niemeier, London