Kämpfen lohnt

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Proteste bei Mahle und Tarifverhandlungen bei der Lufthansa
 
Proteste bei Mahle

Tausend ArbeiterInnen und Angestellte aus allen inländischen Werken des Mahle-Konzerns sind anlässlich einer Aufsichtsratssitzung zur Einweihung eines neuen Verwaltungsgebäudes vor die Konzern-Zentrale gezogen. Seit dem Streik für die 35-Stunden-Woche in den 80er Jahren hat es bei Mahle eine solche konzernweite Aktion nicht mehr gegeben. Von den 8.800 Stellen sind 900 bedroht. Ein Teil der Fertigung soll nach Polen verlagert werden. Ganze Bereiche sollen ausgegründet werden. Mit den Gewinnen werden andere Autozulieferer aufgekauft und in neue Werke zur Produktionsverlagerung investiert.

Das erregt den Zorn der Belegschaft. „Globalisierung Mahle – Firmenzukäufe weltweit von unseren Gewinnen – Jetzt haben wir ausgedient und können gehen.“ oder „Erst haben wir uns den Arsch aufgerissen, jetzt werden wir rausgeschmissen“, so die Aufschrift auf Plakaten. IG-Metall-Vertrauensleute verteilten Aufkleber mit der Aufschrift: „Wir lassen uns nicht verkaufen“. Nach einem kurzen Demo-Zug im Industriegebiet gab es eine Protestkundgebung vor dem Eingang des Gebäudes in dem die Aufsichtsratssitzung hinter verschlossenen Türen stattfand.

„Wir bauen Kolben – was baut Ihr? Scheiße!“ Mit diesem Sprechchor wurde der Unmut gegen die Herren im Aufsichtsrat zum Ausdruck gebracht. Nach zwei Stunden konnten die ArbeitnehmervertreterInnen aus dem Aufsichtsrat berichten, dass die Geschäftsleitung zu Verhandlungen bereit wäre.

Neun Prozent bei Lufthansa

Zeitgleich mit der drei-plus-x-Forderung im öffentlichen Dienst beschloss die ver.di-Führung für die Beschäftigten der Lufthansa die Forderung nach einer neun-prozentigen Lohnerhöhung. Wegen zusätzlicher Forderungen, die ebenfalls aufgestellt werden, gibt die Lufthansa das Gesamtvolumen der Tarifforderung sogar mit zehn Prozent an.

Ein Versuch der ver.di-Führung, die Forderung nach mehr Lohn ähnlich wie im öffentlichen Dienst herunterzuschrauben, hätte hier das Fass zum Überlaufen gebracht und zu massenweisen Austritten beziehungsweise bei den Fluglotsen zu Übertritten zu der Fluglotsenorganisation UFO geführt.

Das gibt die ver.di-Spitze offen zu, indem sie in der Mitgliederzeitung vom November kommentarlos einen Artikel aus der Süddeutschen Zeitung zitiert, in dem es heißt: „Denn zwischen ver.di und dem um Gewerkschaftsstatus ringenden Verband der Fluglotsen tobt ein Machtkampf um Mitglieder. Dass eine solche Konstellation die Forderung treibt, liegt auf der Hand.“

In einer eigenen Erklärung von ver.di vom 28. Oktober heißt es zu der neun-Prozent-Forderung, „dass mit dieser Forderung die Gerechtigkeitslücken geschlossen würden, die durch die Tarifverhandlungen im vergangenen Jahr für die Beschäftigten am Boden und in der Kabine entstanden seien.“

Im Klartext heißt das, dass der Pilotenstreik im letzten Jahr den ver.di-Mitgliedern geholfen hat sich mit einer hohen Forderung gegenüber der eigenen Führung durchzusetzen. Die Lufthansa-Piloten hatten im vergangenen Jahr bei einer Ausgangsforderung von 35 Prozent eine Gehaltserhöhung von fast 30 Prozent erkämpft. Das hatte nicht nur den übrigen Lufthansa-Beschäftigten gezeigt: wer kämpft kann gewinnen.

Die ver.di-Führung hat seither zumindest vorübergehend bei der Lufthansa keine Chance mehr die Forderungen der ver.di-Mitglieder auf ihre angeblich „realistische“ Linie zurückzuschrauben.