Profite und Konkurrenz behindern den Kampf gegen Aids

In den nächsten zehn Jahren wird Aids in Schwarzafrika mehr Menschen töten als alle Kriege des 20. Jahrhunderts zusammen. Dies könnte durch billige Medikamente und Aufklärung in der Bevölkerung verhindert werden.

von Immo Schott, Kassel

 
Die Epidemie befindet sich noch im Anfangsstadium. Bisher hat Aids weltweit 22 Millionen Menschen getötet, weitere 36 Millionen sind infiziert oder aidskrank.
Am schlimmsten betroffen ist der afrikanische Kontinent. Dort sterben täglich 6.000 Menschen an Aids, es gibt 11.000 Neu-Infizierungen pro Tag. Allein in Südafrika sind über zehn Prozent der Bevölkerung laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) HIV-positiv. Am meisten zu leiden haben Kinder und junge Frauen. Laut einer Regierungsstudie sind 24,5 Prozent aller entbindenden Mütter in Südafrika HIV-positiv.

Aids und Armut

Das weitere Anwachsen der Epidemie steht im Zusammenhang mit Armut und Ausbeutung durch westliche Konzerne. Besonders in Ländern wie Sambia, wo über 60 Prozent der Bevölkerung von unter 1 Dollar am Tag leben und die Ausgaben für Gesundheit pro Person im Jahr nur ganze 6,50 Dollar betragen, kann der Virus sich rasch ausbreiten.
Den Menschen fehlen die Mittel, um effektiv gegen Aids vorzugehen. Präparate, welche laut wissenschaftlichen Ergebnissen den Ausbruch von Aids verzögern oder sogar verhindern könnten, kosten zwischen 300 und 400 Dollar, ungefähr soviel wie das Jahresgehalt eines Arbeiters in der sogenannten „3.Welt“. Auch für Aufklärung von staatlicher Seite ist kein Geld vorhanden. Die Kassen sind leer, das meiste Geld wird zur Schuldentilgung benutzt. Doch gerade durch öffentliche Präventions-Kampagnen, wie zum Beispiel das kostenlose Verteilen von Kondomen, könnte der Virus eingedämmt werden. Genau dies wird jedoch nicht geschehen, solange die Profite weiter die Politik bestimmen.

Wirkstoffgleiche Medikamente

„Obwohl es abgesicherte völkerrechtliche Möglichkeiten für arme Länder gibt, Generika [wirkstoffgleiche Medikamente] ohne Lizenzgebühren herzustellen, haben sich die meisten Länder dem Druck der Industrienationen beugen müssen und auf diese Möglichkeit verzichtet“, erläutert Dr. Uli Markus vom Berliner Robert-Koch-Institut. So musste Südafrika Ende des vergangenen Jahres nach Klage- und Boykottdrohungen von 40 führenden Pharmafirmen und einigen westlichen Regierungen einen entsprechenden Passus in seinem Gesundheitsgesetz streichen.
Die Großkonzerne besitzen international gültige Patentrechte auf die Medikamente, die zur Bekämpfung von Aids notwendig wären. In kapitalistischer Profitlogik denkend, verzichten sie auf die Rettung von Millionen von Menschenleben und bestehen auf der Zahlung der horrenden Preise.
Die Forschung im Bereich der Impfstoffe war bisher minimal. Es ist bei weitem lukrativer, Medikamente zu produzieren, die täglich eingenommen werden müssen, um einen ständigen Fluss der Profite zu sichern. So kam es, dass bis Ende 2001 nur 700.000 Menschen weltweit eine HIV-Behandlung erhielten, nur 200.000 davon aus den sogenannten 3.-Welt-Ländern.
Aussagen korrupter Politiker, wie des südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki, streuen nur noch Salz in die Wunden: Noch immer verhindert Mbeki eine wirksame Aids-Bekämpfung und behauptet, im Interesse der Kapitalisten, dass manche Medikamente, wie zum Beispiel Nevirapin, für die Anwendung zu giftig seien. Dabei könnte dieses Mittel bei rund der Hälfte aller Neugeborenen eine Infektion mit HIV verhindern – wenn man es kurz vor der Geburt der infizierten Mutter gäbe.
Russland und Indien
Ein ähnliches Horrorszenario wie in Schwarzafrika wird laut neuester Untersuchungen in den kommenden Jahrzehnten in Russland und weiten Teilen Asiens zu beobachten sein. Vor circa zehn Jahren war die Infektionsrate in Südafrika ähnlich der heute in China gemessenen. Seit 1990 stieg die Zahl derer, die HIV-positiv getestet wurden in Indien von 400.000 auf vier Millionen.

Kapitalismus und Gesundheit

Ein Wirtschaftssystem, in dem es profitabler ist, Menschen sterben zu lassen, als lebensspendende Medizin zu produzieren, ist ein verfaultes System. Gerade im Gesundheitsbereich zeigt sich die Unzulänglichkeit des Kapitalismus, alle Menschen auf der Welt ausreichend zu versorgen.
Eine sozialistische Wirtschaft basiert auf Planung und Kooperation statt Profiten und Konkurrenz. Forschungsergebnisse über Aids oder Medikamente gegen Aids müssten nicht im Interesse des Profits geheim gehalten und unter Patente gestellt werden, sondern könnten sofort international zur Weiterforschung, Untersuchung und zur Anwendung gelangen.
Würden die Medikamente in einer sozialistischen Planwirtschaft produziert werden, unter demokratischer Kontrolle der arbeitenden Bevölkerung und der KonsumentInnen, könnte eine ausreichende Versorgung problemlos gesichert werden. Wirkstoffe würden kostenlos an Hilfsbedürftige abgegeben werden. Millionen von Menschenleben könnten gerettet werden.

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