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Die Deutsche Telekom ist hoch verschuldet, zahlen soll die arbeitende Bevölkerung

In den 90er Jahre prahlten eine Reihe von Wirtschaftsexperten, dass die „neuen Medien” das „Jobwunder” der Zukunft werden würden. Diese Phrasen dienten den Herrschenden weltweit als Rechtfertigung, den Telekommunikationssektor zu zerschlagen und zu privatisieren, um für Konzerne und einige wenige Manager Profite zu sichern. Die Folgen sieht man jetzt: Firmenpleiten, Lohnkürzungen, Arbeitsplatzabbau und Preissteigerungen für NutzerInnen.

von Nico Weinmann, Kassel

 
1994 wurde die „Deutsche Bundespost” in die „Deutsche Post”, die „Postbank” und in den Fernmeldebereich „Deutsche Telekom”, aufgeteilt. Der ganze Bereich wurde für Wettbewerb, Konkurrenz und Profit geöffnet. Die Telekom ging drei Mal 1996, 1999 und 2000 an die Börse. Circa drei Millionen Menschen folgten dem Rat der Werbung und schlugen bei der „sicheren Geldanlage” zu. Der Ausgabepreis lag beim ersten Börsengang am 18. November 1996 bei 14,57 Euro. Bis zum 6. März 2000 schnellte er auf 103,50 Euro nach oben. Doch mit der Krise im ganzen Sektor wurde aus der „sicheren Geldanlage” der sichere Geldverlust. Der Kurs der Aktie viel auf acht Euro und der Konzern verlor 270 Milliarden Euro an Börsenwert. Die Schulden der Telekom stiegen auf 70 Milliarden Euro Mitte des Jahres.

Globale Krise der Branche

Die Deutsche Telekom ist kein Einzelfall. Der Telekommunikationssektor, der einstige „Wunderknabe” des Kapitalismus, wurde in den letzten Monaten zu seinem „Sorgenkind”. Allein im Sommer 2002 jagte weltweit ein Konkurs den anderen. Nach US-Analysen stehen 24 der 29 börsennotierten US-Telekom Unternehmen kurz vor der Pleite. Die größten Verlierer sind allerdings weltweit die ArbeiterInnen. Seit Mitte 2000 wurden global 500.000 Beschäftigte im Telekommunikationsbereich entlassen und eine weitere Million soll noch ihren Job verlieren.

Folgen der Privatisierung

Auch in Deutschland wurden seit der Privatisierung im Jahre 1994 mehr als 100.000 Beschäftigte entlassen. Jetzt wurde die weitere Vernichtung von 46.000 Stellen bei der Telekom angekündigt. Gleichzeitig verdoppelten sich die Vorstandsbezüge im Jahr 2001 beinahe auf 17,4 Millionen Euro.
Um diese Missstände zu vertuschen wird oft behauptet, dass Telefonieren durch die Privatisierung und Liberalisierung des Marktes billiger wurde. Doch allein dieses Jahr droht nun die zweite Erhöhung der Grundgebühren durch die Telekom, was die NutzerInnen insgesamt 500 Millionen Euro kosten soll. Die Liberalisierung insgesamt hat vor allem völlige Undurchsichtigkeit bei den Preisen gebracht: Keiner weiß mehr, was es mit welcher Vor-Vorwahl kostet, keiner weiß, welcher Handy-Tarif denn nun wirklich der günstigste ist und wie lange das gilt.
Privatisierung bedeutet, dass nötige Arbeiten doppelt und dreifach von konkurrierenden Firmen gemacht werden. Dass technischer Fortschritt vor dem anderen versteckt oder mit Lizenzen und Patenten geschützt wird. Dass private Besitzer zusätzlich noch Profit einstecken. Wirtschaftlicher ist das höchstens insofern, als es Profite für einige wenige Reiche bringt. Und auch das gelingt nur, wenn dafür bei Löhnen gespart und bei den NutzerInnen abkassiert wird. Steigerung der Profite auf Kosten der Löhne, der Jobs und der NutzerInnen ist auch die „Lösung“ der Krise, auf die die Banken und Konzerne jetzt im Telekommunikationsbereich setzen.
Damit muss Schluss sein. In Frankreich erwägt die Regierung eine Rückverstaatlichung der France Telecom. Auch in Deutschland wäre das angebracht. Allerdings nicht um die Verluste zu vergesellschaften und neue private Profite zu ermöglichen, sondern um diesen Bereich unter die demokratische Kontrolle und Verwaltung durch die arbeitende Bevölkerung zu stellen.

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