Frauenkampftag 2021 – solidarisch, wütend, entschlossen!

Dieser 8. März war ein besonderer Frauenkampftag – und das lag nicht am hundertzehnjährigen Jubiläum. Nein, er war ein Zeichen von Wut, Solidarität, Entschlossenheit und vor allem Kollektivität in einer Zeit, in der Isolierung und Überlastung durch die Pandemie für Frauen normal sind. 

Allzu deutlich wurde im letzten Jahr, dass die Pandemie die Unterdrückung von Frauen auf allen Ebenen noch verschärft: 

Ob die Arbeit in schlecht bezahlten, systemrelevanten Bereichen wie Gesundheitswesen, Pflege und Erziehung – die überwiegend von Frauen geleistet wird 

Ob die Zusatzbelastung in der Familie – wo die Hauptlast bei der Kindererziehung, „Haus“arbeit und emotional care bei Frauen liegt 

Ob die Zunahme häuslicher Gewalt, die fast ausschließlich gegen Frauen gerichtet ist.

So groß das Bedürfnis nach Solidarität war – so stark und beeindruckend waren auch die Kundgebungen, Demos und Aktionen. Für Tausende war der 8. März der erste Tag seit dem Beginn des zweiten Lockdowns an dem man nicht mehr alleine war mit der ganzen Scheiße. Und das hat sich in allen Reden, allen Diskussionen am Rand und allen Aktionen überdeutlich gezeigt.

ROSA, die sozialistisch-feministische Initiative die schon in den letzten Jahren in Irland, Belgien, Polen und vielen anderen Ländern Proteste und Aktionen organisiert hat, war dieses Jahr endlich auch in Deutschland am Start – 3 Tage nach ihrem Auftakt am150. Geburtstag Rosa Luxemburgs.

Und überall wo wir dabei waren, wurde überdeutlich: Alle haben genug davon einmal im Jahr am 8. März auf die Straße zu gehen, und dann wieder leise zu den Arbeitsstellen und in die Wohnzimmer zurückzukehren.

Kassel

In Kassel waren über 1000 Menschen bei einer lautstarken Demonstration, in der ROSA den All-Gender & Gewerkschaftsblock angeführt hat. Feministische Parolen und antikapitalistische Parolen hallten lautstark durch Kassel – angestimmt von den Aktivist*innen von ROSA. Aber sehr schnell wanderten die Megaphone auch zu anderen jungen Frauen, die das Bedürfnis hatten ihrer Wut auf Sexismus, Kapitalismus und Patriarchat lautstark Ausdruck zu verleihen.

ROSA- und SAV-Aktivist*in Hannah Windisch hielt die Abschlussrede auf der Kasseler Kundgebung und schloss ihre Rede unter lautem Applaus mit den Worten: 

„Deswegen steht ROSA für den gemeinsamen Kampf aller Beschäftigten, Jugendlichen, Frauen*, Queers und Männern für eine Gesellschaft, in der Frauen nicht als Sexobjekte definiert werden; die Kindererziehung, Bildung, Pflege, Haus- und Erwerbsarbeit gemeinschaftlich und solidarisch regelt und in der nicht der Profit, sondern die Mehrheit der Gesellschaft demokratisch über die Verwendung der Ressourcen entscheidet. 

Nur so eine Gesellschaft kann uns eine Zukunft ohne Diskriminierung und Gewalt bieten. Und dafür müssen wir jeden Tag zum feministischen Kampftag machen!“

Köln

In Köln hat ROSA eine der acht dezentralen Kundgebungen zum Frauentag organisiert, im Stadtteil Ehrenfeld. Klar, wir hatten im Stadtteil plakatiert und mit feministischen Stencils schon die Tage vorher die Gegend verschönert. Aber wir hatten damit gerechnet das wir mit zwanzig Aktivist*innen dort stehen und das vielleicht ein paar Passant*innen sich freuen mal eine Rede zu hören die ihren eigenen Erfahrungen entspricht. Was stattdessen stattgefunden hat: 200, größtenteils junge Frauen waren auf der zweistündigen Aktion anwesend, haben das Whiteboard zu der Frage „Warum brauchen wir den 8. März?“ mit ihren Erfahrungen vollgeschrieben, es gab vorbereitete und spontane Open-Mic-Reden zu den Themen Arbeitsbedingungen, “Hausfrauenfrikadellen” an der Uni-Mensa, Gewalt gegen Frauen, Sexismus in der Krankenpflege, dem Recht auf Abtreibung – aber auch warum man keinen Bock darauf hat, am 8. März mit ein paar symbolischen Blumen abgespeist zu werden. Abends gab es noch eine gemeinsame Demonstration mit Teilnehmer*innen aus allen Kundgebungen.

Hamburg

In Hamburg gab es 5 dezentrale Kundgebungen – ROSA hat sich an der am Jungfernstieg beteiligt. Hier waren etwa 600 Menschen und haben großartige Reden gehört über Arbeit im Pflegebereich, internationale Kämpfe, gewerkschaftliche Aktivität und warum Friedensbewegung, Klimabewegung und Feminismus zusammengehören. Überhaupt war spürbar das eine neue Generation junger Frauen auf der Straße war, die in den letzten Jahren bei Fridays for Future, bei den Black Lives Matter Demos oder bei Seebrückeaktionen zum ersten Mal aktiv waren und für die der Frauenkampftag und der Feminismus ganz natürlich  zum Kampf für eine bessere Welt dazugehören.

Der Infotisch von ROSA ist von weitem aufgefallen: Die Sprühschablonen mit Gesichtern und Zitaten von feministischen und sozialistischen Kämpfer*innen wie Rosa Luxemburg, Assata Shakur und Marielle Franco haben den Jungfernstieg auch nach der Demo noch schöner gemacht. Und es gab nicht nur richtig viele Menschen die bei den nächsten Aktionen von ROSA mitmachen wollen (oder sich die Sprühschablonen mal privat oder für ihren Mädchentreff ausleihen wollen) – auch 1200 Sticker mit den Slogans „Sexismus hat System – Kapitalismus abschaffen!“, „Kapitalismus? Patriarchat? Organize & Fight Back!“ und „workers‘ rights are women’s rights“ waren deutlich zu wenig. Denn alle,  die am Tisch vorbeigeschaut haben, wollte danach auch ihre Nachbarschaft verschönern.

Das einzige was ziemlich albern war, war die Polizei, die auf einer riesigen, gesperrten Straße meinte lieber Leute nach Hause schicken zu lassen als der Kundgebung einfach 50 Meter mehr (freien) Platz zuzugestehen – wenn die mal bei Tönnies so genau hinschauen würden.

Berlin

In Berlin war ROSA bei zwei Kundgebungen präsent: Einmal bei einer etwa 1000 Leute starken Kundgebung im Invalidenpark die auch sehr von der Teilnahme gewerkschaftlicher Aktivist*innen geprägt war – und danach bei einer Aktion der LINKEN Neukölln auf dem Tempelhofer Feld. Auch hier galt, was in allen Städten spürbar war: Eine riesige Wut, vor allem der Beschäftigten im Gesundheitswesen: „Keine Profite mit unserer Gesundheit“ war dieses Jahr ein überall präsenter Slogan. Es gab viel Interesse an weiteren Aktionen mit ROSA – und vor allem auch daran was sozialistischer Feminismus bedeutet, wie wir uns z.B. die Vergesellschaftung von Reproduktionsarbeit genau vorstellen. Spoiler Alarm: Bei Menschen die das letzte Jahr gezwungen waren neben ihrer Erwerbsarbeit noch jeden Tag in der eigenen Küche zu stehen und parallel Hilfslehrer*in zu spielen, kommt die Idee von Stadtteilküchen & Wäschereien ganz gut an…

Und Berlin wäre nicht Berlin, wenn sich nicht der Internationalismus noch mit der eigenen Stadtkultur verbinden würde: „Aus dem Weg Kapitalisten, die letzte Schlacht gewinnen wir! – ROSA international socialist feminists“ 

Aachen

In Aachen waren etwa 500 Menschen auf der Kundgebung vom „Bündnis für ein Ende der Gewalt“ und auch hier war die Stimmung geprägt von jungen Arbeiter*innen, Schüler*innen und Student*innen. Die Themen der Reden waren unter anderem der „Corona-Backlash“, Abtreibungsrechte, Berichte von sexueller Gewalt und Lohnungleichheit. Sehr präsent war leider auch die Erinnerung daran, dass es im letzten Jahr nach der Frauentagskundgebung Angriffe von Faschist*innen gab – aber genauso präsent auch der Eindruck, dass es mehr und mehr Menschen gibt, die sich feministisch wehren, wie z.B. bei „CatCallsofAachen“ oder „Medicals for Choice“. 

Überall

Ob in München, Freiburg oder Rostock, eins war überall gleich: Die Flyer, Sticker und Plakate, die ROSA-Aktivist*innen dabei hatten, waren ein beliebtes Gesprächsthema – und zu schnell alle. Beim nächsten Mal drucken wir mehr. Aber der wichtige Druck – der kommt nur von unseren nächsten Aktionen auf der Straße. Und wenn du da mitmachen willst melde dich bei uns: Über Instagram, über Facebook oder schau bei der Zoom-Veranstaltung rein, heute abend 19:30: