Tesla-Fabrik in Brandenburg

Auf dieser Autobahn sollen künftig mehr Autos rollen, damit mehr Autos rollen können. Der Berliner Autobahnring A10 in Brandenburg, ungefähr auf der Höhe der zukünftigen Tesla-Fabrik.
Bild: Olaf Baumann,
CC BY-SA 2.0 DE

Die Begeisterung über die Entscheidung von Tesla, im brandenburgischen Ort Grünheide eine Tesla-Fabrik zu eröffnen, ist fast grenzenlos. Ausnahmslos alle Bundestagsparteien und weitgehend auch die Gewerkschaften sind positiv gestimmt. Endlich ein paar Tausend Jobs in einem Ostland. Dazu noch im Ökobereich, „nachhaltige Mobilität“ fördernd. Und dann noch dieser Visionär Elon Musk an der Konzern-Spitze, der das Engagement so souverän verkündet. Echt turbogeil. Ich kann diese Sicht in keiner Weise teilen. Und dies aus drei Gründen nicht.

von Winfried Wolf

Erstens. Selbst wenn ein E-Pkw 1:1 gegen ein jeweils gleich großes Auto getauscht werden würde und wenn dabei gleichzeitig alle anderen Aspekte ausgeklammert blieben, läge die CO-2-Reduktion laut Umweltbundesamt oder dem VW-Konzern bei maximal 30 %. Doch es gibt ja keinen Austausch, keine Deckelung der Pkw-Zahl. Faktisch sind mehr als 50 % aller E-Autos zusätzliche Pkw, sind Zweitwagen. Die technischen Parameter – lange Ladezeiten, geringe Reichweite, hoher Preis – lassen E-Autos zur Ergänzung der Automobilität und damit auch zur nochmaligen Ausweitung der Pkw-Zahl mutieren. Dabei sollen in Brandenburg keine relativ kleinen E-Autos vom Typ Renault Zoe oder Nissan Leaf gefertigt werden, sondern mehr als 2 Tonnen schwere Pkw vom Typ Tesla Y.

Zweitens. Die Kollateralschäden der E-Auto-Motorisierung sind enorm. Sie produzieren eine neue Abhängigkeit von spezifisch knappen Ressourcen (Kupfer, Lithium, Kobalt, Seltene Erden). Sie sind mit gewaltigem Wasserverbrauch, riesiger Umweltzerstörung, Kinderarbeit und Kriegen verbunden. Die Entsorgung ist absolut unklar. Die spezifischen Unfallgefahren sind erheblich.

Drittens. Der soziale Aspekt, der mit der Tesla-Fabrik verbunden ist, wird in der Öffentlichkeit komplett verschwiegen. Tesla zahlt seinen Beschäftigten Löhne, die deutlich unter dem Branchenüblichen liegen. Musk bemüht sich – bislang leider erfolgreich – dass in seinen Betrieben nirgendwo Gewerkschaften Fuß fassen können. Alle Tesla-Modelle haben faktisch einen Einstiegspreis von 40.000 Euro. Das in Brandenburg zu produzierende Modell Y liegt preislich nochmals höher. Konkret heißt das: Ein solcher Tesla kostet so viel wie zwei durchschnittliche Jahreslöhne eine*s Beschäftigten in Brandenburg.

Am 21. November hatte ich in Wien eine Veranstaltung zum Thema „Kritik des Elektroautos“. Im Saal befand sich ein engagierter Vertreter der organisierten E-Auto-Lobby in Österreich. Er argumentierte: „Unsere Zielgruppe sind die Eigentümer der 1,2 Millionen Eigenheime, die es in Österreich gibt.“

Präziser hätte man es nicht sagen können. Diese Eigenheimbesitzer haben in 99,5 % der Fälle längst ein Auto. Der größte Teil von ihnen wird dann, wenn er sich ein E-Auto zulegt, dies als zusätzliches Auto kaufen. So gut wie alle diese Eigenheimbesitzer haben einen Carport oder eine Garage. Sie werden dann dort eine Wallbox installieren, um so z.B. nachts günstig Strom für ihren Tesla usw. zu tanken. Just eine solche Möglichkeit haben die meisten Menschen, die zur Miete in der Stadt leben, nicht. E-Autos sind damit überwiegend Fahrzeuge für die Mobilität der gehobenen Mittelschicht. Tesla-Pkw zielen darüber hinaus ganz überwiegend auf die Hochvermögenden und Reichen.

Wichtig ist vor allem: Bei all der Begeisterung für E-Autos im Allgemeinen und dem Jubel über die Teslafabrik im Besonderen wird völlig ausgeblendet, welche Möglichkeiten es für eine nachhaltige Mobilität und eine konsequente Verkehrswende gibt: durch einen massiven Ausbau der Radwege, durch grüne Städte, die das Zufußgehen fördern, durch einen flächendeckenden Ausbau des öffentlichen Verkehrs und durch Nulltarif im städtischen öffentlichen Nahverkehr.

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