Generation Y

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Foto: https://www.flickr.com/photos/cdevers/ CC BY-NC-ND 2.0

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Einfordernd und verwöhnt?

“Generation Y” (1980-1995) kursiert schon seit geraumer Zeit als neue Trendbezeichnung der jungen Generation. Sie bezeichnet die dritte Generation ab 1945. Ihren Namen hat sie, weil die vorherige Generation als „Generation X“ bezeichnet wurde. Außerdem wird das Y im englischen „why“ ausgesprochen, was für „warum“ steht und den hinterfragenden Charakter betiteln soll.

von Nino Berkhan, Hamburg

Bürgerliche „Experten“ sprechen von einer, von den Eltern verwöhnten und wählerischen Gutverdiener-Generation. Sie lebe die Arbeitswelt ganz im Pippi-Langstrumpf-Stil – ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt. Aber die Realität zeigt etwas Anderes. Laut „DGB – Index für Junge Beschäftigte von 2014“ (bis 35 Jahre) arbeiten nur acht Prozent der Jugendlichen unter guten Bedingungen.

Mehr Zeit für Familie?

Mit angeblich flexiblen Arbeitszeitmodellen oder Arbeitsplätzen, die den Job zum zweiten Zuhause machen sollen, wird den jungen Beschäftigten suggeriert, dass ihnen ein Maximum an Familienvereinbarung geboten wird.

Doch in der Wirklichkeit sieht das ganz anders aus! Meist haben die Jugendlichen keine Möglichkeit bei der Mitsprache um Arbeitszeiten. Mehr als zwei Drittel von ihnen machen regelmäßig Überstunden und verdienen trotzdem nur einen geringen Lohn. Doch das ist nur der Anfang. Beschäftigte über 35 Jahren arbeiten in der Woche durchschnittlich 38,4 Stunden. Hingegen arbeiten Beschäftigte unter 35 durchschnittlich 40,7 Stunden pro Woche.

Florian Haggenmiller (Bundesjugendsekretär des DGB) erklärte in einer Stellungnahme: „Die Ergebnisse des Jugend-Index stehen im Gegensatz zu dem, was allenthalben zu hören ist von der Generation Y, die mehr Flexibilität wolle und der die Arbeit nicht mehr so wichtig sei.“

Jeder zweite Jugendliche bekommt laut „DGB-Index“ oft oder sehr oft Zeitdruck oder Arbeitshetze zu spüren. Das alles zeigt, dass es sich bei der “Arbeitswelt” nur um ein ausbeuterisches System im Interesse der Reichen und nicht in dem der Beschäftigten handelt!

Gemeinsamer Kampf!

In dem online Portal Kariere.de wird unter dem Titel „Die Krise macht nicht rebellisch, sie diszipliniert“ behauptet, dass Jugendliche sich lieber fügen, statt gegen schlechte Bedingungen eine „Revolte“ zu beginnen. Doch auch unter dieser Generation beginnt es, zu brodeln. Jugendliche stehen an vorderster Front im Kampf gegen Nazis und Rassismus, letztes Jahr gab es viele Streiks für bessere Gehälter und Arbeitsbedingungen, an denen auch Angehörige der Generation Y teilnahmen. Die Gewerkschaften der DGB-Jugend wachsen wieder, wenn auch langsam und von einem niedrigen Niveau auf mittlerweile über 520.000 Mitglieder. Noch bleiben Kampagnen, wie die „Revolution Bildung“ etwas zahm und bringen sich Jugendliche zu wenig ein. Die Generation Y kann jedoch auch schneller als viele denken, zur Generation Widerstand werden.

Generationenbezeichnungen haben immer ihre Grenzen und sind häufig Modeerscheinungen. Unter dem Titel Generation Y wird uns erzählt, es gäbe eine Generation, die sich Flexibilität und Leistungswahn einfordern würde. Dass ihnen selten sichere und gut bezahlte Arbeitsverhältnisse geboten werden, wird gerne unter den Tisch gekehrt. Der Oldenburger Soziologe Marcel Schütz fasste zurecht zusammen: „Für einen Großteil der Arbeitnehmer ist der Büroalltag längst nicht so hübsch, wie es in schicken Hochglanzmagazinen mit Beiträgen über die junge, smarte Start-up-Welt von Zürich, Berlin oder Wien präsentiert wird. […] In einer primär auf Hamsterrad ausgerichteten Arbeitswelt ist es ungemein entspannend, wenn man sich einen Diskursraum zimmert, in dem man zwischendurch mal etwas „anti“ sein darf. In der Vorstellung ist alles easy und lässig. Aber in der Praxis brechen die Leute damit schnell wieder. Weil sie an Schnelligkeit und hohem Output gemessen werden.“ Zeit wird es, dass wir alle gemeinsam diesen Verhältnissen den Kampf ansagen!

Nino Berkhan ist Auszubildender in einem Krankenhaus und aktiv in der Linksjugend [‘solid]