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Chinas Krise führt zu Panik auf dem Weltmarkt

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Foto: https://www.flickr.com/photos/aarongoodman/ CC BY-ND 2.0

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Dieser Artikel wurde zuerst am 25. August 2015 auf der englischsprachigen Webseite socialistworld.net veröffentlicht.

In den zwei Wochen seit der Abwertung des chinesischen Yuan sind mehr als fünf Billionen US-Dollar an den globalen Börsenplätzen verbrannt worden

von Vincent Kolo, www.chinaworker.info, das Internetportal für China und Südostasien des „Committee for a Workers´ International“ // „Komitee für eine Arbeiterinternationale“ (CWI), dessen Sektion in Deutschland die SAV ist

„Schwarzer Montag!“, schrie die offizielle chinesische Nachrichtenagentur „Xinhua“ auf, als die Börsen im Land am 24. August um 8,5 Prozent in den Keller gingen. Dieser Wertverfall löste den gravierendsten Kursabstieg an den weltweiten Börsenplätzen seit der Finanzkrise von 2008 aus. Der Grund dafür ist die Angst vor einer globalen Rezession, die mit den aktuellen Entwicklungen in China eingeläutet werden könnte.

Mit der Bankenkrise von 2008 in den USA stellte bis dato die Wall Street das Epizentrum des Tumults auf dem globalen Finanzmarkt dar. Doch diesmal sind es die Wirtschaftskrise in China und die offenkundige Tatsache, dass die dortigen führenden Politiker die Lage nicht mehr im Griff zu haben scheinen, die zum Anlass für die allgemeine Unruhe wurden. Der Schock der „Mini-Abwertung“ des chinesischen Yuan vom 11. August hat den Großteil der kapitalistischen Welt in Beschlag genommen, der sich in trügerischer Sicherheit wähnte und glaubte, dass Peking „einen Plan hat“, wie man mit der immer stärker werdenden Verlangsamung des Landes umgehen kann. Seither sind an den globalen Aktienmärkten über fünf Billionen Dollar abgeschrieben worden. Diese massenhafte Vernichtung von Vermögenswerten innerhalb weniger Tage belegt ohne jeden Zweifel, dass es sich beim Kapitalismus um ein krankes und todgeweihtes Wirtschaftssystem handelt. „Heute sind die Werte der 300 größten europäischen Unternehmen um mehr als 400 Mrd. Euro geschrumpft“, berichtete „Reuters“ am Schwarzen Montag, als sich der finanzielle Einbruch bis nach Europa ausgebreitet hatte.

Der ehemalige US-amerikanische Finanzminister Larry Summers schrieb auf „Twitter“: „Wie im August 1997, 1998, 2007 und 2008 könnten wir uns auch jetzt wieder am Anfang einer sehr ernsten Situation befinden“. Selbst Donald Trump, bei dem es sich nicht gerade um den intelligentesten der Kandidaten für das Amt des US-amerikanischen Präsidenten handelt, warnte, die Welt könnte in die Depression abrutschen. Damian McBride, der dem früheren britischen Premier Gordon Brown als wirtschaftspolitischer Berater gedient hatte, warnte, dass die derzeitige Krise „20 Mal schlimmer“ ausfallen könnte als die von 2008.

Der „Hang Seng“ (Börsenindex von Hong Kong) erlitt seinen schwersten Einbruch seit 1987. Die dortige Börse gilt nun offiziell als „bear market“, da sie seit ihrem April-Höchststand über 20 Prozent eingebüßt hat. Die Börsenplätze in Indonesien und Taiwan bewegen sich ebenfalls im Bereich der „Baisse“. Ähnliches gilt für die Handelsplätze in entwickelten Volkswirtschaften, die am Montag gewaltige Abwärtsbewegungen aufwiesen und damit die Panik der letzten zwei Wochen widerspiegelten. Londons FTSE 100 verlor 18 Prozent seines April-Wertes und der Frankfurter DAX büßte über denselben Zeitraum 20 Prozent ein. Der australische Börsenplatz gab am Montag um acht Prozent nach. Das ist mit der heftigste Rückgang dort und zeigt, wie stark Australien mit dem chinesischen Markt verbunden ist.

Der globale Schmelze an den Börsen hat auch die Rohstoffmärkte erfasst. Die Preise für Öl, Kupfer, Aluminium und Nickel sanken auf die niedrigsten Stände seit Einsetzen der weltweiten Krise im Jahr 2008. Die Ölpreise, die für die Weltwirtschaft eine ganz wesentliche Rolle spielen und die von 115 Dollar je Barrel im Sommer 2014 abgesackt sind, rutschten weiter nach unten und liegen nun bei unter 43 Dollar je Barrel. Damit steigt der Druck auf Ölproduzenten wie Russland oder Venezuela weiter an, die sich ohnehin schon in der Rezession befinden. Der „Bloomberg Commodity index“ (ein Rohstoffindex; Anm. d. Übers.), der die Preisentwicklung von 22 Rohstoffen wiedergibt, sank auf seinen niedrigsten Stand in diesem Jahrhundert, fiel um 17 Prozent in diesem Jahr und sogar um 40 Prozent über den Zeitraum der letzten drei Jahre.

In den letzten Jahren hat China sich zur stärksten Kraft für das globale Wachstum entwickelt. Das Land trug ein Drittel zum weltweiten Wachstum bei, verglichen mit 17 Prozent, die auf die US-amerikanische Wirtschaft zurückzuführen sind. China verbraucht gut die Hälfte der weltweiten Metallproduktion und dominiert den Markt für andere Rohstoffe wie zum Beispiel Agrargüter. Der gravierende Preisverfall bei diesen Rohstoffen hat das Wachstum in vielen Rohstoff-exportierenden Ländern abgewürgt und gleichfalls den Druck der Deflation auf dem gesamten Weltmarkt erhöht. Zwar können sinkende Preise für Volkswirtschaften, die auf den Import von Rohstoffen angewiesen sind, zu einem kurzfristigen Schub führen. Geht dies aber mit einer anhaltenden Deflation einher, dann droht das Wirtschaftswachstum zu erlahmen und die Schuldenprobleme, die überall und nicht zuletzt in China selbst größer werden, können zunehmen. Genau dies ist in Japan geschehen, das 1990 in eine deflationäre Krise geriet, von der es sich nie erholen konnte. Die Kennzeichen dafür waren Stagnation und wachsende Schuldenstände. China weist heute ganz ähnliche Merkmale auf, und auch der gesamte Weltmarkt weist Züge auf, die mit denen Japans in den 1990ern vergleichbar sind.

Der Schock der Währungsabwertung

Als China vor zwei Wochen den Yuan abgewertet hat, da war das globale kapitalistische System geschockt. Schließlich handelte es sich dabei um einen Schritt, der von Peking bis dato immer abgelehnt worden war (so etwas wurde stets als „ultima ratio“ betrachtet). Mit einem Schlag bestätigte sich der Verdacht, dass China ökonomisch wesentlich stärker in Schieflage ist, als Peking bisher zugegeben oder über seine offiziellen Statistiken publik gemacht hat, die – wie wir schon des Öfteren erklärt haben – frisiert und irreführend sind. Die bislang nur marginale Abwertung des Yuan bringt auch die Gefahr von Nachahmer-Effekten und Folge-Abwertungen (eines sogenannten „Währungskriegs“) mit sich, was – wie Albert Edwards von der Bank „Société Générale“ ausführt – für die Weltwirtschaft im Umkehrschluss zu „einer Flutwelle der Deflation“ führen könnte.

Die Verwirrtheit, mit der die Währungsabwertung in China vollzogen wurde, hinterließ bei kapitalistischen Kommentatoren Stirnrunzeln, Benommenheit und Unglauben. Paul Krugman bemerkte dazu in der „New York Times“ vom 14. August: „Sie scheinen von der vorhersehbaren Reaktion des Marktes vollkommen überrascht worden zu sein […] Investoren haben die Flucht aus China angetreten, und politische Entscheidungsträger haben abrupt ihr Standbein gewechselt: erst befürworteten sie die Währungsabwertung, um dann alles daran zu setzen, den Yuan wieder zu stützen“.

Die Herabsetzung der Währung (im Vergleich zum Dollar um bisher drei Prozent) ist zu gering, als dass sie spürbare Auswirkungen auf die chinesischen Ausfuhren haben könnte. Darüber hinaus mussten das Regime und die chinesische Zentralbank, die PBoC, verstärkt eingreifen, um den Yuan zu unterstützen – oder andernfalls eine noch stärkere Kapitalflucht aus China zu riskieren. In den letzten fünf Quartalen sind beispiellose 800 Milliarden Dollar aus China abgezogen worden. Es geht dabei um Geld von chinesischen wie auch ausländischen Unternehmen und Spekulanten, das seine Zuflucht in Dollar-Anleihen und anderen Währungen sucht, die als vermeintlich „sichere Häfen“ angesehen werden.

Das lässt die Währungsabwertung Pekings, gegen die sich die PBoC anscheinend bis zum Schluss gewehrt hat, wie die „schlechteste aller Möglichkeiten“ aussehen. Diese Entscheidung hat auf dem Weltmarkt zu Chaos geführt und eine Kettenreaktion aus sinkenden Währungskursen in Gang gesetzt – allerdings ohne dabei für einen wirklichen Anschub in China zu sorgen. Fakt ist, dass die starken Abwertungen der Währungen in Asien und anderen „Wachstumsmärkten“, zu denen es in den letzten zwei Wochen gekommen ist, jeden möglichen Nutzen für China (durch die Abwertung des Yuan) haben hinfällig werden lassen. Wenn man sich die Entwicklung bei den Exporten ansieht, ist eher noch das Gegenteil der Fall. Die Währungen Malaysias und Indonesiens sind auf ihre niedrigsten Werte seit der Asien-Krise von 1998 gefallen. Bis auf den japanischen Yen, der als Währung mit „sicherem Hafen“ betrachtet wird, sind alle asiatischen Währungen in den Keller gegangen. Der russische Rubel, der südafrikanische Rand und die türkische Lira haben ihre historischen Tiefststände erreicht. Ein weiterer – und schwerwiegender – Effekt der Abwertung wird höchst wahrscheinlich in der Verschiebung der lang erwarteten Zinserhöhung in den USA bestehen, die von Janet Yellen und der „Federal Reserve“ für September geplant war. Dies macht die Position der US-Regierung komplizierter und ist ein weiterer Beitrag zu den sich vertiefenden Spannungen zwischen Washington und Peking.

Spektakuläre Fehltritte

Das Regime in China ist mit seinen „beruhigenden Maßnahmen“ hinsichtlich des Börsenmarktes auf spektakuläre Art und Weise gescheitert. In den vergangenen zehn Wochen wurden mehr als eine Billion Dollar für unterstützende Maßnahmen ausgegeben, mit denen man absolut gar nichts hat retten können. Die Verkaufswelle, zu der es am „Schwarzen Montag“ gekommen ist und bei der es sich um den umfassendste dieser Art seit acht Jahren gehandelt hat, hat die Aktienkurse unter die Latte vom 8. Juli gedrückt. An jenem Tag hatten die Rettungsaktionen der Regierung begonnen. Fakt ist, dass die Verluste von heute alle Zugewinne, zu denen es am zweitgrößten Börsenplatz der Welt seit Anfang dieses Jahres gekommen ist, wieder zunichte gemacht haben.

Was die Erkenntnisse des Regimes betrifft, so markieren diese Ereignisse einen Wendepunkt. Das CWI und seine Sektion in China bekämpfen seit langem den Mythos von der „Unfehlbarkeit“, der die Diktatur und ihre angebliche wirtschaftspolitische Kompetenz umgibt. Seit neuestem erweisen sich die Führungsfiguren in China allerdings als „typische Technokraten“, die den Vertretern des globalen Kapitalismus in nichts nachstehen. Sie fallen übereinander her, stolpern über ihre eigenen Beine und zollen sich gegenseitig noch Respekt und Anerkennung.

Die Aufeinanderfolge verpfuschter Maßnahmen, zu denen es in den letzten Monaten gekommen ist (zuerst wurde eine unhaltbare Börsenblase aufgebläht, die nach dem Platzen wieder zu flicken versucht worden ist, was mit einer zögerlichen aber beunruhigenden Währungsabwertung einherging) hat dem Ansehen der Wirtschaftsbürokraten in Peking Schaden zugefügt. Der jüngste Schritt des Regimes bestand in dem unangekündigten und schließlich gescheiterten Versuch, mit neuen Markt-stützenden Maßnahmen einzugreifen, als der Börsenindex am „Schwarzen Montag“ in den Keller sauste. Peking hat augenscheinlich erkannt, dass man nicht gleichzeitig den Börsenhandel und die Währung stützen kann und sich dafür entschieden, sich auf letztere zu fokussieren. Diese Maßnahmen stellen einen Katalog der Inkompetenz dar und zeigen wie begrenzt die Macht Pekings doch ist, die ökonomischen Entwicklungen unter Kontrolle zu halten. Die weltweite kapitalistische Klasse scheint das überschätzt zu haben.

„Das wahre Opfer dieses Sommers ist die Glaubwürdigkeit der Regierung. Wenn wir uns deren Intervention in puncto Börse ansehen, wenn wir die Währungsabwertung betrachten – vor zwei Wochen habe ich das noch Murks genannt. Und dann erleben wir die Explosionen in Tianjin. Man sieht eine Regierung, die ziemlich sicher nicht mehr die Kontrolle inne hat. Wenn man dies alles in Betracht zieht, dann gibt das ein sehr schlechtes Bild ab, was die Kompetenz auf Chinas Führungsebene angeht. Wer trägt hier überhaupt noch Verantwortung? [Präsident] Xi Jinping scheint abgetaucht zu sein“.

Dieser Kommentar von Fraser Howie, dem Co-Autor des Buchs „Red Capitalism“ (zu deutsch: „Roter Kapitalismus“; eine Übersetzung dieses Titels liegt noch nicht vor; Anm. d. Übers.) ist für heutige bürgerliche Analysten sehr symptomatisch. Bis vor kurzem waren viele dieser Kommentatoren waren Fans der chinesischen Führungselite. Nun erleben sie, was kleine Kinder erleben, wenn sie feststellen, dass der Weihnachtsmann doch nicht existiert.

Der Börsencrash in China war voll und ganz vorhersehbar, da die Aktienpreise jeden Bezug zur Realwirtschaft verloren haben. Aktuelle Wirtschaftsdaten haben bestätigt, wie gravierend die Probleme Chinas sind. Die Betriebsleistungen haben sich fünf Monate nacheinander verringert und befinden sich jetzt auf einem Sechs-Jahres-Tief. Ehemalige Wachstumsbranchen wie die Produktion von Smartphones oder die Autobranche (China ist der größte Markt für beides) schrumpfen ebenfalls. Trotz der „Stabilisierung“, die in letzter Zeit bei den Immobilienpreisen nachzuvollziehen war, sind die tatsächlich begonnenen Bauvorhaben in den ersten sieben Monaten dieses Jahres um 16,8 Prozent zurückgegangen. In den letzten Jahren zeichnete China für die Hälfte der globalen Bautätigkeit verantwortlich. Auf internationaler Ebene und im Jahresvergleich bedeutet dies folglich einen Rückgang der Bautätigkeit um acht Prozent weltweit. Dies erklärt, weshalb die weltweiten Rohstoffmärkte – vom Öl bis hin zu den Sojabohnen – in den letzten Wochen drastisch in den Keller gegangen sind. Hinzu kommt, dass einige der größten Konzerne in den USA Milliarden an Aktienwerten abschreiben mussten, weil sie so sehr vom chinesischen Markt abhängen. Zu diesen Konzernen zählen u.a. „Apple“, „General Motors“ und die Unternehmensgruppe „Yum Brands“ (KFC und „Pizza Hut“), die allesamt mehr Produkte nach China als in den USA selbst verkaufen. „Apple“, der finanziell erfolgreichste Konzern der Welt, musste mit ansehen, wie seine Börsenbewertung in den letzten sechs Monaten um 18 Prozent zurückgegangen ist.

Globale Krise des Kapitalismus

Der Tumult und Aufruhr, der derzeit festzustellen ist, unterstreicht wie blind der Kapitalismus agiert. Dieses System stolpert von einer Krise in die nächste. Das CWI und seine Sektion in China haben bereits mehrfach davor gewarnt, dass die nächste Phase der weltweiten kapitalistischen Krise das Label „Made in China“ tragen könnte. Das ist eine Perspektive, die immer wahrscheinlicher zu werden droht. Doch die Probleme der chinesischen Wirtschaft und ihre verheerende Schuldenlast, die die Grundlage für das verzweifelte Hin und Her der Politik in den letzten Monaten bilden, lassen sich zurückführen auf die als historisch zu bezeichnende Sackgasse, in der der globale Kapitalismus steckt.

2008, als die globale Krise ein weltweites Abrutschen in die Depression wie in den 1930er Jahren zu verursachen drohte, legte das Regime in China Konjunkturprogramme gewaltigen Ausmaßes auf. Diese basierten auf Kreditsummen, die bis heute beispiellos sind. Anfangs führte dies zu verblüffenden Ergebnissen und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Chinas zog an. Es schien, als könnte man der Gravitationskraft der globalen Rezession entkommen. Stephen King, Chef-Volkswirt des Bankhauses HSBC, beschrieb China als „den Stoßdämpfer für die Weltwirtschaft“ – obwohl die Rolle, die das Land heute inne hat, eher umgekehrte Vorzeichen trägt, und die Schockwellen, unter denen der weltweite Kapitalismus leidet, nun genau von dort ausgehen. Der Grund dafür ist, dass das Wachstum in der Phase nach 2008 auf die nicht dauerhaft zu tragende Anhäufung von Schulden zurückzuführen ist. Diese Schulden haben sich von sieben Billionen im Jahr 2007 auf 28 Billionen heute vervierfacht. Dadurch wurden die Möglichkeiten, die das Regime für weitere Konjunkturpakete zur Verfügung hat, eingeschränkt. Es wird immer schwieriger, Auswege aus der Krise zu finden – wie wir heute bereits sehen. Vor 2008 führte jeder Yuan, der in Form von Krediten vergeben wurde, zu einem BIP-Anstieg von rund 0,8 Yuan. Heute werden dadurch nur noch 0,2 Yuan ins BIP eingespeist.

Chinas Probleme schlagen sich in einem Anstieg der weltweiten Schuldenstände nieder, die seit Ende 2007 um 57 Billionen zugenommen haben und nun bei atemberaubenden 199 Billionen liegen (Quelle: „McKinsey Global Institute“). Die nächste Rezession, in die die Weltwirtschaft eintreten wird, wird wesentlich schlimmere Züge annehmen, als die letzte. Während der klapprigen wirtschaftlichen „Erholung“ in den letzten Jahren hingen ganze Teile der kapitalistischen Wirtschaft von lebenserhaltenden Finanzhilfen der Regierungen und Zentralbanken ab. Diese Hilfen sind vor allem in Form umfangreicher Maßnahmen des sogenannten „quantitative easing“ (QE) geflossen, die die Wirtschaft dennoch nicht in die Lage versetzt haben, wieder auf eigenen Beinen zu stehen.

Wenn die Zinsen auf den aktuellen historisch niedrigen Werten verharren (nahe null Prozent und in manchen Fällen sogar im negativen Bereich), dann bedeutet das, dass die Kapitalisten noch weniger Waffen zur Verfügung haben, mit denen sie der neuen Rezession begegnen könnten. Parallel dazu hat es die Arbeiterklasse seit Einsetzen der Krise im Jahr 2008 und ohne Pause mit der Austerität zu tun, wodurch sich die Lebensstandards in vielen Ländern schnurstracks nach unten entwickelt haben. Das wiederum heißt, dass eine neue Rezession beispiellose politische Bewegungen hervorbringen und eine Herausforderung für die kapitalistische Herrschaft bedeuten wird. Diese Sorge führt zum Tumult, den wir derzeit an den weltweiten Märkten beobachten können.