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Kein Profit, kein Impfstoff

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AfrikaEbola-Virus grassiert in West-Afrika mit vernichtender Wucht

Im November 2010 führte die medizinische Zeitschrift „The Lancet“ (Die Lanzette) ein Seminar zu Ebola durch und erklärte: „Früher wurde der Nutzen einer Ebola-Virus-Impfung bezweifelt wegen der Seltenheit der Krankheit, geringem Interesse der Wirtschaft und den möglichen Kosten. Häufige Ausbrüche im vergangenen Jahrzehnt, mehrere wichtige Fälle von viralem hämorrhagischem Fieber und der möglichen Konfrontation mit diesem Virus im Labor sowie der denkbare Missbrauch des Ebola-Virus als Mittel zur biologischen Bedrohung haben diese Sicht geändert.”

von Andy Ford, Mitglied der größten britischen Gewerkschaft Unite, Abteilung Gesundheitswesen

Also wegen der „möglichen Kosten“ und dem fehlenden Interesse der großen Pharma-Konzerne wurde lange Zeit nichts unternommen. Mit der Entwicklung eines Ebola-Impfstoffes wurde schließlich erst vor ein paar Wochen begonnen. Es wird gehofft, dass diesen Dezember 10.000 Einheiten fertig sind. Anfängliche Ergebnisse sollen vielversprechend wirken.

Rolle von WHO und Pharmakonzernen

Noch verwunderlicher als die vierjährige Verzögerung ist, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Pharma-Riese GlaxoSmithKline im März, als der gegenwärtige Ausbruch begann, gemeinsam erklärten, nicht mit der Herstellung eines Ebola-Impfstoffs fortzufahren, weil die bestehenden Gegenmaßnahmen ausreichend seien und „niemand vorhersah, dass wir einen Impfstoff brauchen würden“ (Pharma Times vom 17. Oktober 2014).

Natürlich gibt jetzt jeder jedem die Schuld, aber diese Entscheidung muss man zu den fatalsten in der jüngsten Geschichte zählen.

Wir können uns nur ausmalen, welchen Unterschied 10.000 Einheiten Impfstoff im März gemacht hätten. Weil nicht rechtzeitig ein Impfstoff erzeugt wurde, haben hunderte engagierte Beschäftigte im Gesundheitswesen in Westafrika ihr Leben verloren und es besteht die Gefahr von einer Million Ebola-Fällen bis zum Jahreswechsel.

Die Weltgesundheitsorganisation scheint während dieser Krise bestenfalls mit Autopilot geflogen zu sein. Oder vielleicht hat sie als Organisation für Treffen, Bankette und Auslandsreisen funktioniert, die sich nebenher etwas ums Gesundheitswesen kümmert, während die großen Pharmakonzerne sich zurückhielten, bis sich die Profitaussichten verbesserten.

Eigentumsfrage

Die Menschen, die den Preis für diese kriminelle Bequemlichkeit zahlen, sind die ArbeiterInnen und armen Bäuerinnen und Bauern von Westafrika und besonders und unnötigerweise die ÄrztInnen, KrankenpflegerInnen und Gesundheitsbeschäftigten von Guinea, Sierra Leone and Liberia.

Als SozialistInnen fordern wir die Überführung der Medikamentenhersteller und Pharmakonzerne in öffentliches Eigentum unter demokratischer Kontrolle der arbeitenden Bevölkerung, so dass Medikamente und Impfstoffe auf der Basis von Bedürfnissen und nicht abhängig von den Profiterwartungen entwickelt werden. Zudem treten wir für die völlige Umstrukturierung der WHO ein. Außerdem ist ein staatlich finanziertes Sofortprogramm zur Erforschung der Behandlung und Impfung bei Ebola erforderlich, um diesen Ausbruch endlich unter Kontrolle zu bringen.

Ergänzung: Versagen des „freien Marktes“

Vor zehn Jahren patentierte die öffentliche Gesundheitsbehörde von Kanada einen Impfstoff, der Ebola bei Affen verhindert. Leider händigte die kanadische Regierung diesen Impfstoff dem Privatsektor aus – für ’n Appel und ’n Ei.

2010 vergab sie die Lizenz für den Ebola-Impfstoff einer kleinen US-Firma namens NewLink Genetics. Die profitmaximierenden Berechnungen des Vorstands von NewLink bedeuteten, dass der vielversprechende Impfstoff jahrelang, bis zum Ausbruch dieses Jahr, im Regal stand, ohne dass seine Tauglichkeit für Menschen erprobt wurde.