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Solidaritätsbrief an die Bahn-Streikenden

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linksjugend solid fahneDokumentiert: Brief von Linksjugend [’solid] Aachen
Liebe Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen,

wir, die links­ju­gend [’solid] Aa­chen, er­klä­ren uns so­li­da­risch mit eurem Kampf um bes­se­re Ar­beits­be­din­gun­gen und hö­he­re Löhne.

Wie in so vie­len an­de­ren Be­rei­chen sehen wir eine krank ma­chen­de Ar­beits­ver­dich­tung, die un­er­träg­li­che Aus­ma­ße an­ge­nom­men hat. Fast über­all herrscht nur noch das Dik­tat der größt­mög­li­chen Ren­di­te und wach­sen­der Kon­kur­renz. Auf der Stre­cke bleibt dabei nicht nur das Wohl der Be­schäf­tig­ten, son­dern auch die Si­cher­heit sowie die best­mög­li­che Ver­sor­gung der Be­völ­ke­rung. Seit der Bahn­re­form vor zwan­zig Jah­ren wur­den 170.​000 Stel­len ab­ge­baut. Die Schlie­ßung des Main­zer Bahn­hofs letz­tes Jahr war nur die Spit­ze des Eis­bergs, die die Fol­gen die­ser Po­li­tik deut­lich ma­chen.

Vor die­sem Hin­ter­grund fin­den wir es be­son­ders po­si­tiv, dass durch die GDL neben der mehr als ge­recht­fer­tig­ten Er­hö­hung der Löhne auch eine Ver­kür­zung der Ar­beits­zeit bei vol­lem Lohn sowie eine Reihe von Ver­bes­se­run­gen bei den Ar­beits­be­din­gun­gen auf die Ta­ges­ord­nung ge­setzt wur­den. Un­se­rer Mei­nung nach ist es nötig, aber auch mög­lich, eine große So­li­da­ri­tät in der Be­völ­ke­rung für euren Streik zu or­ga­ni­sie­ren.

Wir gehen davon aus, dass eine Mehr­heit der Ar­bei­te­rIn­nen und Ju­gend­li­chen die An­sicht teilt, dass Ar­beit nicht krank ma­chen darf und dass die Si­cher­heit und Kun­den­ori­en­tie­rung im Bahn­ver­kehr obers­te Prio­ri­tät haben muss. Viele ste­hen der Jagd nach Pro­fi­ten und dem Pri­va­ti­sie­rungs­wahn bei öf­fent­li­chen Dienst­leis­tun­gen kri­tisch ge­gen­über. Un­se­rer Mei­nung nach ge­hört die Bahn unter de­mo­kra­ti­sche Kon­trol­le von Be­schäf­tig­ten und der Be­völ­ke­rung, um Kun­den­freund­lich­keit, Si­cher­heit und men­schen­wür­di­ge Ar­beits­be­din­gun­gen zur Grund­la­ge aller Ent­schei­dun­gen zu ma­chen. Euer Ar­beits­kampf kann hel­fen, die not­wen­di­ge De­bat­te über eine Rück­nah­me von Aus­grün­dun­gen und Pri­va­ti­sie­run­gen wie­der zu be­le­ben.

Es gibt noch einen wei­te­ren wich­ti­gen Grund dafür, dass der Ar­beits­kampf bei der Bahn größt­mög­li­che Un­ter­stüt­zung aus der Be­völ­ke­rung, aber auch aus den Ge­werk­schaf­ten er­hal­ten muss. Es darf nicht zu­ge­las­sen wer­den, dass die schwarz-​ro­te Bun­des­re­gie­rung über ein neues Ge­setz zur Ta­rif­ein­heit unser aller Streik-​ und Ko­ali­ti­ons­recht ein­schränkt! Wenn sie damit durch­kom­men, wäre das ein gro­ßer Rück­schritt für die ge­sam­te Ge­werk­schafts­be­we­gung.

Das Ge­re­de über die Ta­rif­ein­heit ist von Sei­ten der Re­gie­rung sowie der Bosse reine Heu­che­lei. Hun­der­te ver­schie­de­ner Ta­rif­ver­trä­ge bei der DB gibt es nicht in ers­ter Linie wegen der ver­schie­de­nen Ge­werk­schaf­ten, son­dern wegen der Auf­split­tung der DB in mehr als 400 Toch­ter­un­ter­neh­men durch das Ma­nage­ment. Auch in an­de­ren Be­rei­chen sind Aus­grün­dun­gen und Pri­va­ti­sie­run­gen eine Haupt­ur­sa­che für den Fli­cken­tep­pich von Ta­rif­ver­trä­gen, un­ter­schied­li­cher Be­zah­lung und Ar­beits­be­din­gun­gen. So­lan­ge dies im In­ter­es­se der Ar­beit­ge­ber ist, wird es von der un­ter­neh­mer­freund­li­chen Re­gie­rung nicht nur nicht be­kämpft, son­dern sogar ge­för­dert.

Si­cher wäre es vor­teil­haft, wenn alle Be­schäf­tig­ten bei der Bahn in einer star­ken Ge­werk­schaft ver­ei­nigt wären, oder wenn sich die ver­schie­de­nen Ge­werk­schaf­ten auf ge­mein­sa­me For­de­run­gen und ein ein­heit­li­ches Vor­ge­hen bei der Ta­rif­run­de ei­ni­gen könn­ten, um mehr Schlag­kraft zu er­hal­ten. Wo dies aber nicht mög­lich ist, muss Wahl­frei­heit für alle Be­schäf­tig­ten gel­ten – dar­über, in wel­cher Ge­werk­schaft sie sich or­ga­ni­sie­ren wol­len, und in der Folge auch, wel­cher Ta­rif­ver­trag für sie gel­ten soll.

Wir, Links­ju­gend [’solid] Aa­chen, wol­len un­se­ren Bei­trag leis­ten, eure An­lie­gen be­kann­ter zu ma­chen, und gegen die ver­dreh­te Dar­stel­lung in den meis­ten Mas­sen­me­di­en die Dinge so dar­zu­stel­len, wie sie sind.

Für euren Kampf wün­schen wir euch viel Durch­hal­te­ver­mö­gen und den größt­mög­li­chen Er­folg. Wenn ihr Ak­tio­nen plant bei denen un­se­re Un­ter­stüt­zung ge­wünscht ist, lasst es uns bitte wis­sen!

So­li­da­ri­sche Grüße,

Links­ju­gend [’solid] Aa­chen

2.9.2014