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Ice-Bucket Challenge

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Wer profitiert davon? Was wirklich nötig ist

Massenhaft verbreitet sich die sogenannte „Ice-Bucket Challenge“ durch die Welt. Menschen gießen sich einen Eimer Wasser mit Eiswürfeln über den Kopf und spenden Geld. Mehr als 90 Millionen US-Dollar sind so zusammengekommen. Doch wem spendet man da? Wohin fließt das Geld?

von Holger Dröge, Berlin

Die enorme Verbreitung der Challenge zeigt, dass viele Menschen bereit sind gutes zu tun und dazu zu finanziellen Opfern bereit sind. Das ist gut, doch aus zwei Gedanken heraus, ist die Ice-Bucket-Challenge kritisch zu sehen:

Erstens: Es sollte gesellschaftlich diskutiert und entschieden werden, wie die Gesundheitssituation der Menschheit verbessert werden kann. ALS ist eine grausame Erkrankung, keine Frage. Doch glücklicherweise ist sie selten: Es gibt etwa ein bis drei Erkrankungen auf 100.000 Menschen. Das bedeutet zum Beispiel, dass in den USA pro Jahr etwa 5000 Menschen an dieser Erkrankung sterben.

Doch allein an Herzkrankheiten sterben mehr als 600.000 Menschen in den USA pro Jahr, rund 150.000 an Lungenerkrankungen oder rund 75.000 an Diabetes (alle Zahlen: Centers for Disease Control and Prevention, USA). Doch gleichzeitig werden hierfür weniger Spenden gesammelt als für andere Erkrankungen, die deutlich weniger Menschenleben kosten. Das Geld wird also nicht effizient eingesetzt. 56.000 Dollar braucht es um das Leben eines ALS-Erkrankten für ein Jahr erträglicher zu machen. Mit der gleichen Summe kann man aber auch mehr als 500 Menschen in der neokolonialen Welt vor Malaria schützen.

Denn Gesundheitsprobleme sind global: Weltweit haben mehr als 800 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberen Trinkwasser, alle drei Sekunden verhungert ein Mensch auf unserem Planeten. Alles Zeugnisse der enormen Grausamkeiten des Kapitalismus.

Zweitens: Die spendensammelnde ALS-Association ist kritisch zu sehen. Aus dem letzten veröffentlichten Steuerbescheid von ihr geht nämlich hervor, dass die Organisation mehr als die Hälfte ihrer 2013 eingenommenen Spenden in Höhe von 24 Millionen US-Dollar für ihre Mitarbeiter ausgab. Ganz besonders ins Gewicht fielen dabei die Zahlungen an die Führungsriege:

Die Präsidentin kassierte beispielsweise ein Jahresgehalt in Höhe von 339.475 Dollar. Der Finanzchef bezog 201.260, sein Stellvertreter 118.726, der „Chief Public Policy Officer“ 182.862, die Leiterin des Bereichs „Care Services“ 160.646, der „Chief Chapter Relations and Development Officer“ 152.692, die Leiterin der Entwicklungsabteilung 178.744, der Direktor für „Planned Giving“ 112.509, die Leiterin des Bereichs Kommunikation und Marketing 142.875, der Public-Policy-Director 112.358 und die Direktorin der Abteilung „State Advocacy“ 110.661 Dollar.

Aber sicherlich ist mit dem enormen Erfolgen der Ice-Bucket-Challenge hier ein Bonus zu erwarten.

Staatliche Forschung – finanziert aus den Gewinnen und Vermögen der Superreichen

Was wirklich nötig ist: In den USA gibt es rund 500 Milliardäre. Die meisten von Ihnen zahlen so gut wie keine Steuern. Zwar spenden viele große Beträge zu wohltätigen Zwecken, doch Mäzenatentum kann keine Lösung sein. Wir setzen uns dafür ein, dass Reiche und Superreiche Steuern zahlen wie jede andere Mensch auch. Und das dann demokratisch diskutiert und beschlossen wird, wie die eingesammelten Steuergelder eingesetzt werden sollten. Was soll für Bildung ausgegeben werden, was in die Forschung im Gesundheitsbereich investiert werden.