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Solidarität mit allen Opfern rechter Gewalt

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demo_aachen_flüchtlingeDokumentiert: Beschluss des LINKE Kreisverbandes Aachen vom 11. Januar 2014

So­li­da­ri­tät mit allen Op­fern rech­ter Ge­walt

Kei­nen Fuß­breit den Fa­schis­ten – für kon­se­quen­ten An­ti­fa­schis­mus

Seit 1990 wur­den in Deutsch­land min­des­tens 184 Men­schen durch neo­na­zis­ti­sche Ge­walt er­mor­det. Mit dem „Na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Un­ter­grund“ wurde eine fa­schis­ti­sche Ter­ror­grup­pe vom Ver­fas­sungs­schutz ge­deckt. Der Tod von min­des­tens zehn Men­schen geht auf das Konto die­ser Ter­ror­grup­pe, viele wei­te­re wur­den durch Bom­ben­an­schlä­ge teils schwer ver­letzt.

In der letz­ten Zeit wird, an­ge­heizt auch durch Re­gie­rungs­po­li­ti­ker, eine ras­sis­ti­sche Stim­mung ge­schürt. Die Zahl der An­schlä­ge auf Asyl­be­wer­be­rIn­nen­hei­me steigt wie­der. Staat­li­cher Ras­sis­mus fin­det u.a. in Ab­schie­bun­gen und ras­sis­ti­schen Ge­set­zen sei­nen Aus­druck. Mit dem Fort­schrei­ten der Wirt­schafts­kri­se wird sich das gemäß der „Teile und Herr­sche“-​Lo­gik noch zu­spit­zen.

Damit wer­den Mi­gran­tIn­nen zu Sün­den­bö­cken so­zia­ler Pro­ble­me er­klärt. Das Ein­tre­ten für ge­mein­sa­me In­ter­es­sen, ob gute Ar­beit, Woh­nun­gen oder So­zi­al­sys­te­me für alle, wird so er­schwert. Denn die Ur­sa­che der Pro­ble­me soll nicht im Sys­tem ge­se­hen wer­den, das ak­ti­ve Um­ver­tei­lung des Reich­tums von unten nach oben be­treibt, son­dern ak­tu­ell in an­geb­li­chen In­va­sio­nen fau­ler Ru­mä­nen und Bul­ga­ren.

Gleich­zei­tig muss­te die Neo­na­zi-​Sze­ne in Deutsch­land in den letz­ten Jah­ren hef­ti­ge Rück­schlä­ge ein­ste­cken. Mit Mas­sen­mo­bi­li­sie­run­gen nach Dres­den und an­de­re Städ­te konn­ten sym­bol­haf­te Auf­mär­sche der Fa­schis­ten ver­hin­dert wer­den.

Auch die Stol­berg-​Auf­mär­sche sta­gnie­ren von der Teil­neh­mer­zahl her, 2013 konn­te er nicht statt­fin­den. Den­noch haben wir es in der Re­gi­on mit einer der ak­tivs­ten und ge­fähr­lichs­ten Neo­na­zi-​Sze­nen in West­deutsch­land zu tun. Mit den Aa­chen Ul­tras wurde eine sich an­ti­ras­sis­tisch po­si­tio­nie­ren­de Fan­grup­pe re­gel­recht aus dem Ti­vo­li ge­prü­gelt. Re­gel­mä­ßig wer­den Men­schen die sich gegen Rechts en­ga­gie­ren mit Ter­ror über­zo­gen. Dabei wird auch auf Men­schen­le­ben keine Rück­sicht ge­nom­men. Es ist eher dem Glück zu ver­dan­ken dass es bis­her keine Toten zu be­kla­gen gibt, ver­füg­ten oder ver­fü­gen die Neo­na­zis er­wie­se­ner­ma­ßen über Bom­ben und schar­fe Waf­fen und wer­den Ver­fah­ren gegen sie oft ein­ge­stellt oder enden mit so lä­cher­lich ge­rin­gen Stra­fen, dass sie ge­ra­de­zu als An­reiz zu wei­te­ren An­grif­fen ver­stan­den wer­den kön­nen.

Nach einer Zeit re­la­ti­ver Ruhe hat es am 2. No­vem­ber 2013 eine neue Qua­li­tät des fa­schis­ti­schen Ter­rors ge­ge­ben. An dem Tag wurde eine De­mons­tra­ti­on in So­li­da­ri­tät mit dem Flücht­lings­pro­test und gegen Flucht­ur­sa­chen an drei Stel­len von Neo­na­zis und rech­ten Ale­man­nia-​Hoo­li­gans an­ge­grif­fen. Die von un­se­ren jun­gen Ge­nos­sIn­nen der links­ju­gend [’solid] or­ga­ni­sier­te De­mons­tra­ti­on muss­te sich unter den Augen der Po­li­zei mehr­fach selbst ver­tei­di­gen.

Be­reits in der ers­ten Woche 2014 setz­ten die Fa­schis­ten noch eins drauf. Etwa 20 be­waff­ne­te Neo­na­zis, dar­un­ter Ak­ti­vis­ten der ver­bo­te­nen „Ka­me­rad­schaft Aa­che­ner Land“ und der Hoo­lig­an­grup­pe „West­wall Aa­chen“ grif­fen Be­su­che­rIn­nen des Au­to­no­men Zen­trums mit Fla­schen und Knüp­peln an und er­kämpf­ten sich so Zu­tritt in den Ein­gangs­be­reich des AZ. Nur durch den mu­ti­gen Wi­der­stand der an­we­sen­den An­ti­fa­schis­tIn­nen konn­te ein Vor­drin­gen in die Ver­an­stal­tungs­räu­me ver­hin­dert wer­den. Beim Ein­tref­fen der Po­li­zei waren die An­grei­fer be­reits ge­flüch­tet. Wäh­rend die Po­li­zei Be­su­che­rIn­nen des AZ und zu Hilfe ei­len­de An­ti­fa­schis­tIn­nen schi­ka­nier­te konn­ten sich die Neo­na­zis im mi­gran­tisch ge­präg­ten Ost­vier­tel wie­der sam­meln.

Seit dem An­griff auf eine an­ti­fa­schis­ti­sche De­mons­tra­ti­on in der Aa­che­ner In­nen­stadt 2008 ist auch unser Par­tei­bü­ro mehr­mals Ziel neo­na­zis­ti­scher An­grif­fe ge­we­sen. Au­ßer­dem hat es das DGB-​Haus, das Par­tei­bü­ro der Grü­nen, den jü­di­schen Fried­hof, mehr­fach das AZ, von An­ti­fa­schis­tIn­nen be­wohn­te WG’s, Rei­se­grup­pen der Aa­chen Ul­tras und vie­les mehr ge­trof­fen. Fast schon re­gel­mä­ßig wer­den auch Men­schen über­fal­len. Auch Mit­glie­der un­se­rer Par­tei wur­den teils Kran­ken­haus­reif ge­prü­gelt.

Viel zu oft muss­te schon die Er­fah­rung ge­macht wer­den, dass Po­li­zei und Staats­an­walt­schaft nur sehr schlep­pend gegen rech­te Ge­walt­tä­ter vor­ge­hen. Und wenn über­haupt Er­mitt­lun­gen ein­ge­lei­tet wer­den sind die Stra­fen meist lä­cher­lich ge­ring. Gegen An­ti­fa­schis­tIn­nen da­ge­gen wird nicht sel­ten mit Härte vor­ge­gan­gen. Das muss­ten Be­su­che­rIn­nen des AZ am 6. Ja­nu­ar wie­der ein­mal er­le­ben.

DIE LINKE in der Städ­te­re­gi­on Aa­chen ist so­li­da­risch mit allen Be­trof­fe­nen rech­ter Ge­walt. Ins­be­son­de­re un­se­ren Ge­nos­sIn­nen der links­ju­gend [’solid] sowie dem Au­to­no­men Zen­trum möch­ten wir un­se­re Un­ter­stüt­zung zu­si­chern.

Wir for­dern:

1. Den so­for­ti­gen Stop von Schi­ka­ne und Re­pres­si­on gegen An­ti­fa­schis­tIn­nen! Es kann nicht sein, dass nach Jah­ren des fa­schis­ti­schen Ter­rors in un­se­rer Re­gi­on rech­te Ge­walt noch immer ver­harm­lost, eine Neo­na­zi-​At­ta­cke zu einer „Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen zwei Per­so­nen­grup­pen“ schön­ge­re­det und die an­ge­grif­fe­nen An­ti­fa­schis­tIn­nen auch noch schi­ka­niert wer­den!

2. Ent­schlos­se­nen Wi­der­stand gegen jedes öf­fent­li­che Auf­tre­ten der Neo­na­zis. Wir rufen alle fort­schritt­li­chen Grup­pen dazu auf, sich mit uns ge­mein­sam der brau­nen Brut ent­ge­gen­zu­stel­len und ihnen nicht die Stra­ßen zu über­las­sen. Ins­be­son­de­re in der Wahl­kampf­zeit ist mit einer ver­mehr­ten Ak­ti­vi­tät von NPD, DIE RECH­TE, Pro-“Be­we­gung“ und REPs zu rech­nen. Die Stadt­ver­wal­tung muss den Stadt­rats­be­schluss ach­ten und alle Frak­tio­nen über An­mel­dun­gen aus die­sem Spek­trum in­for­mie­ren.