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Alemannia Aachen: Nazis raus aus den Stadien!

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Aachen Ultras Quelle: http://www.aachen-ultras.de/?site=saison1213

Vorbemerkung: Dieser Artikel erschien zum Anfang des Monats November 2012 in der SAV-Zeitung „Solidarität“. Seitdem musste Alemannia Aachen Insolvenz beantragen. Auf diese aktuelle Entwicklung kann der Artikel leider nicht eingehen.

Mit dem Thema Rassismus müssen sich immer mehr Fußballvereine auseinandersetzen. In Aachen wurde lange versucht, diese Problematik unter den Teppich zu kehren. Als die „ZEIT ONLINE“ am 8. August titelte: „Rechte Aachen-Fans verprügeln linke Aachen-Fans. Spiel in der Dritten Liga in Saarbrücken: Es kommt zu Gewalt zwischen Aachener Fan-Gruppen“, sah sich selbst der Alemannia-Vorstand gezwungen, Stellung zu beziehen.

von Aemi Rademacher, Aachen

Lange Zeit waren die Ultras in Aachen eine Gruppe von eingefleischten Fußballfans. Jeder, der schon einmal auf dem Tivoli gewesen war, wusste, der S-Block ist der stimmungsträchtigste, dominiert von den Ultras.

Mitglieder der mittlerweile verbotenen Kameradschaft Aachener Land (KAL) sehen seit Jahrzehnten den Tivoli als Rekrutierungsfeld. Außerdem versuchten sie vor allem bei EM- und WM-Spielen, Aachens Partymeile für ihre rechte Propaganda zu nutzen. Es gelang ihnen aber nicht, da sowohl Gäste, AnwohnerInnen als auch Gastwirte sich zusammen taten und die Nazis wieder weitgehend aus der Aachener Innenstadt vertreiben konnten.

Gleichzeitig traten diese immer offener bei den Ultras auf, was zur Polarisierung und letztlich zur Spaltung führte. Es bildete sich eine zweite Fangruppe, die Karlsbande. Dort waren führende Mitglieder der KAL aktiv. Die Aachen Ultras hingegen entwickelten Positionen gegen Rassismus und jegliche Formen von Diskriminierung. Dadurch sahen Neonazis, die mittlerweile in der Karlsbande viel Einfluss hatten, ihr Rekrutierungsfeld bedroht. In den folgenden Monaten kam es immer wieder zu Beleidigungen bis hin zu tätlichen Angriffen auf Aachen Ultras. Den traurigen Höhepunkt bildete der Angriff beim Spiel in Saarbrücken, an dem auch Mitglieder der Karlsbande beteiligt waren, die bereits Stadionverbot erhalten hatten.

Warum wurde nicht vorher gehandelt? Sowohl der Alemannia-Vorstand als auch die Medien betonten ständig, dass Fußball nichts mit Politik zu tun habe. Das nutzten auch die Karlsbande sowie Mitglieder der KAL, indem sie versuchten, die Aachen Ultras und deren Sympathisanten als Linksradikale zu diskreditieren. Trotzdem waren große Teile der Alemannia-Fans gegen das Auftreten der Karlsbande. Das zeigte sich zum Beispiel darin, dass Fans in Gesprächen, bei Facebook und weiteren Gelegenheiten ihre Freude darüber äußerten, dass der Vorstand den Mitgliedern der Karlsbande verbot, offen (das heißt mit Banner, Material …) aufzutreten.

Fußballfans wollen eins, wenn sie ins Stadion gehen: ein gutes Spiel sehen, Spaß haben, feiern, abschalten. Deshalb sehen sie Fußball nicht als Politikum und wollen keiner politischen Strömung zugeordnet werden.

Stadtbekannte Nazis geben sich als harmlose Fußballfans, um dann Fanclubs für ihre Propaganda zu missbrauchen. Um dies zu verhindern, ist es gesellschaftlich notwendig, sich jedem Aufkommen von Faschismus von Anfang an entschlossen entgegen zu stellen. Damit wäre auch einer Gleichsetzung von Nazis und AntifaschistInnen vorgebeugt, welche die Karlsbande über ihr Banner „NPD und Antifa raus aus dem Tivoli“ versucht hatte herzustellen. Faschismus ist keine Meinung, wie der bürgerliche Staat uns weismachen will, sondern ein Verbrechen. AntifaschistInnen hingegen kämpfen dafür, dass dies nie wieder stattfinden kann.

Außerdem ist es heute eine Frage des Geldbeutels, ob man sich eine Dauerkarte fürs Stadion leisten kann oder nicht. Beim Neubau des Tivoli wusste jeder Alemannia-Fan: „Au backe, jetzt wirdŽs teuer!“ Immerhin wurden die Fans in die Planung mit einbezogen, so dass eine relativ hohe Anzahl an Stehplätzen erhalten blieb, was für einen Stadionneubau mittlerweile eher ungewöhnlich ist. Da stellt sich die Frage, wen wollen Vereinsvorstände in den Stadien haben? Fußball war lange Zeit der Sport für alle. Mittlerweile sind die Eintrittskarten so teuer geworden, dass eher GutverdienerInnen sich den Stadionbesuch auf Dauer leisten können. Fußball wird mehr und mehr zum Wirtschaftsfaktor.

Wir wollen wieder einen Fußball, den sich jede und jeder leisten kann. Einen Fußball, bei dem der Spaß und das Gemeinschaftsgefühl unter den Fans Priorität haben – nicht der Kommerz. Einen Fußball, bei dem rassistisches Gedankengut nichts verloren hat, denn die Begeisterung für diesen Sport verbindet uns international. Nazis raus aus den Stadien!