Krankenhäuser: Menschen statt Profite!

Stell dir vor, du brichst dir das Bein, wirst im Krankenhaus operiert und fängst dir dabei Pneumokokken-Bakterien ein. Kurz darauf darfst du dann gleich wieder eine Klinik aufsuchen, weil die Infektion zu einer Lungenentzündung geführt hat. Ein Krankenhaus-Besuch kann gefährlich sein! Zu Risiken und Nebenwirkungen kommt es, da ständig der Rotstift gezückt wird und Arbeitsplätze gestrichen werden. Kein Wunder, dass Hygiene- und Schutzmaßnahmen kaum noch eingehalten werden können.

von Aron Amm, Berlin

Gesundheit ist längst zur Ware geworden. Es gibt kaum einen anderen Markt, auf dem solch hohe Renditen erzielt werden. Auch vor Krankenhäusern macht die Profitgier nicht Halt.

Gewinnstreben macht krank

Zwischen 1999 und 2009 wurde die Zahl der Pflegestellen in den Kliniken um sage und schreibe 60.000 – auf 676.500 – abgesenkt (laut Deutsche Krankenhausgesellschaft). Dabei müssen heute nicht weniger, sondern jährlich fast eine Million PatientInnen mehr medizinisch versorgt werden.

Dass die Beschäftigten bei der Betreuung von Pflegefällen nunmehr Fließbandarbeit verrichten müssen wie Charlie Chaplins Tramp in „Moderne Zeiten“, liegt auf der Hand. An fürsorgliche Gespräche mit den PatientInnen ist kaum noch zu denken. Und die eine oder andere nötige Desinfektion von Kathetern fällt zwangsläufig flach.

Das Zauberwort in Vorständen und Aufsichtsräten lautet heute: „Effizienzsteigerung“. Dagegen ist doch eigentlich nichts einzuwenden, oder? Im Gesundheitswesen (und nicht nur hier) bedeutet „Effizienzsteigerung“ allerdings nichts anderes als immer rabiateren Personalabbau und verschärfte Arbeitshetze.

Eine Bank müsste man sein

Höchste Zeit, dass ver.di PatientInnen und Öffentlichkeit aufklärt, den Schulterschluss unter den Beschäftigten der verschiedenen Kliniken sucht und gegen die Missstände Sturm läuft. Statt Milliarden in Banken-Rettungsprogramme zu stecken, muss die Gesundheitsförderung massiv ausgebaut werden. Eine bundesweite Mobilisierung für mehr Personal, bessere Arbeitsbedingungen und eine angemessene Gesundheitsversorgung sollte die Aufgabe der ver.-di-Kampagne „Der Druck muss raus!“ sein.

Der Charité-Konflikt ist beispielhaft

Die ver.di-Betriebsgruppe an der Berliner Charité (wo übrigens seit 2010 2.700 KollegInnen neu in die Gewerkschaft eintraten) geht mit bestem Beispiel voran. Nach dem erfolgreichen fünftägigen Vollstreik im Mai 2011 wurde der Arbeitgeber jetzt durch ver.di zu Verhandlungen über eine tarifliche Regelung von Mindestbesetzung und gesundheitsfördernde Maßnahmen aufgefordert.

Ein Novum. Zum ersten Mal überhaupt in der Tarifgeschichte des bundesdeutschen Gesundheitswesens sollen Verhandlungen über eine Personalbemessung geführt werden, die eine verbindliche Mindestbesetzung festschreiben. Gefordert werden – wie auf der Pressekonferenz am 20. September angekündigt – unter anderem ein PatientInnen/Pflegekraft-Verhältnis von 15:1 für den Nachtdienst und ein Verhältnis von 5:1 im Tagesdienst.

Diese Forderungen sollen durch einen Haustarifvertrag realisiert werden. Gleichzeitig fordern die ver.di-Aktiven an der Charité von den politisch Verantwortlichen eine gesetzliche Mindestbesetzung in der Pflege.

 

Gesundheitspolitischer Irrsinn an der Charité

Am größten Uniklinikum Europas haben 4.000 PflegerInnen 120.000 Überstunden angesammelt – gleichzeitig wurden in den letzten vier Jahren 200 Stellen gestrichen.

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