Ford: Sofortmaßnahmen zur Verteidigung der Standorte nötig

Streikposten bei Ford in Dagenham, 18. Juni 2012

Solidarität mit den Kolleginnen und Kollegen

Artikel von der Homepage der „Socialist Party“ (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in England und Wales) vom 25. Oktober 2012

von Rob Williams

Nach der Ankündigung des Konzerns, dass man nächsten Sommer zwei Standorte in Großbritannien schließen und damit 2.000 ArbeiterInnen entlassen will, erklärt sich die „Socialist Party“ mit den Ford-Beschäftigten solidarisch. Das Vorhaben des Konzerns muss von den Gewerkschaften bekämpft werden.

Gleichzeitig macht Ford seine Produktionsstätte in Genk in Belgien dicht, wo 4.300 Arbeitsplätze verloren gehen. Die Schließung von Southampton Transit und dem Presswerk in Dagenham, die Armaturen liefern, ist ein Angriff auf die gesamte Ford-Belegschaft in Großbritannien, weil sie im Falle einer kompletten Schließung oder Angriffen auf die Arbeitsbedingungen der KollegInnen damit kleiner und angreifbarer wird.

Im Jahr 2000 gab es noch 52.000 ArbeiterInnen bei Ford UK. Die Schließungen haben diese Zahl auf unter 11.000 verringert. Das ist die Belohnung für die Opfer, die die Ford-ArbeiterInnen in den letzten Jahren gebracht haben: von ausgelagerten indirekten Arbeitsplätzen bis hin zur Zustimmung zu einer neuen Eingangsrente und der Abschaffung der Renten-Endstufe für neue RentnerInnen.

Diese Ankündigung nun zeigt, dass keinE ArbeiterIn sicher ist – weder in der Autobranche noch sonstwo. Diese Entlassungen könnten zum Verlust von insgesamt 20.000 Arbeitsplätzen in der Zulieferindustrie oder damit zusammenhängenden Branchen führen.

Die Gewerkschaften Unite und GMB müssen die ArbeiterInnen bei Ford mit den Beschäftigten dieser anderen Unternehmen zusammenbringen, um eine ganze Armee des Widerstands aufzubauen. Standortschließungen und Entlassungen sind nicht einfach zu stoppen, aber sie können gestoppt werden, wenn ein ernsthafter und entschlossener Kampf dafür organisiert wird.

Mitglieder von Unite in der Baubranche und die BusfahrerInnen von London haben dieses Jahr schon Erfolge errungen und gezeigt, dass man den Plänen der Konzernchefs Widerstand leisten kann.

Gewerkschaftspolitik heißt, eine landesweite Auseinandersetzung zum Thema Betriebsschließungen anzuzetteln. Es sollte umgehend ein landesweites Treffen aller Betriebsräte und Vertrauensleute von Ford UK einberufen werden, um zu diskutieren, welche Maßnahmen nötig sind. Dazu muss auch die mögliche Organisierung einer Mitgliederbefragung über Streikmaßnahmen gehören.

Alle offiziellen und „wilden“ Maßnahmen sollten mit den ArbeiterInnen in Genk und allen anderen Betriebsstandorten in Europa koordiniert werden. Aus diesem Grund sollte eine außerordentliche Versammlung des „Europäischen Ford Betriebsrats“ organisiert werden, zu der die Betriebsräte aller Standorte eingeladen werden.

Das könnte den ArbeiterInnen in Southampton und Dagenham das Selbstvertrauen geben, um alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, die nötig sind, um die Schließung zu verhindern – dazu sollten auch Betriebsbesetzungen zählen.

In Southampton würde ein Aufruf an die Stadtgesellschaft zu einer Demonstration gegen die Schließung der Fabrik ein dröhnendes Echo erhalten und Tausende auf die Straße bringen.

Die „Socialist Party“ und das „National Shop Stewards Network (NSSN; landesweites Vertrauensleute- und Betriebsräte-Netzwerk) haben bei der Demonstration des Gewerkschaftsbunds TUC mit 150.000 TeilnehmerInnen am 20. Oktober in London eine Kampagne für einen 24-stündigen Generalstreik gegen die Angriffe der liberal-konservativen Regierung der Konzerne geführt.

Was den Ford-Fabriken nun droht, zeigt, auf´s Neue, warum die Gewerkschaften und der TUC alle ArbeiterInnen – in der Privatwirtschaft wie auch dem öffentlichen Sektor – zusammenbringen müssen, um alle unsere Arbeitsplätze, Löhne und Renten zu verteidigen.

Um die Existenzen der ArbeiterInnen, ihre Fertigkeiten und die Produktionsstätten, in denen sie arbeiten, zu sichern, sollte Ford verstaatlicht werden, wenn man dort ablehnt, die Entlassungspläne zurückzunehmen.

Alle Ford-ArbeiterInnen müssen kämpfen

RentnerInnen, die bei Ford Visteon gearbeitet haben, begrüßen den Demonstrationszug der Lehrergewerkschaft NUT und der Gewerkschaft der Hochschulbeschäftigten UCU am 28. März 2012 in London

Sowohl für die Ford-ArbeiterInnen als auch die -RentnerInnen stellt das Defizit in der Rentenkasse bei Ford eine wahre Bedrohung dar. Es beträgt rund zwei Milliarden britischer Pfund. Sie alle werden sich fragen, wie ein dezimiertes Unternehmen, das die Schließungspläne mit Verlusten von einer Milliarde britischer Pfund rechtfertigt, es in der Praxis hinkriegen will, die Rentenzahlungen aufrecht zu erhalten und gleichzeitig dem Defizit Rechnung zu tragen.

Die ArbeiterInnen sollten sich daran erinnern, wie 2009 die ehemaligen Fordbetriebe von Visteon von der Verwaltung geschlossen wurden, in denen Komponenten produziert wurden. Damals wurden 600 ArbeiterInnen entlassen.

Heute verklagen mehr als 3.000 RentnerInnen von Visteon das Unternehmen Ford, um ihre vollen Rentenansprüche durchzusetzen, weil der Unternehmens-Rentenfonds im gesetzlichen Rentensicherungsfonds aufgegangen ist.

Die Option, auf diese Art und Weise mit der finanziellen „Last“ umgehen zu können, muss für Ford sehr verführerisch sein. Die ArbeiterInnen von Visteon werden so nur gesetzliche Abfindungen von maximal 9.000 britischer Pfund pro Person bekommen, aber zudem eine größere Sonderzahlung erhalten, weil sie dafür gekämpft haben – mit Besetzungsaktionen und Streiks.

Der umgehende Beginn ernsthafter Maßnahmen auf Landesebene und auch international würde den ArbeiterInnen der britischen Betriebsstandorte das Rückgrat geben, zu kämpfen und das stärkst mögliche Signal an Ford auszusenden, dass der Kampf um ihre Arbeitsplätze und Renten begonnen hat.

Solidarität mit den Ford-ArbeiterInnen!

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